Neuer Roman von Jonas Jonasson : Alles noch schlimmer geworden

Der Held trifft auf Trump: Jonas Jonasson legt mit „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ nach. Es ist trotz allem kein Weltverbesserungsroman.

Verliert seinen Humor nicht. Der 57-jährige schwedische Schriftsteller Jonas Jonasson.
Verliert seinen Humor nicht. Der 57-jährige schwedische Schriftsteller Jonas Jonasson.Foto: Sara Arnald / Verlag

Als Donald Trump in diesem Roman zum ersten Mal in Erscheinung tritt, hat er gerade seinen Sicherheitsberater Michael T. Flynn durch einen neuen ersetzt und sich über die schwedische Außenministerin Margot Wallström geärgert, wegen deren Besuchs in Nordkorea. Nun lässt er sich telefonisch in die Schweiz durchstellen, zur Schweizer Bundespräsidentin, von der er nicht weiß, dass sie eine Frau ist. Was er auch nicht weiß: Dass sie in Bern residiert, weil Zürich nicht die Hauptstadt der Schweiz ist, dass die Schweiz nicht in der EU ist und wie die Hauptstadt  von Nordkorea heißt.

Ist das jetzt besonders lustig? Soll es das überhaupt sein? Und nicht viel mehr die einigermaßen passend-trockene Charakterisierung einer Figur, die man sowieso nur aus den Medien kennt? Eine gewisse Beiläufigkeit, ein gewisses Schweben bei der Zeichnung seiner vielen prominenten Figuren aus dem realen politischen Leben behält der schwedische Schriftsteller Jonas Jonasson sich jedenfalls vor in diesem Nachfolger seines Debüts „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Das Vorwort lehrt zunächst das Fürchten

Dieser Roman erschien 2011 als Paperback und wurde zu einem Welterfolg, mit viereinhalb Millionen verkauften Exemplaren allein im deutschsprachigen Raum. Jonasson ließ mit „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ und „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ zwei weitere Romane folgen, die ebenfalls Bestseller wurden, um nun seinen Hundertjährigen, der inzwischen hunderteins ist, ein weiteres Mal rund um die Welt zu schicken, unter dem Titel „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten.“ So ein Sequel erscheint logisch, bei dem Erfolg, da lernt die Buchbranche mal das Siegen vom Kino. Doch sei das nie sein Ansinnen gewesen, schreibt Jonasson nun in einem kleinen Vorwort. Er meinte eigentlich alles gesagt zu haben, „was ich über das wahrscheinlich erbärmlichste Jahrhundert aller Zeiten hatte sagen wollen“, auch „in der Hoffnung, dass wir dann zumindest weniger geneigt wären, diese ganzen Fehler zu wiederholen.“ Verbessert habe sich die Welt leider nicht durch seinen Roman, seufzt Jonasson noch, was ihm allerdings sehr bewusst war.

Als er jedoch beobachten musste „dass die Welt defizitärer war denn je“, erinnerte er sich wieder an Allan Karlsson, seinen Hundertjährigen, „um die Dinge beim Namen zu nennen. Und indirekt zu sagen, wie die Welt stattdessen aussehen sollte.“

Dieses Vorwort lehrt ja zunächst ein bisschen das Fürchten. Der Schriftstellers Jonas Jonasson scheint tatsächlich über ein gewisses Sendungsbewusstsein zu verfügen, bei aller Wärme, allem Augenzwinkern und allem Humor, die er seinem Hundertjährigen-Debüt mit auf den Weg gegeben hatte. Und jetzt also: ein Politroman. Ein Weltverbesserungsroman, ein Weltrettungsroman, ein Weltverschönerungsroman?

