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Coronavirus-Krise am Arbeitsmarkt : Historischer Anstieg - 3,3 Millionen neue Arbeitslose in den USA

In den USA könnten bald 19 Millionen Menschen ohne Job sein. Auch Österreich und Norwegen melden einen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ein Überblick.

Ein leeres Restaurant in New York City - die Gastronomie ist besonders betroffen.
Ein leeres Restaurant in New York City - die Gastronomie ist besonders betroffen.Foto: AFP/Angela Weiss

Die Corona-Krise stürzt den US-Jobmarkt vom Boom in die Krise - mit einer beispiellosen Flut von Anträgen auf Arbeitslosenhilfe. In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen entsprechenden Erstantrag, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Der bisherige Höchststand wurde 1982 erreicht - mit damals 695.000 Gesuchen.

Experten sehen den aktuellen Anstieg als Beleg für eine größere Entlassungswelle. Sie befürchten, dass bald noch weit mehr Amerikaner auf der Straße stehen dürften. US-Finanzminister Steven Mnuchin sieht die Zahlen zurzeit allerdings als "nicht relevant" an. Er hoffe, dass die Menschen wieder eingestellt würden, betonte er.

Quote könnte von 3,5 auf 11,5 Prozent steigen

Die Ökonomen der Commerzbank jedoch rechnen im Frühjahrsquartal mit einem Einbruch der US-Wirtschaft um acht Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet wäre dies ein Minus von 27 Prozent. "Die US-Wirtschaft erlebt gerade eine für Friedenszeiten beispiellose Vollbremsung", schreiben die Experten.

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Eine Folge davon sei auch kräftiger Jobabbau. "Dies bedeutet, dass die Arbeitslosenquote von zuletzt 3,5 Prozent um acht Prozentpunkte auf 11,5 Prozent steigen würde und damit höher wäre als der bisherige Nachkriegsrekord von 10,8 Prozent Ende 1982." Damit wären laut Commerzbank 19 Millionen Menschen arbeitslos - ein Anstieg um etwa zwölf Millionen.

Leere Straßen, keine Arbeit: Der Times Square in New York.
Leere Straßen, keine Arbeit: Der Times Square in New York.Foto: dpa/kyodo

Der US-Großinvestor Bill Ackman sagte jüngst im Finanzsender CNBC, Firmen sollten sofort ihre Kreditlinien ausschöpfen. „Hotels und Restaurants werden zuerst pleitegehen, Boeing wird nicht ohne staatliche Rettung überleben“, sagte Ackman. Ohne entschiedenes Handeln der Regierung werde Amerika - „wie wir es kennen“ - nicht fortbestehen.

Angesichts solch düsterer Aussichten hat die Politik ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket geschnürt - das größte in der Geschichte der USA. Es soll am Freitag in Kraft treten. Es dient dazu, Familien, Arbeitslosen und Firmen in der Krise unter die Arme zu greifen und sieht überdies Milliarden-Hilfen für das Gesundheitssystem vor.

In Norwegen hat sich die Zahl fast verfünffacht

Die Arbeitslosigkeit in Norwegen hat sich wegen der Corona-Krise binnen kurzer Zeit fast verfünffacht. Die Arbeitslosenquote kletterte im März auf 10,9 Prozent, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten der Arbeitsagentur hervorgeht. Das ist der höchste Wert seit der großen Depression vor rund 80 Jahren.

Mau am Bau. Das Gewerbe leidet mit am stärksten unter den Ausgangsbeschränkungen.
Mau am Bau. Das Gewerbe leidet mit am stärksten unter den Ausgangsbeschränkungen.Foto: Orestis Panagiotou/dpa

Ende Februar hatte er noch bei 2,3 Prozent gelegen, vor einer Woche bei 5,3 Prozent. Die Agentur führt diesen drastischen Anstieg in so kurzer Zeit auf die Corona-Krise zurück, wegen der zahlreiche Unternehmen Mitarbeiter entlassen haben. "Die Entwicklung in den vergangenen zwei Wochen ist beispiellos", sagte Leiterin der Arbeits- und Wohlfahrtsverwaltung, Sigrun Vaageng.

Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Die Regierung geht davon aus, dass die Privatwirtschaft um etwa 15 bis 20 Prozent schrumpfen wird. Das Parlament hat Kredite, Steuerstundungen und zusätzliche Ausgaben von bis zu 280 Milliarden Norwegischen Kronen (23,4 Milliarden Euro) zur Linderung der Krise genehmigt.

Die Zentralbank senkte ihren Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent. Sie schließt weitere Maßnahmen nicht aus. Manche Analysten halten es für denkbar, dass sie in den kommenden Wochen den Satz auf null Prozent setzt oder sogar negative Zinsen einführt.

Auch Österreich meldet einen dramatischen Anstieg

In Österreich stieg die Arbeitslosen-Zahl laut der Agentur APA binnen einer Woche, seit dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen am vergangenen Montag bis Sonntag, um 115.600 an. Laut Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), gebe es zudem schon "wahnsinnig viele Anträge" für Kurzarbeit.

Vor allem im Gastronomie- und Bau-Gewerbe haben die Anti-Coronavirus-Maßnahmen heftige Auswirkungen. 41.000 zusätzliche Arbeitslose gebe es im Bereich Gastronomie und Beherbergung, 14.000 am Bau und 11.000 aus dem Bereich sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, hauptsächlich aus der Leiharbeitsbranche, berichtet Kopf. Ende Februar waren in Österreich lediglich 400.000 Personen arbeitslos gemeldet, darunter auch Menschen auf Fortbildung. (rtr/dpa/Reuters)

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