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Scott Adams auf einem Archivbild.

© dpa/Marcio Jose Sanchez

Populäre Comics, populistische Sprüche: „Dilbert“-Zeichner Scott Adams stirbt mit 68

US-Comiczeichner Scott Adams schuf mit „Dilbert“ einen der erfolgreichsten Zeitungscomics. Später provoziert er mit rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen. Nun ist er verstorben.

Stand:

Der Zeichner Scott Adams war einer der erfolgreichsten Comic-Autoren der USA – und in den letzten Jahren seines Lebens einer der umstrittensten. Jetzt ist er im Alter von 68 Jahren gestorben. Das teilte seine Ex-Frau Shelly Miles am Dienstag auf YouTube mit. 

Sein 1989 gestarteter Satire-Strip „Dilbert“, der mit sarkastischem Humor den Berufsalltag eines Programmierers und seiner Kollegen thematisiert, erschien bis vor einigen Jahren in weltweit rund 2000 Zeitungen und Zeitschriften, darunter auch einigen in Deutschland.

Ich hatte ein unglaubliches Leben.

Aus dem Abschiedsbrief von Scott Adams

Adams' frühere Frau Miles verlas auf Youtube einen Abschiedsbrief des Zeichners an seine Fans, wie die Agentur AFP berichtet. „Ich hatte ein unglaubliches Leben“, heißt es darin. „Mein Körper ist vor meinem Geist gegangen.“ Der Comiczeichner litt an Prostatakrebs und wurde zuletzt in einem Hospiz behandelt.

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Dilbert und Kollegen.

© imago stock&people

Die Verbreitung von „Dilbert“ reichte in seinen besten Zeiten quantitativ fast an legendäre Reihen wie die „Peanuts“ und „Hägar der Schreckliche“ heran. In späteren Jahren fiel Adams allerdings zunehmend mit populistischen Sprüchen, frauenfeindlichen Bemerkungen und verschwörungstheoretischen Erzählungen auf. Dennoch veröffentlichten viele teils namhafte US-Zeitungen weiterhin seinen Comic.

Schwarze als „Hassgruppe“?

Im Jahr 2023 hatte Adams allerdings für viele US-Medien offenbar die Grenze des Erträglichen überschritten. Mehrere Zeitungen verkündeten im Februar jenes Jahres, dass sie „Dilbert“ fortan nicht mehr veröffentlichen werden.

Anlass war in diesem Fall eine rassistische Tirade von Adams in seiner Youtube-Sendung „Real Coffee with Scott Adams”. Darin bezeichnete er Schwarze Amerikaner als „Hassgruppe“ und appellierte an Weiße, sich „verdammt noch mal“ von ihnen fernzuhalten.

Er bezog sich dabei auf eine Umfrage des konservativen Meinungsforschungsinstituts Rasmussen Reports, derzufolge nur 53 Prozent der Schwarzen Amerikaner der Aussage zustimmen, „es ist okay, weiß zu sein“.

„Wenn fast die Hälfte aller Schwarzen mit Weißen nicht einverstanden ist, ist das eine Hassgruppe“, sagte Adams. „Und mit denen will ich nichts zu tun haben.“

Als Reaktion auf Adams’ Äußerungen teilte damals unter anderem die Mediengruppe „USA Today“, zu der Hunderte von Zeitungen gehören, die Einstellung von „Dilbert“ mit, ebenso die „Washington Post“, die „Los Angeles Times“ und der „Plain Dealer“ in Cleveland.

FILE PHOTO: Scott Adams, the creator of "Dilbert", the cartoon character that lampoons the absurdities of corporate life, poses with two "Dilbert" characters at a party January 8, 1999 in Pasadena. The party celebrated the new half-hour animated series "Dilbert", which  debuts on the UPN television network January 25./File Photo
Scott Adams mit „Dilbert“-Figuren auf einem Archivfoto von 1999.

© REUTERS/Fred Prouser

Sie begründeten das unter anderem damit, dass Adams‘ Äußerungen „die Segregation fördern“, wie es in der Erklärung der „Washington Post“ hieß. „Wir sind keine Heimat für diejenigen, die Rassismus befürworten“, schrieb Chris Quinn, Herausgeber des „Plain Dealer“. Die „New York Times“, die den Strip bislang in ihrer internationalen Printausgabe veröffentlichte, erklärte ebenfalls, man werde „Dilbert“ nicht mehr publizieren.

Das provozierte zu jener Zeit eine kontroverse Debatte über Adams’ Worte und über das Thema Rassismus in den USA. Daran beteiligte sich auch Tesla- und X-Chef Elon Musk. Er äußerte keine Kritik an Adams’ Aussagen, sondern schrieb in einem Beitrag auf X: „Lange Zeit waren die US-Medien rassistisch gegen nicht-weiße Menschen, jetzt sind sie rassistisch gegen Weiße und Asiaten.“

In Deutschland erschienen die „Dilbert“-Strips um die Jahrtausendwende in der „Zeit“. Dort wie auch in der „Süddeutschen Zeitung“ wurden sie aber schon vor längerer Zeit eingestellt.

Unterstützung für Donald Trump

Jenseits von „Dilbert“ hat sich Adams immer wieder zu politischen und sozialen Themen öffentlich geäußert und sich dabei zeitweise als „links“ bezeichnet. In späteren Jahren hatte er aber offenbar eine Radikalisierung in die andere Richtung durchlaufen und sich wiederholt lobend über Donald Trump geäußert.

Adams behauptete, in der Präsidentschaftskampagne von Joe Biden 2020 „satanische Zufälle“ entdeckt zu haben. Er prophezeite, dass nach einem Sieg des demokratischen Trump-Herausforderers Republikaner „gejagt“ würden und wahrscheinlich „innerhalb eines Jahres tot“ seien. Frauen, die gleichen Lohn fordern, verglich Adams mit Kindern, die Süßigkeiten verlangen.

Nach der Kündigung von „Dilbert“ durch zahlreiche Zeitungen zeigte sich Adams 2023 wenig einsichtig und stellte sich als Opfer dar. Er habe der Öffentlichkeit nur raten wollen, „Hass zu vermeiden“. Die Absetzung seines Comics sei ein Zeichen dafür, dass die Meinungsfreiheit in Amerika unter Beschuss stehe. „Die Medien haben eine Welle der Rassentrennung ausgelöst und mich dann abserviert, weil ich auf die offensichtlichen Auswirkungen ihrer bösen Arbeit hingewiesen habe“, schrieb er auf X.

US-Präsident Donald Trump würdigte Adams nach dessen Tod als „großartigen Influencer“ und veröffentlichte ein älteres Foto, das die beiden gemeinsam im Weißen Haus zeigt. Trump schrieb dazu: „Er war ein fantastischer Typ, der mich gemocht und respektiert hat, als es noch nicht Mode war.“

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