Mischung aus Roadmovie, Komödie und Schelmenstück

Glücklicherweise ist „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ all das nicht. Anders als beim Vorgänger nimmt Jonasson dieses Mal nicht historisch Maß und schaut sich auf der Nebenspur ein ganzes Jahrhundert an. Vielmehr begibt er sich in die Vertikale und lässt seinen Helden und dessen Freund, den 66 Jahre alten Julius Jonson auf die Spitzenpolitikerriege der Gegenwart treffen. Neben Trump sind das Steve Bannon, Kim Jong-un, Margot Wallström, Angela Merkel und ein paar Agenten, Diplomaten und Botschaftsangehörige. Auch Wladimir Putin spielt eine Rolle, zusammen mit seinem in diesem Fall aber fiktiven Buddy und Berater Gennadij Aksakow, der mit finanziellen Mitteln und vor allem denen der sozialen Medien einigermaßen erfolgreich versucht, die Wahlen in den USA und mehreren europäischen Ländern zu manipulieren.

Ansonsten ist die Rezeptur dieselbe geblieben. Jonasson hat abermals eine Mischung aus Roadmovie, Komödie und Schelmenstück geschrieben. Nur spielt darin der Hundertjährige gar keine so tragende Rolle, sondern ist mit seinem „schwarzen Tablett“ mehr ein Stichwortgeber, der immer mal wieder ein paar Lesefrüchte aus dem Weltgeschehen zum Besten gibt. Die bekommt erst nur sein Freund Julius zu hören, später auch die erfolglose Ladenbesitzerin (Lebensmittel/Särge) Sabine Jonsson, die ab Mitte des Romans zu den beiden stößt, so dass sie schließlich als Trio ihre Abenteuer in Skandinavien und Afrika bestehen.

Nicht jeder Einfall Jonassons ist gelungen

Die Geschichte jedoch beginnt am 101. Geburtstag von Allan auf Bali, als eine Heißluftballontour ihn und Julius auf den Indischen Ozean befördert und die beiden Alten von einem nordkoreanischen Frachter aus dem Meer gefischt werden, der vier Kilo Plutonium geladen hat. Allan Karlsson darf sich einmal mehr als Atomexperte ausgeben und wird Berater von Kim Jong-un. Dann rettet Margot Wallström ihn und Julius aus den nordkoreanischen Fängen, dann landen sie in den USA (wo Allan Golf mit Trump spielt), dann wieder in der Heimat (wo ein Neonazi hinter ihnen her ist wegen einer Sargverwechslung), und schließlich in Tansania und Kenia, wo sie mit Séancen Geld verdienen und sich dabei von einem Wundermediziner namens Olekorinko helfen lassen wollen.

Diese mitunter abstruse Geschichte mit ihren vielen Volten enthält teilweise durchaus vergnügliche Elemente, selbst so mancher Dialog ist mal knackig, mal schön neben der Spur. Ansonsten regiert stilistische Dürre, ja, gibt es auch handlungsmäßig so einige Längen. Nicht jeder Einfall Jonassons ist gelungen. Überhaupt fällt auf, wie es nach der Nordkorea-Geschichte zu einem doch eklatanten Bruch kommt. Jonasson beginnt quasi noch einmal neu mit Sabine und den neonazistischen Umtrieben in Skandinavien, und bekommt erst in Afrika glücklicherweise noch den Bogen.

Natürlich sagt Jonas Jonasson mit diesem Roman auch indirekt nicht, wie die Welt aussehen könnte – nur dass sie von Döspaddeln regiert wird, mitunter brutal-bauernschlauen, mitunter solchen, die ihre Sicherheitsberater schneller austauschen als Jonasson dem fiktiv entsprechen könnte. Vielleicht kann man den Döspaddeln des politischen Betriebs wirklich nur mit den subversiven Umtrieben eines Allan Karlsson und eines Julius Jonsson beikommen. Wenn diese Umtriebe auch noch unterhaltsam und ein bisschen lustig sind: umso besser.

Jonas Jonasson:  Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten.  Roman. Übersetzt von Wibke Kuhn. C. Bertelsmann, München 2018. 445 Seiten, 22 €.

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