• Schwieriger Start mit neuem Leiter: Um die Zukunft der Kammeroper Schloss Rheinsberg eskaliert ein Streit

Schwieriger Start mit neuem Leiter : Um die Zukunft der Kammeroper Schloss Rheinsberg eskaliert ein Streit

In Rheinberg sind Kammeroper und Musikakademie fusioniert. Ab September übernimmt Georg Quander. Doch es herrscht ein erbitterter Streit um die Ausrichtung der Institution.

Turbulenter Einstieg. Georg Quander ist neuer künstlerischer Direktor der Kammeroper und Musikakademie Rheinsberg.
Turbulenter Einstieg. Georg Quander ist neuer künstlerischer Direktor der Kammeroper und Musikakademie Rheinsberg.Foto: dpa

Siegfried Matthus macht sich große Sorgen um die Zukunft der Kammeroper Schloss Rheinsberg, die er gegründet, deren Leitung er aber 2014 abgegeben hat. Seit Wochen schreibt der 84-Jährige Briefe an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und Kulturministerin Martina Münch. Spricht von „Zerstörung der künstlerisch-organisatorischen Grundstruktur“ und „totalem Realitätsverlust“. Und schlägt vor, „das gegenwärtige Team mit der Weiterführung des Festivals zu beauftragen“. Was ist da los in dem beschaulichen Städtchen?

1990 entstanden im Rheinsberger Schloss zwei Institutionen, die sich dem gleichen Ziel verschrieben: der Förderung junger Sängerinnen und Sänger. Die Sommermonate waren reserviert für die Kammeroper, der große restliche Teil des Jahres für die von Ulrike Liedtke gegründete Musikakademie. Aus verschiedenen, wohl auch menschlichen Gründen waren sich beide nicht grün, existierten Rücken an Rücken. Eine unmögliche Situation, befand das Land Brandenburg. Nach Matthus’ Rückzug 2014 fusionierte es beide Einrichtungen zur Musikkultur Rheinsberg GmbH. Frank Matthus, der gerade erst die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte, wurde der Verzicht nahegelegt. Bis in den Sommer 2018 hinein blieb das Konstrukt Musikkultur nebulös, erst seit Kurzem hat es ein Gesicht: Georg Quander, ehemals Intendant der Berliner Staatsoper, wird ab 1. September neuer künstlerischer Direktor.

Das Land fusioniert in Rheinsberg zwei Einrichtungen

Von „kulturpolitischer Verantwortungslosigkeit“ spricht jetzt Siegfried Matthus, . „Einer allein soll die Arbeit von zweien erledigen, und das in Strukturen, die ein Vierteljahrhundert gewachsen sind.“ Kammeroper und der Musikakademie würden ihren Charakter verlieren. Auch Groll gegen Georg Quander ist zu spüren: „Wissen Sie, in der DDR haben wir darum gekämpft, dass die Deutsche Staatsoper weiterhin diesen Namen trägt. Und was macht er? Kommt – und ändert ihn sofort in Staatsoper Unter den Linden.“

Er mache seit Langem Vorschläge an Dietmar Woidke, immerhin Schirmherr der Kammeroper, sagt Matthus. Diese seien aber nie beantwortet worden. Das läge „außerhalb der Regelungs- und Handlungsmöglichkeiten eines Ministerpräsidenten“, heißt es aus dessen Büro. Auch die Freundeskreise hätten in Potsdam protestiert. Und Manos Tsangaris, Direktor der Sektion Musik der Berliner Akademie der Künste, appelliert an Woidke: „Retten Sie Rheinsberg und leihen Sie dem 84-jährigen Siegfried Matthus bitte Ihr Ohr! Dieses Juwel des Nordens darf nicht im Sommerloch fragwürdiger Fusionen untergehen!“

Kulturministerin Martina Münch hat am 19. Juli geantwortet und skizziert, wie es weitergeht. Vor allem gibt es mehr Geld: Der Landeszuschuss wuchs 2018 von 1,04 Millionen Euro auf 1,35 Millionen, Steigerungen auf 1,86 Millionen (2020) sind vorgesehen. Auf Matthus’ Forderungen geht die Ministerin in dem Brief nicht ein. Bei der Vorstellung von Quander am 14. August in Potsdam erklärte sie, dass die Tradition von Matthus’ Arbeit fortgeführt werde. „Aber künstlerische Konzepte sind nicht statisch. Dass beide Institutionen getrennt waren, mag am Anfang gute Gründe gehabt haben. Betrachtet man Rheinsberg jetzt, ist augenfällig, dass es ein gemeinsamer Kulturort ist. Dass die Kammeroper heute auf einer viel stabileren Grundlage steht, ist – aus meiner Sicht – auch im Sinne von Siegfried Matthus.“

Siegfried Matthus will die Nutzung von Namen und Logo verbieten lassen

Ist es nicht. Der kündigt jetzt bei weiterer starrer Haltung der Landesregierung an, ab 1. September die Verwendung des Namens „Kammeroper Schloss Rheinsberg“ zu untersagen. Das sei möglich, weil Titel und Logo schon seit den 90er Jahren geschützt seien. Die Markenrechte würden aber bei der Musikkultur liegen, behauptet das Ministerium und schickt einen Auszug aus dem Register des Deutschen Patent- und Markenamts mit. Stimmt nicht, sagt Matthus: Zum Zeitpunkt der Eintragung gab es die Musikkultur noch nicht. Eine Rechtsanwältin ist beauftragt. Ausgang: offen.

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt steht das Programm der Kammeroper für die Saison 2019 seit einiger Zeit online. Die Oper „Sybil, Es und Butler“ des 38-jährigen Komponisten und Dirigenten Aurélien Bello soll uraufgeführt werden, außerdem sind Stücke von Domenico Cimarosa und Friedrich von Flotow geplant. Georg Quander muss jetzt seine Vorstellungen von einem „neuen Rheinsberg“ konkretisieren und beweisen, dass er die Strukturen wirklich zusammenführen kann. Hoffentlich auch weiterhin unter dem Namen „Kammeroper Schloss Rheinsberg“.

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