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Digital-Staatsministerin Bär lobt Smartphones : „Früher Kontakt mit diesen Medien ist wichtig“

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärt, ab wann Kinder ein Smartphone nutzen sollten – und warum diese für sie auch wichtig sind.

Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung
Dorothee Bär, Staatsministerin für DigitalisierungFoto: Thilo Rückeis

Dorothee Bär ist seit 2013 im Bundeskabinett, erst als Staatssekretärin im Verkehrsministerium, im Jahr 2018 wechselte sie ins Kanzleramt als Staatsministerin für Digitales. Seit 2002 sitzt die CSU-Politikerin mit einer Unterbrechung im Bundestag.

Frau Bär, der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, warnt vor den Folgen intensiver Mediennutzung durch Minderjährige. Ab welchem Alter durften Ihre Kinder ein Smartphone nutzen?
Bis jetzt hat nur unsere Älteste ein Handy und ich den theoretischen Zugriff darauf. Da unsere Tochter allerdings sehr vernünftig ist, war das bislang nicht notwendig.

Teilen Sie die Aussage des Präsidenten der Kinderärzte, der sagt: Keine Smartphones vor elf Jahren?
Meiner Meinung nach müssen Grundschüler noch kein Smartphone haben. Allerdings kommt es natürlich immer auf das jeweilige Kind an und darauf, was es damit und mit dem Rest seiner Freizeit macht. Generell finde ich es wichtig, dass Kinder schon früh mit diesen Medien Kontakt haben.

Warum?
Junge Menschen müssen dazu ermutigt werden, Teil der digitalen Revolution zu sein und diese sinnvoll mitzugestalten. Das werden sie aber nur, wenn man sie auch mitmachen lässt. Nur so entsteht digitales Verantwortungsbewusstsein, was wir zwingend brauchen, um die digitale Welt nach unseren analogen Werten zu formen. Dass Kinder bereits in der ersten Klasse mit Technik in Berührung kommen, befürworte ich ausdrücklich. Ganz besonders auch, um die Mädchen zu erreichen.

Wie können Eltern und Schulen Kindern einen richtigen Umgang mit Smartphones beibringen?
Es ist wichtig, Kinder so zu erziehen, dass sie sich in der digitalen Welt zurechtfinden und dass sie ihren Nutzen einordnen können. Konkret: dass unsere Kinder die Technik beherrschen und nicht von der Technik beherrscht werden. Dazu sollten Eltern und Schülerinnen und Schüler regelmäßig gemeinsam über die Vor- und Nachteile sprechen sowie darüber, dass die Technik dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Kommunikation ist da ganz wichtig. Praktisches Wissen allerdings auch.

Warum ist es wichtig, digitale Geräte wie Smartphones und Tablets nicht zu verteufeln?

Digitale Geräte lassen sich aus unserem Leben nicht mehr wegdenken. Wir sollten dankbar sein, dass es solche nützlichen Anwendungen gibt, die unser Leben erleichtern und oft auch verbessern. Mein Beispiel ist immer der Biologieunterricht, in dem der Verdauungstrack mithilfe einer Virtual-Reality-Brille „erlebbar“ gemacht wird, oder der Geschichtsunterricht, in dem ins Alte Rom gereist wird, natürlich alles virtuell. Wer findet da Schule noch langweilig? Das vergisst keiner so schnell, die Vermittlung von Lerninhalten auf diese Art ist wesentlich effizienter.

Ich empfinde auch das Smartphone als ganz große Lebenserleichterung. Ich benutze es ständig und für alles, insbesondere, um in Kontakt mit meiner Familie zu sein, wenn ich in Berlin arbeite. Wir müssen die Chancen nutzen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen, anstatt sie pauschal zu verteufeln.

 Sie tauschen sich auch mit internationalen Expertinnen und Experten beziehungsweise Kolleginnen und Kollegen aus. Ist die Diskussion um die „Schädlichkeit“ von Smartphones eher deutsch?

 Ja, ich glaube, dass wir ohnehin gerne dazu tendieren, überall erst einmal die Nachteile und die Risiken zu sehen. Dies gilt insbesondere für digitale Themen. Da muss unbedingt ein Umdenken stattfinden, denn Digitalisierung lässt sich aus keinem einzigen Lebensbereich mehr wegdenken. Zudem sind digitale Innovationen heutzutage der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg, den wir unbedingt bewahren müssen. Wir müssen den Menschen Lust auf Digitalisierung machen. Es ist Aufgabe der Politik, den Menschen zu vermitteln, dass die Digitalisierung einen Mehrwert hat und unser Leben spürbar und nachhaltig erleichtert. Man denke nur an Innovationen im Bereich Gesundheit und Mobilität. Ich freue mich auf die Zukunft und arbeite täglich daran, unsere Bürgerinnen und Bürger mit meiner Begeisterung und Leidenschaft anzustecken.

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