Auch auf Israels Unterstützung können die USA bauen - Russland warnt

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Update
Giftgasanschlag in Syrien : Zieht der Westen in den Krieg?

Auf Israels Unterstützung könnten die USA ebenfalls bauen. Benjamin Netanjahus Wortwahl war gewohnt martialisch. Notfalls sei Israels Finger am Abzugshahn, tönte der Premier vor zwei Tagen. „Die gefährlichsten Regimes der Welt dürfen nicht die gefährlichsten Waffen der Welt haben.“ Israel hält die syrischen Chemiewaffen für eine ernsthafte Bedrohung der eigenen Sicherheit. Deshalb drängt Jerusalem schon lange darauf, das vorhandene Giftgas zu vernichten. Zum einen, weil man fürchtet, in einer Art Kurzschlusspanik könnte Machthaber Assad diese Waffen womöglich doch noch gegen Israel richten. Zum anderen bestünde die Gefahr, dass islamistische Terroristen an die Giftgasvorräte gelangen.Besonders bedrohlich: die Schiitenmiliz Hisbollah – Israels vom Iran unterstützter Erzfeind – verfügte künftig über Massenvernichtungswaffen. Sollte sich Amerika zu einem Militärschlag gegen Syriens Regime entschließen, wird Israels aber wohl vorerst nur Geheimdienstmaterial zuliefern.

Auch Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle kündigte an, Konsequenzen unterstützen zu wollen, wie diese Unterstützung genau aussehen könnte, ließ er offen.

Wie reagieren die UN und Russland auf den Vorstoß der USA?

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon ist durch den mutmaßlichen Giftgaseinsatz im Bürgerkriegsland Syrien mit hunderten Toten stark erzürnt. Am Montag betonte er in seinem Heimatland Südkorea: Die Verantwortlichen für die „schreckliche Attacke“ müssten bezahlen. Die UN-Kontrolleure sind jetzt vor Ort, sonst aber kann die Weltorganisation im Syrien-Konflikt wenig Greifbares vorweisen: Alle UN-Versuche, das Leiden der Menschen durch Verhandlungen zu beenden, scheiterten. Und jetzt bahnt sich mit dem womöglichen Vorpreschen der USA eine weitere schwere Schlappe für die UN an.

Seit Ausbruch des Konflikts zwischen Assad und der Opposition im März 2011 protegieren Russland und China das Regime. Moskau hatte schon bei dem Giftgas-Einsatz im März vor vorschnellen Schuldzuweisungen gewarnt. Russische Experten, die vor Ort selbst Proben zogen und in einem von der UN zertifizierten Labor untersuchen ließen, machen für beide Anschläge die syrische Opposition verantwortlich. Raketen und Kampfgas seien nicht industriell hergestellt und aus Gebieten abgefeuert worden, die zur Tatzeit die Rebellen kontrollierten.

Inzwischen appellierte auch Außenminister Sergei Lawrow an die USA, sich militärischen Drucks auf Damaskus zu enthalten. Nur so könnten die UN-Inspektoren die Giftgas-Vorwürfe objektiv untersuchen. „Tief beunruhigt“, sagte der Diplomat Montag bei einem Telefonat mit US-Außenminister John Kerry, habe Moskau Erklärungen Washingtons zur Kenntnis genommen, wonach die US-Streitkräfte bereit sind, in den Syrien-Konflikt einzugreifen. Lawrow betonte gleichzeitig aber, Russland werde in Syrien „gegen niemanden kämpfen“, das heißt, sich nicht militärisch auf die Seite Assads stellen.

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