Fall des in Russland inhaftierten Filmemachers : "Das Leben von Oleg Senzow retten"

Nobelpreisträgerinnen, Schriftsteller und Wissenschaftler appellieren an die Bundesregierung, sich für den in Russland inhaftierten Regisseur Oleg Senzow einzusetzen.

Hinter Gittern: der Filmemacher Oleg Senzow.
Hinter Gittern: der Filmemacher Oleg Senzow.Foto: Mikhail Pochuyev/imago/Itar-Tass

Die Literaturnobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch sowie mehr als 350 weitere Schriftsteller, Wissenschaftler und Publizisten haben die Bundesregierung in einem offenen Brief aufgefordert, sich für den in Russland inhaftierten ukrainischen Regisseur Oleg Senzow einzusetzen. „Oleg Senzow darf kein Todesopfer der politischen Justiz Russlands werden“, heißt es in dem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD).

Die Unterzeichner appellieren an die Bundesregierung, alles zu tun, um Senzows Leben zu retten und die Freilassung der ukrainischen politischen Gefangenen in Russland zu erreichen. Der Filmemacher befindet sich bereits seit dem 14. Mai in einem Hungerstreik.

Senzow war 2014 auf der von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. Die russische Justiz warf dem Filmemacher „Terrorismus“ vor. Er wurde 2015 in einem Verfahren, das Beobachter an sowjetische Schauprozesse erinnerte, zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der Regisseur ist in einem Straflager in Labytnangi inhaftiert, das in Westsibirien am Polarkreis liegt.

Hungerstreik für die Freilassung anderer Gefangener

In einer handschriftlichen Erklärung, die von seinem Anwalt veröffentlicht wurde, kündigte Senzow in der vergangenen Woche einen unbefristeten Hungerstreik an und betonte, er sei von dem russischen Gericht „unrechtmäßig verurteilt“ worden. Mit der Aktion will Senzow „die Freilassung aller ukrainischen politischen Gefangenen“ in Russland erreichen.

Zu den Unterzeichnern des Briefes, der dem Tagesspiegel vorliegt, gehören die Autorin Katja Petrowskaja, die Schriftsteller Wladimir Kaminer, Juri Andruchowitsch und Serhij Zhadan, die Grünen-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir und Manuel Sarrazin, der Historiker Karl Schlögel und die Suhrkamp-Lektorin Katharina Raabe.

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