
© SWR/Benoît Linder/SWR/Benoît Linder
„Tatort“ aus Freiburg: Der Mord und die sieben jungen Geißlein
Im grandiosen „Tatort“ mit Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau wird den Ermittlern sehr viel Empathie abverlangt. Auch untereinander.
Stand:
Kein guter Morgen für Friedemann Berg. Der Ermittler, wegen eines Trauerfalls und einer Suspendierung nicht im Dienst, wird von seiner Dorf-Bäckerin gebeten, in einem Haus am Waldrand nach einer Frau zu schauen, die nicht zur Arbeit gekommen ist. Berg findet dort ein Mädchen, das verängstigt im Kasten der Standuhr kauert. Und Blutspuren im Bett, die auf ein Verbrechen hindeuten: „Tatort: Das jüngste Geißlein“ (Sonntag, ARD, 20:15 Uhr).
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Die neunjährige Eliza (Hanna Heckt) ist allein im Haus und versteckt sich offenbar vor einem Wolf. Wo ihre Eltern sind und was Schreckliches passiert ist, kann sie nicht sagen.
Als die Leiche des Vaters mit Steinen beschwert in einem Waldsee gefunden wird, sieht es für Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau), die zunächst alleine ermittelt, nach einem Fall von häuslicher Gewalt aus.
Sie erhofft sich Hilfe von der Psychologin Evelyn Kaltenstein (Mina Tander), die Eliza auf eine Weise zu betreuen scheint, die über das normale Maß hinausgeht. Von ihr erfährt die Kommissarin, dass Eliza seit Jahren mit niemandem außerhalb ihrer Familie spricht, ein Fall von selektivem Mutismus.
Elizas Mutter bleibt verschwunden, das Mädchen verschlossen. Einzig Toblers Kollege Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) gelingt es, eine Verbindung zu Eliza herzustellen, die sich die Welt mithilfe ihres Lieblingsmärchens erklärt – „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ –, was den „Tatort“ auf eine beängstigend-stupende Art zur Klärung bringt.
Der Schwarzwald kann sehr, sehr schaurig sein. Ein starker „Tatort“ mit einer ungewöhnlichen, schlüssigen Verknüpfung aus Mordmotivik, Schauermärchen und Empathie mit den Tätern.
Und mit den Ermittlern Berg und Tobler, die weiter ihre schwierige Beziehung ausloten: zwischen Nähe und Distanz, zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Mitteilungsbedürfnis und Lakonie. Eines der derzeit interessantesten Ermittlerpaare im deutschen TV-Krimi, auch und gerade in der depressiven Variante, leider oft unter dem Radar.
Berg, der grantige Grübler, gibt mehr den Zeugen als den Ermittler. Er hatte in der letzten Schwarzwald-Folge verschleiert, dass sein Bruder den Vater getötet und verscharrt hat und ist suspendiert. Nun weiß er nicht so recht, ob er nach dem Time-out in den Dienst zurückkommt, zurückkommen will. Wenn Berg so zweifelnd weitermacht, wird das der erste „Tatort“-Kommissar, der sich selbst auflöst.
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