zum Hauptinhalt
Wolfgang Schäuble und Angela Merkel im Juni 2013 im Bundestag.

© Imago/Ipon

Jahrzehnte in der Bundespolitik: Wolfgang Schäuble – sein Wirken in Bildern

Seit 1972 saß Wolfgang Schäuble im Bundestag. Von der Wiedervereinigung bis zur Überwindung der Finanzkrise gehörte er zu den wichtigsten Lenkern der deutschen Politik. Stationen seines Wirkens in Bildern.

Stand:

Der CDU-Politiker und frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist tot. Der 81-Jährige starb am Dienstag im Kreise seiner Familie.

Schäuble gehörte zu den profiliertesten Politikern Deutschlands. Von 1972 bis 2023 war er 51 Jahre lang ununterbrochen Bundestagsmitglied und bei seinem Tod der dienstälteste Abgeordnete.

In den Regierungen von Helmut Kohl und Angela Merkel gehörte er mehrmals dem Kabinett an, unter anderem als Chef des Kanzleramtes, als Finanz- sowie Innenminister. Die Unterzeichnung des Einigungsvertrags mit der DDR war ein Höhepunkt seiner Laufbahn.


Stationen des politischen Lebens von Wolfgang Schäuble in Bildern

Gerade einmal 30 Jahre war Wolfgang Schäuble alt, als er 1972 erstmals in den Bundestag gewählt wurde. Der gebürtige Freiburger nahm das Direktmandat seines Wahlkreises Offenburg an. Kanzler war damals Willy Brandt (SPD).

Wahlplakat Schäubles zur Bundestagswahl 1972
schäuble1227
Kandidat für die CDU: Das Wahlplakat Schäubles zur Bundestagswahl 1972.

© Wikimedia Commons/CDU

1984 übernahm Schäuble als Kanzleramtsminister unter Helmut Kohl erstmals ein Regierungsamt.

Deutschland, Bonn, 22.02.1989 Archiv-Nr.: 02-60-33 Bundeskanzler Helmut Kohl und Wolfgang Schaeuble, Chef des Bundeskanzleramtes, in der Kabinettsitzung Kabinettsitzung *** Germany Bonn 22 02 1989 Archive No 02 60 33 Federal Chancellor Helmut Kohl and Wolfgang Schaeuble Head of the Federal Chancellery at the cabinet meeting Cabinet meeting
schäuble1227
Kabinettssitzung in Bonn: Wolfgang Schäuble neben seinem Chef, Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

© Imago/Sepp Spiegl

Schäuble kümmerte sich maßgeblich um die Beziehungen zur DDR – und bereitete den Besuch des Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, in der Bundesrepublik 1987 vor.

Staatsratsvorsitzender Erich Honecker (li., DDR/SED) und Wolfgang Schäuble (Deutschland/CDU/Bundesminister für besondere Aufgaben) in Bonn; Aufnahmedatum geschätzt

State Council Chairman Erich Honecker left GDR SED and Wolfgang Schäuble Germany CDU Federal Minister for special Tasks in Bonn date geschätzt  
schäuble1227
Besuch in Bonn: Erich Honecker und Wolfgang Schäuble.

© Imago/Sven Simon

Als Bundesinnenminister verhandelte Schäuble dann 1990 die Staatsverträge zur deutschen Vereinigung. „Die Unterzeichnung hat mich unglaublich bewegt. Es war schön“, sagte Schäuble später über einen der bedeutendsten Momente seines politischen Lebens.

DDR-Volkskammer stimmt über Einigungsvertrag ab, 30. Jahrestag am 20. September Bundesinnenminister Wolfgang Schaeuble, CDU, und der DDR - Staatsekretaer Guenter Krause unterzeichneten in Bonn den Einigungsvertrag. Bonn, den 20.08.1990 , Bonn Deutschland PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xThomasxImox
schäuble1227
Ein Höhepunkt seiner Laufbahn: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Staatssekretär Günter Krause unterzeichnen in Bonn den Einigungsvertrag.

© Imago/Photothek/Thomas Imo

Die Phase nach der Wiedervereinigung hat Schäuble oft als die glücklichste seines politischen Schaffens bezeichnet. Doch sie wurde jäh beendet, als am 12. Oktober 1990 ein psychisch kranker Attentäter bei einer Wahlkampfveranstaltung in Oppenau nahe Offenburg auf ihn schoss. Die Ärzte retteten Schäubles Leben. Doch er blieb vom dritten Brustwirbel abwärts gelähmt und war auf den Rollstuhl angewiesen.

