Friedensgespräche für den Jemen : Wenn 28 Millionen notleidende Menschen hoffen

In Stockholm wird über ein Ende des verheerenden Jemen-Kriegs verhandelt. Saudi-Arabien muss sich bewegen - sein Erzfeind Iran auch. Ein Kommentar.

Wie diese Frau wissen Millionen Jemeniten nicht, wie sie an die nächste Mahlzeit kommen könnnen.
Wie diese Frau wissen Millionen Jemeniten nicht, wie sie an die nächste Mahlzeit kommen könnnen.Foto: Mohamed al Sayaghi/Reuters

In Stockholm wird über das Schicksal von 28 Millionen Menschen verhandelt. So viele Jemeniten träumen davon, ein Leben ohne Leid, Not und Tod führen zu können.

Einen friedlichen Alltag werden sich viele von ihnen nach Jahren des unerbittlichen Krieges womöglich kaum noch vorstellen können. Jahre, in denen Tausende Kinder an Schwäche gestorben, ihre Eltern Seuchen zum Opfer gefallen oder im Bombenhagel ums Leben gekommen sind.

Die weltweit schlimmste humanitäre Krise

Vom Hunger ganz abgesehen. Mindestens zwölf Millionen Einwohner des Armenhauses der arabischen Welt wissen nicht, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen. Die Vereinten Nationen nennen die Lage Jemen völlig zu Recht die weltweit schlimmste humanitäre Krise – eine, von der die Welt nur sporadisch Notiz nimmt. Schließlich stehen diese Elenden ja nicht an unseren Grenzen und fordern als Schutzsuchende Einlass.

Nun allerdings könnte das menschengemachte Desaster ein Ende finden. Hoffentlich, vielleicht. Denn schon mehrfach wurde versucht, den Konflikt beizulegen. Doch gelungen ist das nie.

Dass jetzt die Chancen etwas besser stehen, liegt nicht am massenhaften Sterben der Jemeniten, sondern an einem Mord. Der gewaltsame Tod des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi hat den mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman in große Bedrängnis gebracht und seinen Verbündeten Donald Trump in Zugzwang.

Viel spricht dafür, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman für den Mord an Jamal Khashoggi verantwortlich ist.
Viel spricht dafür, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman für den Mord an Jamal Khashoggi verantwortlich ist.Foto: Ryad Kramdi/AFP

Der Skandal wird zwar für den Thronfolger wohl ohne juristische Folgen bleiben – selbst wenn offenkundig ist, dass Khashoggi im Auftrag des Prinzen ermordet wurde. Aber für den Jemen könnte sich bin Salmans geschwächte Stellung als Segen erweisen: Weil die Saudis genötigt werden, als Signal des guten Willens, ihren desaströsen Militäreinsatz im Nachbarland zu beenden und mit den aufständischen Huthis über eine Verhandlungslösung zu reden.

Stellvertreterkrieg zwischen Saudis und Iraner

Allerdings müssen beide Seiten friedenswillig sein. Das heißt, die schiitischen Rebellen müssen sich ebenfalls bewegen. Und da kommt der Iran ins zynische Spiel.

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Teheran stattet die Huthis mit Waffen aus, damit deren Milizen im Jemen den sunnitischen Erzfeind Saudi-Arabien bekämpfen können. Was Riads Herrscher gerade in ihrem „Hinterhof“ nicht dulden können. So ist es auch am Iran, seinen Kurs zu revidieren. Für 28 Millionen Jemeniten wäre es ein Segen.

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