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Kurt Biedenkopf – hier im Juni 2015 – starb mit 91.
© Roland Weihrauch/dpa
Update

„König Kurt“ von Sachsen: CDU-Politiker Biedenkopf im Alter von 91 gestorben

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ist tot. Er prägte die 90er Jahre im Freistaat maßgeblich.

Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf ist tot. Er sei am Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen, teilte die Staatskanzlei in Dresden im Auftrag der Familie am Freitag mit. Der CDU-Politiker machte Karriere in beiden Teilen Deutschlands und führte Sachsen von 1990 bis 2002 als Regierungschef.

Biedenkopf war am 28. Januar 1930 in Ludwigshafen zur Welt gekommen. 1973 wurde der Rechtsprofessor auf Vorschlag des damaligen Parteichefs Helmut Kohl Generalsekretär der CDU. Später avancierte er zum Rivalen Kohls.

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In den 1980er Jahren machte er nur noch bei der CDU Nordrhein-Westfalen von sich reden, am Ende des Jahrzehnts war Biedenkopfs politische Laufbahn im Grunde zu Ende. Doch die Wende in der DDR eröffnete ihm die Chance für ein Comeback.

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Der CDU-Politiker Lothar Späth überredete ihn, in den Osten zu gehen und sich in Sachsen um das Amt des Ministerpräsidenten zu bewerben. Biedenkopf gab als Grund später an, er habe gemeinsam mit seiner Ehefrau Ingrid dem Land dienen wollen.

Das Ende von Biedenkopfs Amtszeit war weniger rühmlich

Sachsen erlebte unter seiner Führung in den 1990er Jahren eine Gründerzeit. Drei Mal beschaffte er der Union im Freistaat bei Landtagswahlen eine absolute Mehrheit. Die Sachsen nannten ihn „König Kurt“.

Das Ende von Biedenkopfs Amtszeit war allerdings weniger rühmlich. Affären wie die um Rabattkäufe beim Möbelhaus Ikea beschleunigten seinen Fall. Schon zuvor war der Konflikt um seine Nachfolge offen ausgebrochen. Letztlich unterlag Biedenkopf in einem parteiinternen Machtkampf seinem früheren Finanzminister Georg Milbradt.

Im Alter von 72 Jahren schied er 2002 aus dem Amt

Im April 2002 schied Biedenkopf im Alter von 72 Jahren aus dem Amt. Dennoch blieb er in der Sachsen-CDU präsent – vor allem, wenn es mal nicht so lief in der Partei. Er arbeitete später wieder als Rechtsanwalt und publizierte. Auch der Politik blieb er verbunden, etwa als Ombudsrat für Hartz-IV-Beschwerden.

Kurt Biedenkopf winkt am 03. Oktober 1998 in Dresden als neuer Besitzer eines Trabant.
Kurt Biedenkopf winkt am 03. Oktober 1998 in Dresden als neuer Besitzer eines Trabant.
© Matthias Hiekel/dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte Biedenkopf als große deutsche Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts gewürdigt. „Ein großer Sachse ist von uns gegangen“, sagte der CDU-Politiker am Freitag. „Als Ministerpräsident hat er von 1990 bis 2002 das Fundament für eine erfolgreiche Entwicklung unserer Heimat gelegt.“

Kretschmer: Begnadeter Redner und Erklärer der Weltlage

Unter der Biedenkopf-Ägide seien die sächsische Verwaltung neu errichtet sowie Hochschulen und Wissenschaft grundlegend reformiert worden. Kretschmer erinnerte zudem an das Engagement des Politikers bei der Ansiedlung von Unternehmen sowie wichtige Weichenstellungen für Infrastruktur, Kultur und Kunst.

Kretschmer bezeichnete Biedenkopf als „begnadeten Redner und Erklärer der Weltlage.“ „Wir alle haben einen großartigen Menschen verloren. Kurt Biedenkopf wird uns fehlen. Er wird auf Dauer einen Platz in der sächsischen Geschichte haben“, so Sachsens Regierungschef.

Laschet nennt Biedenkopf „Ausnahmepolitiker“

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet nannte Biedenkopf einen „Ausnahmepolitiker“. Er sei auch „ein Staatsmann und ein Landesvater im besten Sinne“ gewesen, sagte Laschet am Freitag in Berlin. Ihm sei es gelungen, Sachsen zu einer blühenden Landschaft und zu einem Hightech-Standort zu machen. Als Generalsekretär der CDU habe er die Partei in den siebziger Jahren modernisiert.

Laschet nannte Biedenkopf einen „Visionär und Macher“ und einen „Brückenbauer zwischen Ost und West“. Er sei ein „Vordenker der sozialen Marktwirtschaft“ gewesen. Als CDU-Generalsekretär habe er das Profil der Partei geschärft und sie zur großen Mitgliederpartei gemacht. „Er war der Architekt der modernen CDU und programmatischer Taktgeber“, sagte der CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union. Persönlich sei er „ein wunderbarer Mensch“ gewesen. „Er hat sich bleibende Verdienste um unser Land und um die Christlich Demokratische Union erworben.“ (dpa)

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