Deutschland, Karlsbad, 22.11.1990. Archiv-Nr.: 23-31b-04 Bundesinnenminister Schaeuble im Reha-Zentrum-Langensteinbach Foto: Wolfgang Schaeuble, sechs Wochen nach dem Attentat, kommt zur Pressekonferenz, rechts Prof. Juergen Harms Bundesinnenminister Schaeuble im Reha-Zentrum-Langensteinbach *** Germany, Karlsbad, 22 11 1990 Archive Nr 23 31b 04 Federal Minister of the Interior Schaeuble in the Reha Centre Langensteinbach Photo Wolfgang Schaeuble, six weeks after the assassination, comes to the press conference, on the right Prof Juergen Harms Federal Minister of the Interior Schaeuble in the Reha Centre Langensteinbach
schäuble1227
Reha nach dem Attentat: Wolfgang Schäuble im November 1990.

© Imago/Sepp Spiegl

In den 1990er Jahren war Schäuble als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag eine wichtige Stütze für Kanzler Helmut Kohl. Er sicherte Kohls Regierungsmacht ab.

Bundeskanzler Helmut KOHL und Wolfgang SCHAEUBLE , beide CDU , bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im November 1994 Chancellor Helmut KOHL and Wolfgang SCHAEUBLE , both CDU , during a meeting of CDU/CSU fraction of Bundestag parliament in November 1994

Federal Chancellor Helmut Kohl and Wolfgang Schaeuble both CDU at a Meeting the CDU CSU Federal parliamentary group in November 1994 Chancellor Helmut Kohl and Wolfgang Schaeuble Both CDU during a Meeting of CDU CSU fraction of Bundestag Parliament in November 1994
schäuble1227
Im Austausch: Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im November 1994.

© Imago/Rainer Unkel

Nach der Wahlniederlage der Unionsparteien 1998 übernahm Schäuble das Amt des CDU-Vorsitzenden. Doch nach nicht einmal eineinhalb Jahren gab er im Zuge der CDU-Spendenaffäre im Februar 2000 den Posten auf. Auch von der Spitze der Fraktion zog Schäuble sich zurück. Er hatte zuvor eingeräumt, 1994 eine Barspende in Höhe von 100.000 D-Mark vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber angenommen zu haben. Die Affäre kostete Kohl den Ehrenvorsitz der CDU. Es kam zum Bruch zwischen den einstigen Weggefährten.

Wolfgang Schäuble erklärt am 16.2.2000 im Berliner Reichstag den Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz auf dem CDU-Parteitag in Essen im April. :fs12: :fs16:Der bisherige Fraktionsvorsitzende kündigte zudem an, dass er bei der Wahl zum Fraktionsvorsitz am 22.Februar nicht mehr kandidieren werde. Schäuble, der zu Beginn der CDU-Finanzaffäre eine schonungslose und vollständige Aufklärung angekündigt hatte, ist in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck geraten. Auslöser war sein spätes Eingeständnis, selbst eine Parteispende von Waffenhändler Schreiber entgegengenommen zu haben.
Wolfgang Schäuble erklärt am 16.2.2000 im Berliner Reichstag den Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz auf dem CDU-Parteitag in Essen im April.

© picture-alliance/dpa/Ralf Hirschberger

Angela Merkel wurde CDU-Vorsitzende. Als Bundeskanzlerin berief sie Schäuble erneut zum Bundesinnenminister, 2009 wechselte er dann ins Finanzressort.

Bildnummer: 54421965  Datum: 20.03.2000  Copyright: imago/Dieter Bauer
Generalsekretärin Angela Merkel und Parteivorsitzender Wolfgang Schäuble (beide Deutschland/CDU) während der Pressekonferenz zur Nominierung Merkels als Parteivorsitzende, Personen; 2000, Politik, Pressetermin; , quer, Kbneg, Gruppenbild, close, Randbild, People

Bildnummer 54421965 Date 20 03 2000 Copyright Imago Dieter Bauer General secretary Angela Merkel and Party chairman Wolfgang Schäuble both Germany CDU during the Press conference to Nomination Merkel as Party chairman People 2000 politics Press call horizontal Kbneg Group photo Close Edge image Celebrities 
schäuble1227
Übergabe: Angela Merkel, damals CDU-Generalsekretärin, und Wolfgang Schäuble bei der Pressekonferenz zur Nominierung Merkels als Parteivorsitzende im März 2000.

© Imago/Dieter Bauer

Als Finanzminister trat Schäuble vor allem auch auf europäischer Ebene in Erscheinung. In der Eurokrise arbeite er unter anderem eng mit seiner damaligen französischen Amtskollegin Christine Lagarde zusammen. Nicht immer waren die beiden einer Meinung. Doch trotz mancher Differenzen entwickelte sich eine echte Freundschaft zwischen ihnen.

