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Boris Palmer kritisiert Deutsche Bahn : „Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein”

Wieder sorgt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit einem Facebook-Post für Aufregung. Twitter-Nutzer werfen ihm Rassismus vor.

Julia Weiss
Der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (Grüne).
Der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (Grüne).Foto: dpa/Silas Stein

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat den Shitstorm kommen sehen und dann trotzdem einen Post bei Facebook abgesetzt, für den er jetzt heftig kritisiert wird. "Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat", schreibt der Grünen-Politiker. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?" Daneben ein Screenshot von der Website der Deutschen Bahn, auf der Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben abgebildet sind.

Die Deutsche Bahn wirbt in einer aktuellen Kampagne unter anderem mit dem schwarzen TV-Koch Nelson Müller, der türkischstämmigen Moderatorin Nazan Eckes und dem ehemaligen deutsch-finnischen Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg.

Seinen Post beginnt Palmer mit den Worten: "Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein." Nur Minuten später stößt er mit seinem Post in den sozialen Netzwerken auf die Ablehnung, mit der er gerechnet hatte. Einige Nutzer werfen ihm Rassismus vor.

Auf Palmers Frage, welche Gesellschaft abgebildet wird, antwortet etwa die "Türkische Gemeinde in Deutschland": "Eine plurale und vielfältige Gesellschaft. (...) Eine Gesellschaft die Ihre eindimensionalen Kriterien längt überwunden hat. Willkommen im Jahr 2019!"

Der ehemalige nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete der Grünen Ali Bas betont, er wolle nicht in der Gesellschaftsversion seines Parteikollegen leben. "Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer", schreibt er. Auch andere Grünen-Parteimitglieder fordern den Ausschluss aus der Partei.

Grüne reagieren mit Unverständnis auf Palmer

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, distanziert sich auf Nachfrage deutlich von Palmers Kritik an der Deutschen Bahn. "Wir streiten lieber für pünktliche Züge und billigere Bahn-Tickets", sagt er dem Tagesspiegel. "Wer in den Zug steigt, ist uns herzlich egal. Die Bahn ist für alle da und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich. Es zeigt die gesellschaftliche Realität."

Der FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel sieht das ähnlich. "Eine Gesellschaft, in der es ganz egal ist, wie man aussieht. Nennt sich Werteordnung unseres Grundgesetzes, lieber Boris Palmer", schreibt er auf Twitter.

Auch die Bahn hat sich inzwischen zu Palmers Einlassungen geäußert. „Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft“, sagt ein Sprecher der Bahn der Deutschen Presse-Agentur. „Solch eine Haltung lehnen wir ab.“

Palmer selbst wollte seine Aussage auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht konkretisieren. "Ich habe die Auswahl nicht kritisiert", sagt er. "Ich habe sie hinterfragt. Ich bewerte sie auch nicht. Denn ich kenne die Gründe und Kriterien der Bahn nicht. Ich stelle nur fest, dass ich sie nicht verstehe."

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