Comeback des Opernstars : Plácido Domingo hält sich für unschuldig

Nach überstandener Covid-19-Erkrankung: Der wegen MeToo-Vorwürfen umstrittene Opernstar Plácido Domingo tritt wieder auf. Und erkennt kein Fehlverhalten.

Plácido Domingo während des Konzerts in Italien.
Plácido Domingo während des Konzerts in Italien.Foto: Riccardo De Luca/dpa

Weite Teile der Musikwelt hatten bereits den Abgesang auf ihn angestimmt – aber er gibt sich unbeugsam. Nach Vorwürfen mehrerer Frauen wegen sexueller Belästigung und einer überstandenen Corona-Infektion stand der spanische Opernstar Plácido Domingo am Samstagabend wieder auf der Bühne. Der 79-Jährige trat vor dem Palast von Caserta unweit von Neapel in Süditalien in der Hauptrolle von Giuseppe Verdis „Simon Boccanegra“ auf. „In meinem ganzen Leben habe ich nie so viel Zeit ohne Singen verbracht“, sagte Domingo in einem Interview der spanischen Zeitung „El Mundo“ zur halbjährigen Pause. Das Comeback in Italien sei für ihn deshalb „sehr bewegend“.

Sein bis dahin letztes Konzert hatte Domingo am 19. Februar im kleinen Opera Studio Beckmann in der mexikanischen Gemeinde Tequila gegeben. Am 22. März hatte er dann aus Mexiko mitgeteilt, er sei an Covid-19 erkrankt. Später habe man ihm im Krankenhaus in Acapulco gesagt, sein Zustand sei sehr schlecht gewesen. „Wenn ich nur einen Tag später ins Krankenhaus gegangen wäre, wissen wir nicht, ob ich das überstanden hätte.“

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Doch es war nicht nur die Krankheit, die ihm zuletzt zugesetzt hatte. Im Zuge der MeToo-Debatte warfen ihm zahlreiche Frauen sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen reichen von ungewollten Berührungen, Küsse auf den Mund bis hin zu Begrapschen. Andere berichteten von Anrufen spät in der Nacht, verbunden mit der Bitte, zu seiner Wohnung zu kommen. Manche Frauen gaben an, sich wie Stalking-Opfer zu fühlen.

Untersuchungen belasten Domingo

Eine von der Oper in Los Angeles beauftragte Untersuchung kam im März zu dem Ergebnis, dass bestimmte Vorwürfe glaubwürdig seien. In zehn Fällen habe Domingo demnach „unangemessenes Verhalten“ an den Tag gelegt, hieß es in dem Bericht. Auch eine Untersuchung des US-Verbands der Musikkünstler (AGMA) hatte Vorwürfe von Sängerinnen bestätigt gesehen. Domingo war bereits im Oktober 2019 als Chef der Oper in Los Angeles zurückgetreten.

Im „El Mundo“-Interview hingegen betonte Domingo, seine öffentliche Entschuldigung im Februar an die mutmaßlichen Opfer sei fälschlicherweise als Schuldeingeständnis interpretiert worden. „Wie ich mehrfach erklärt habe, habe ich niemals Übergriffe begangen.“ Als Person des öffentlichen Lebens habe man „viele Freunde, aber auch viele Feinde, das habe ich zu spät begriffen“.

Während in den USA und auch in seinem Heimatland Spanien alle seine Auftritte abgesagt wurden, darf sich Domingo nun wieder vielerorts präsentieren – und den Jubel seiner Anhänger genießen. In Caserta waren die Eintrittskarten bereits Tage vorher ausverkauft. Und schon sind weitere Auftritte angekündigt: Ende August in Verona, Anfang September in der Wiener Staatsoper. Am 26. September gibt er ein Konzert in Köln. Vor einigen Tagen erhielt der Madrilene im Rahmen der Österreichischen Musiktheaterpreise in Salzburg eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. mit dpa

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