„Ich bin tieftraurig, in Wolfgang Schäuble einen wahren treuen Freund zu verlieren“, sagte Lagarde, jetzt die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), zum Tode Schäubles „Zeit Online“.

Feb. 20, 2012 - Brussels, Belgium - German Finance Minister WOLFGANG SCHAEUBLE (L) and Managing Director of the International Monetary Fund CHRISTINE LAGARDE talk prior to the Eurogroup ministerial meeting at the European Council building. Eurozone governments will likely approve on Monday a long-elusive rescue package for Greece, saving it from a potentially calamitous bankruptcy next month. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAw80_

Feb 20 2012 Brussels Belgium German Finance Ministers Wolfgang Schaeuble l and Managing Director of The International Monetary Fund Christine Lagarde Talk Prior to The Euro Group Ministerial Meeting AT The European Council Building Euro zone Governments will likely approve ON Monday a Long elusive Rescue Package for Greece Saving IT from a Potentially Calamitous Bankruptcy Next Month PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAw80_
schäuble1227
Nicht immer einer Meinung, aber freundschaftlich verbunden: Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde im Februar 2012.

© Imago/Zuma Press

Schwierig waren in der Eurokrise die Gespräche Schäubles mit seinem griechischen Amtskollegen Yanis Varoufakis. Griechenland und die europäischen Institutionen suchten nach einer Lösung im Streit um die griechischen Schulden. Schäuble und Varoufakis wurden dabei keine Freunde und machten bei öffentlichen Auftritten ihre unterschiedlichen Positionen sehr klar. „Isch over“ wurde der berühmteste Ausspruch Schäubles zur Griechenland-Krise.

05.02.2015, Berlin, Deutschland - Foto: v.l. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, CDU und der grieschiche Finanzminister Giannis Varoufakis, anlaesslich einer Pressekonferenz im Bundesfinanzministerium in Berlin.

05 02 2015 Berlin Germany Photo V l German finance minister Wolfgang Schäuble CDU and the  Finance Minister Giannis  occasion a Press conference in Federal Ministry of Finance in Berlin
schäuble1227
Deutliche Differenzen: Wolfgang Schäuble und Yanis Varoufakis im Februar 2015.

© Imago/Reiner Zensen

Mit 45-jähriger Parlamentserfahrung wurde Schäuble 2017 zum Bundestagspräsidenten gewählt, in das zweithöchste Amt in der Bundesrepublik. Darüber steht nur das des Bundespräsidenten. Auch dafür wurde Schäuble mehrmals gehandelt, es fehlte aber wohl die nötige Unterstützung durch Merkel.

News Bilder des Tages Plenarsitzung im Bundestag in Berlin Wolfgang Schäuble CDU im Rahmen der Sitzung des Deutschen Bundestags am 15.12.2022 in Berlin. Zu Beginn ist die Würdigung anlässlich des 50. Jahrestages der Wahl Annemarie Rengers zur ersten Präsidentin des Deutschen Bundestags sowie anlässlich des 50. Jahrestages der Mitgliedschaft von Herrn Dr. Wolfgang Schäuble Berlin Bundestag Berlin Deutschland *** Plenary session in the Bundestag in Berlin Wolfgang Schäuble CDU during the session of the German Bundestag on 15 12 2022 in Berlin To begin with, the tribute on the occasion of the 50th anniversary of the election of Annemarie Renger as the first president of the German Bundestag and on the occasion of the 50th anniversary of the membership of Dr Wo
schäuble1227
Leidenschaftlicher Parlamentarier: Wolfgang Schäuble im Dezember 2022 im Bundestag.

© Imago/Christian Spicker

Anders als die Kanzlerin stieg Schäuble 2021 nach dem Machtverlust der Union nicht aus der Politik aus, sondern kandidierte erneut für den Bundestag, dem er da schon fast ein halbes Jahrhundert angehörte. In seinem Wahlkreis Offenburg holte er wieder das Direktmandat.

Dem Vorbild anderer CDU-Politiker wie Peter Altmaier oder Annegret Kramp-Karrenbauer, die auf ihr gewonnenes Mandat zugunsten von Jüngeren verzichteten, folgte Schäuble nicht. Er wollte das Mandat wahrnehmen, und zwar über die volle Wahlperiode.

Schäuble blieb einfacher Abgeordneter und eröffnete als Alterspräsident mit den meisten Jahren im Bundestag die erste Sitzung. Er sah sich selbst als „Parlamentarier mit Leib und Seele“. (mit Agenturen)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })