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Im russischen Belgorod war es am Wochenende düster.

© REUTERS/stringer

Ukraine-Invasion, Tag 1420: Jetzt wissen auch Russen, wie sich Blackouts anfühlen

Witkoff und Kushner wollen noch im Januar Putin treffen, Lage im ukrainischen Stromnetz bleibt kritisch, EU will Finanzhilfen für die Ukraine aufteilen. Der Überblick.

Stand:

Seit Monaten zerstört Russland systematisch den Energiesektor der Ukraine. Wie sich das anfühlt, wissen seit Freitag auch Menschen auf der anderen Seite der Grenze: im russischen Belgorod. Dort griffen die Ukrainer Anlagen an, die Strom und Warmwasser produzieren. Insgesamt 600.000 Menschen waren zwischenzeitlich ohne Strom und 200.000 Menschen ohne Wasser.

„Es gibt noch keine massiven Stromausfälle, aber in bestimmten Stadtteilen und Straßen sind einige zu verzeichnen“, sagte ein Bewohner zur „Washington Post“. Viele gewerbliche Einrichtungen, wie beispielsweise Einkaufszentren, seien geschlossen worden, um Strom für Wohngebiete zu sparen. „Im Moment ist die Lage mehr oder weniger unter Kontrolle. Aber wenn es weitere Angriffe gibt, befürchte ich, dass Belgorod in Dunkelheit versinken wird und extrem schwere und schwierige Zeiten beginnen werden.“

Die Temperaturen liegen in Belgorod, ähnlich wie in der Ukraine, bei um die minus elf Grad. Der Regionalgouverneur Wjatscheslaw Gladkow forderte die Einwohner auf, sich darauf vorzubereiten, im Falle einer Notsituation, in der Strom und Heizung vollständig ausfallen, kurzfristig ihre Häuser zu verlassen. Zudem sorgte Gladkow schon mal für den Fall vor, dass Menschen auf die Idee kommen, zu laut Kritik zu äußern: Interne „Feinde“ könnten versuchen, die Region zu destabilisieren – eine Warnung an die Bürger.

Ein führender russischer Militärblogger, der unter dem Pseudonym „Zapiski Veterana“ schreibt, erklärte, dass Belgorod unter „anhaltendem systemischem Druck“ stehe, wodurch die Region zu einem Kriegsgebiet werde. Er kritisierte zudem die begrenzte Unterstützung der Behörden für das Gebiet: Die lokalen Behörden seien auf die Angriffe der vergangenen Woche nicht vorbereitet gewesen.

„Belgorod muss regelmäßig Vergeltungsschläge für Angriffe auf militärische und infrastrukturelle Ziele tief im Inneren der Ukraine hinnehmen“, schrieb der Blogger und appellierte an den Kreml: „Diejenigen, die die größte Last dieses Krieges tragen, sollten angemessene Hilfe erhalten.“ Momentan scheint es allerdings eher so, als ob die russische Führung die Angriffe auf Belgorod lieber totschweigen würde.

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • Der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, und der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, planen einem Medienbericht zufolge eine Reise nach Moskau für ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Die Begegnung könne noch in diesem Monat stattfinden, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Mehr dazu im Newsblog.
  • Die Lage im ukrainischen Stromnetz bleibt nach neuen russischen Angriffen äußerst kritisch, besonders im Raum Kyjiw sowie in den Regionen Sumy und Riwne. Dort können derzeit keine geplanten, stundenweisen Stromabschaltungen umgesetzt werden. Grund seien „die Folgen der Angriffe, Schäden an der Netzinfrastruktur und eine hohe Belastung“, teilte das Energieministerium mit.
  • Ein ukrainischer Drohnenangriff hat in der südrussischen Hafenstadt Rostow am Don einen Brand in einem Industriebetrieb ausgelöst und Wohnhäuser beschädigt. Die Luftabwehr habe versucht, den Angriff abzuwehren, sagte Bürgermeister Alexander Skrjabin. Herabfallende Trümmer hätten den Brand und die Schäden verursacht.
  • Die EU will die bewilligten Finanzhilfen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro aufteilen. Ein Drittel soll in den allgemeinen Haushalt fließen und zwei Drittel in militärische Ausrüstung, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel. Die Milliarden für das Militär sollen hauptsächlich für den Kauf von Ausrüstung aus europäischen Ländern verwendet werden.
  • Das ukrainische Parlament hat den bisherigen Digitalminister Mychajlo Fedorow zum neuen Verteidigungsminister ernannt. „Unser Ziel ist es, das System zu verändern: die Armee zu reformieren, die Infrastruktur an der Front zu verbessern, Lügen und Korruption auszumerzen und Führung und Vertrauen zu einer neuen Kultur zu machen“, sagte Fedorow vor den Abgeordneten.
  • In der Ukraine sind das geltende Kriegsrecht und die allgemeine Mobilmachung bis Anfang Mai verlängert worden. Für beide Gesetzesvorlagen stimmte jeweils eine deutliche Mehrheit von mehr als 300 Abgeordneten. Die Entwürfe waren von Präsident Wolodymyr Selenskyj eingereicht worden.
  • Ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter, die unerlaubt nach Belarus geflohen sind, berichten laut „Slidstvo.Info“ von Verhören durch mutmaßliche Sicherheitskräfte in Zivil. Dabei geht es demnach vor allem um Informationen zu Bewegungen ukrainischer Truppen und Einschlagsorten von Raketen und Drohnen.
  • Das russische Verteidigungsministerium hat die Ukraine für den Angriff auf einen griechischen Tanker im Schwarzen Meer verantwortlich gemacht. Der unter maltesischer Flagge fahrende Tanker „Matilda“ sei etwa 100 Kilometer vor der Küste von zwei Drohnen angegriffen worden, erklärte das Ministerium am Mittwoch auf Telegram. Kiew reagierte zunächst nicht auf die Vorwürfe. 

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