
© Reuters/Guglielmo Mangiapane
Kurz vor Grönland-Gipfel im Weißen Haus: Dänemark will Militärpräsenz auf der Arktisinsel verstärken – Trump droht mit „Problemen“
Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen und Grönlands Regierungschef Nielsen demonstrieren angesichts der US-Ansprüche Einigkeit. Doch der härteste Teil komme noch, warnt Frederiksen.
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Kurz vor einem Treffen zu Grönland im Weißen Haus hat Dänemark einen Ausbau seiner Militärpräsenz auf der Insel angekündigt.
„Wir werden unsere militärische Präsenz in Grönland weiter verstärken“, erklärte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen am Mittwoch in einer Mitteilung an die Nachrichtenagentur AFP. „Wir werden aber auch innerhalb der Nato auf mehr Übungen und eine verstärkte Präsenz der Nato in der Arktis drängen.“ Dänemark führe mit seinen Verbündeten Gespräche „über neue und verstärkte Aktivitäten im Jahr 2026“.
Auch die Bundesregierung hat sich zuletzt für eine stärkere Nato-Präsenz in der Arktis ausgesprochen. In der Region seien verstärkte Aktivitäten Russlands und Chinas zu beobachten, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Dienstag dem ZDF. „Damit muss man umgehen“, sagte er. „Und das kann man im Nato-Rahmen gut lösen.“
Ob das US-Präsident Donald Trump davon abhalten kann, die Arktisinsel auf die eine oder andere Art in Besitz der USA zu bringen, ist fraglich. Trump hatte erst vor einigen Tagen betont, dass verstärkte Nato-Aktivitäten rund um die Insel keinen Einfluss auf seine Entscheidungen bezüglich Grönland hätten. Es sei „psychologisch wichtig“, die Insel zu besitzen, erklärte er.
Derweil hat auch der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erneut erneut deutlich gemacht, dass Grönland unter keinen Umständen zu den USA gehören will.
„Wenn wir zwischen den USA und Dänemark wählen müssen, dann wählen wir Dänemark“, sagte Nielsen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag mit Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen in Kopenhagen.
Trump ließ sich auch von dieser Aussage nicht beirren. „Das ist ihr Problem. Ich bin nicht seiner Meinung“, sagte er angesprochen auf die Äußerungen Nielsens. „Es wird ein großes Problem für ihn werden“, erklärte der US-Präsident weiter. Trump erklärte, dass er Nielsen nicht einmal kenne. „Ich weiß nicht, wer er ist, ich weiß nichts über ihn.“
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Ministerpräsidentin Frederiksen wiederum betonte auf der Pressekonferenz, es sei nicht einfach gewesen, dem „völlig inakzeptablen Druck unserer engsten Verbündeten“ standzuhalten. Aber man könne nicht mit Macht Grenzen verschieben und man könne keine Bevölkerung kaufen, betonte sie. Sie warnte jedoch: „Der härteste Teil liegt noch vor uns.“ Dafür gebe es derzeit viele Anzeichen.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen will an diesem Mittwochnachmittag in Washington mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio über die US-Ansprüche auf die zu Dänemark gehörende autonom verwaltete Insel sprechen. An dem Treffen soll auch die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt teilnehmen.
Ob die direkten Gespräche eine Entspannung bringen werden, war zunächst nicht abzusehen. Die Situation sei sehr ernst und der Druck auf die grönländische Bevölkerung äußerst hoch, sagte Nielsen. Aber man stehe an der Seite Dänemarks. Man gehe gemeinsam in die Gespräche und verlasse sie auch gemeinsam wieder.
Europa zeigt bisher mit symbolischen Gesten seine Solidarität mit Grönland und Dänemark. So eröffnet Frankreich am 6. Februar ein Konsulat auf Grönland, sagte der französische Außenminister Jean-Noel Barrot am Mittwoch dem französischen Sender RTL. Die USA müssten aufhören, Grönland zu erpressen und die Kontrolle über die größte Insel der Welt zu fordern. Die Pläne für das Konsulat gibt es demnach seit dem vergangenen Jahr.
In Deutschland trifft die Unterstützung der europäischen Regierungen für Dänemark und Grönland derweil auf breite Unterstützung. 73 Prozent befürworten die Positionierung Deutschlands und mehrerer großer europäischer Länder, die sich in einer gemeinsamen Stellungnahme hinter Dänemark und Grönland gestellt hatten.
Allein Dänemark und Grönland würden über Angelegenheiten entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen, hieß es der vergangenen Woche in einer auch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unterschriebenen Stellungnahme. „Grönland gehört seinem Volk“, heißt es in dem Papier, das unter anderem vom britischen Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron unterzeichnet wurde.
Die Einschätzungen, ob es zu einem militärischen Eingreifen der USA in Grönland kommen könnte oder nicht, halten sich die Waage. 39 Prozent halten das für wahrscheinlich, 40 Prozent für unwahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt erneut mit der Annexion Grönlands gedroht und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet.
US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Tagen erneut mit der Annexion Grönlands gedroht und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen begründet. Jüngst machte er klar, dass es ihm um den langfristigen Besitz von Grönland geht. „Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht“, sagte er. Dänemark und Grönland weisen Trumps Besitzansprüche seit Wochen mit Unterstützung zahlreicher europäischer Partner vehement zurück. (Tsp, dpa)
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