Wiederaufnahme des Kulturbetriebs : Die Stunde der kleinen Formate

Die Kultusminister haben sich auf Eckpunkte für die Wiederaufnahme des Kulturbetriebs geeinigt. Details aus dem Papier.

Im Berliner Ensemble werden wegen der Coronapandemie Sitze für zukünftige Aufführungen ausgebaut. 
Im Berliner Ensemble werden wegen der Coronapandemie Sitze für zukünftige Aufführungen ausgebaut. Foto: Britta Pedersen/dpa

Das gemeinsame Eckpunktepapier der Kultusminister zur Wiederaufnahme des Kulturbetriebs ist den Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Merkel an diesem Mittwoch übermittelt worden.

Es enthält Empfehlungen für die schrittweise Wiederaufnahme des Kunst- und Kulturlebens. „Eine dauerhafte Schädigung der reichhaltigen Kulturlandschaft hierzulande muss verhindert werden“, heißt es in der Präambel. Auch wenn klar sei, dass noch lange mit hohen Einnahmeverlusten zu rechnen sei. 

Nachdem erste Museen wieder geöffnet sind, sei die „reguläre Theater- und Konzertsaison 2019/20 pandemiebedingt grundsätzlich beendet“, heißt es weiter. Aufgrund ausgefallener Proben, teils auch aus wirtschaftlichen Überlegungen und weil Großveranstaltungen weiterhin erheblichen Beschränkungen unterliegen. 

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Unter strikter Berücksichtigung von Abstands- und Hygieneregeln sowie mit Blick auf die jeweils aktuellen Infektionszahlen (die auch Korrekturen gebieten können) werden jedoch schon für die nächsten Wochen Handlungsempfehlungen gegeben. 

Dazu gehören die „Zulassung kleinformatiger Darbietungen“, von Formaten mit kleinerer Besetzung, Freiluftaufführungen und „Mehrfachaufführungen kürzerer Programme“. Die Proben für die kommende Saison sollten zügig wieder aufgenommen werden.

Für den Publikumsverkehr werden neben dem Mindestabstand von 1,5 Metern unter anderem Ticketingsysteme mit Platzreservierung empfohlen, zeitversetzter Einlass, regelmäßige Lüftung und Überprüfung der Klima- und Lüftungsanlagen wegen der Aerosole-Belastung. 

Herausforderungen für die performativen Künste

Besonders schwierig sind Schutzkonzepte bei den performativen Künsten. Das Eckpunktepapier liest sich in dieser Passage über Abstandsregelungen für Darsteller/innen und Musiker/innen deshalb eher ratlos.

So ist etwa von der „Möglichkeit der Verringerung der Abstände durch alternative Schutzmaßnahmen“ die Rede, dort, wo die künstlerische Arbeit den Sicherheitsabstand nicht erlaubt. Als Alternative werden Trennwände und „persönliche Schutzausstattung“ genannt: Romeo und Julia mit Mundschutz und Plexiglasscheibe

Ein einheitliches Datum nennt die von der Kultusministerkonferenz erarbeitete Handreichung nicht. Die Terminierung ist Ländersache, wie in anderen Bereichen wird es auch für die Kultur beim Flickenteppich bleiben. 

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Sachsen-Anhalt lässt den eingeschränkten Kulturbetrieb ab 28. Mai wieder zu, Nordrhein-Westfalen ab 30. Mai, Bayern und Berlin wollen nach der Sommerpause wieder starten.  

Das letzte Kapitel ist den Besonderheiten der Kinos gewidmet. Da dort keine Live-Darbietungen stattfinden, gebe es deutliche Unterschiede etwa zu den Theatern. Als Grundlage für die Wiederöffnung werden die Schutz- und Hygienekonzepte der Branchenverbände HDF Kino und AG Kino empfohlen. 

Betont wird auch die Notwendigkeit bundesweit einheitlicher Kinostarts: Soweit die Länder sich noch nicht festgelegt hätten, sollten „möglichst nahe beineinanderliegende Wiedereröffnungstermine angestrebt werden“. In einigen Bundesländern haben die Kinos bereits grünes Licht, in Berlin bleiben die Filmtheater vorerst bis zum 5. Juni geschlossen.

Und noch eine Extra-Erwähnung: Auto- und Freiluftkinos sollten „baldmöglichst“ starten können, heißt es im Eckpunktepapier. [TSP]

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