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Martin Heidingsfelder : Im Hauptberuf Plagiats-Jäger

Heidingsfelder ist der einzige aus dem Vroniplag-Wiki-Umfeld, der die Plagiatsjagd professionell betreibt. Auf der Internetseite vroniplag.de bietet er seit etwas mehr als einem Jahr seine Dienste als Plagiatsjäger an. Auftraggeber sind Privatpersonen, die ihren Kollegen nicht über den Weg trauen, aber auch Firmen, die vor Personalentscheidungen Kandidaten durchleuchten.

Bei Vroniplag-Wiki wurde Heidingsfelder im Juni 2011 vor die Tür gesetzt. Die Atmosphäre zwischen den Streitparteien ist vergiftet. Er – der Gründer – werde gemobbt, die anderen seien nur neidisch, dass er im Rampenlicht stehe, sagt Heidingsfelder. Er – der allenfalls Mitgründer sei – halte sich nicht an Absprachen und schade dem Projekt durch seine selbstherrliche Öffentlichkeitsarbeit, sagen die anderen. Die anderen, das ist der Schwarm der großenteils anonymen Plagiatsucher bei Vroniplag Wiki, die nach wie vor ehrenamtlich arbeiten.

Im Umfeld der Plagiatsjäger hat Heidingsfelder eine schwierige Rolle. Einerseits weiß er, dass es nicht auf Gegenliebe stößt, wenn er sich als das Gesicht des Kampfes gegen unlautere Wissenschaft in den Vordergrund stellt, andererseits gehört das zu seinem Geschäftsmodell. Dem „Spiegel“ gab Heidingsfelder im Juli 2011 – damals noch unter dem Pseudonym „goalgetter“ – ein Interview auf einem Golfplatz in Franken. Die Community warf ihm danach Selbstdarstellung vor. Heute sagt er, das Interview habe er eigentlich gar nicht machen wollen. „Es liegt mir nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es geht immer um das ,Wir’.“ Gleichzeitig kann er jede Publicity für sein Geschäft aber sehr gut gebrauchen.

Auf Vroniplag wird betont, es gehe dem „Schwarm“ nur um gute Wissenschaft. Prüfungsergebnisse werden den Unis zur Verfügung gestellt, politische Forderungen unterlassen. Doch die Wissenschaftswelt verbessern wollen sie auch. Heidingsfelder hält das für weltfremd. Die meisten Prüfergebnisse würden von den Unis eher unter den Teppich gekehrt. Energisches Handeln gebe es eigentlich nur, wenn die Öffentlichkeit Druck macht. Deshalb ist Heidingsfelder für offensive Pressearbeit. Bei Vroniplag sei man zu zimperlich. „Ich kann nicht nur im stillen Kämmerlein Doktorarbeiten untersuchen. Sie kriegen Veränderungen nur hin, wenn sie die mediale Begleitung auch machen.“ Und dafür ist Heidingsfelder der richtige Mann. „Ich habe schon zu Guttenplag-Zeiten in Berlin rumtelefoniert, weil ich die Kontakte habe.“ Heidingsfelder glaubt zu wissen, wie das Spiel mit den Medien geht. Er nennt das seine „Trickkiste“.

Medienkontakte hat er unter anderem aus der Zeit als SPD-Funktionär in Nürnberg. Inzwischen hat er allerdings dieSeiten gewechselt. Für die Piratenpartei kandidiert er sowohl bei der bayerischen Landtagswahl, als auch für den Bundestag. Dass er in Zukunft Kollegen überprüft, ist bei Listenplatz 25 allerdings unwahrscheinlich. Dass alle Bundestagsdoktoren von Politplag überprüft werden können, scheint zudem utopisch. Es gibt weit über 100 Doktoren im Bundestag. Bislang sind allerdings nur knapp über 2500 Euro zusammengekommen, für einen Prüfungstag berechnet Heidingsfelder bereits 500 Euro. Die meisten Abgeordneten können also noch beruhigt schlafen.

Der Nürnberger Diplomkaufmann Martin Heidingsfelder setzt auf Crowdfunding. Ab 20 Euro kann man sich beteiligen und einen Wunschkandidaten für die Plagiatssuche benennen.

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