Kampf gegen das Corona-Virus : Wie das medizinische Personal getestet wird

Sie stehen in direktem Kontakt mit den möglicherweise Infizierten. Es gibt Schutzvorkehrungen, doch ein Risiko bleibt.

Tests des medizinischen Personals werden sehr unterschiedlich gehandhabt.
Tests des medizinischen Personals werden sehr unterschiedlich gehandhabt.Foto: Wolfgang Kumm, dpa

Desinfektionsmittel, Handschuhe, Atemschutzmasken, doch trotz der Schutzvorkehrungen gibt es für medizinisches Personal immer ein Risiko. Wie werden sie auf das Virus getestet? Wichtig ist, dass die Infektion schnell erkannt wird, um Patienten und Kollegen zu schützen. Offizielle Vorgaben zum Testen der Mitarbeiter auf das SARS-CoV-2-Virus gibt es bisher nicht. Eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) erklärte dem Tagesspiegel, dass es derzeit Diskussionen darüber gebe, wann medizinisches Personal getestet werden soll.

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

Kritisch sei vor allem der enge, ungeschützte Kontakt, das heißt Augen-in-Auge über 15 Minuten im Abstand von einem Meter, mit einem Infizierten. Die Charité hält noch an der RKI-Empfehlung fest. Dementsprechend wird medizinisches Personal, das Kontakt hatte mit Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, vorsorglich für 14 Tage Zuhause unter Quarantäne gestellt. Zeigen sich in den zwei Wochen keine Symptome einer Erkrankung mit Covid-19, sollen die Betroffenen danach wieder zur Arbeit erscheinen. Ein Test, ob tatsächlich eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt, ist in solchen Fällen nicht vorgesehen.

Wie viele Ärzte und Pflegekräfte der Universitätsklinik sich aufgrund dieser Regel derzeit in häuslicher Quarantäne befinden, dazu will die Charité keine Auskunft geben. Diese Regelung, die dazu führen kann, dass möglicherweise unnötig das dringend gebrauchte Personal für die medizinische Versorgung fehlt, wird auch von Experten der Charité kritisiert. Derzeit wird über eine Anpassung der Regelungen diskutiert, in Kürze könnten sie geändert werden, teilt die Charité auf Anfrage mit. Das könnte zum Beispiel eine Verkürzung der Quarantäne auf acht Tage sein oder ein täglicher Test der Betroffenen auf das Virus, wie es der Charité-Virologe Christian Drosten kürzlich vorgeschlagen hat. Generell gelte schon jetzt, dass der ungeschützte Kontakt zu Verdachtsfällen zu vermeiden sei.

Kein Test ohne Symptome

Der kommunale Berliner Krankenhauskonzern Vivantes testet seine Mitarbeiter und Patienten derzeit laut einer Unternehmenssprecherin dann, wenn es einen direkten Kontakt zu einer positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Person gegeben hat und sich zusätzlich Symptome zeigen. Dies könnten auch geringe Symptome wie Halsschmerzen oder Schnupfen sein. Ohne Symptome sei ein Test nicht ratsam, weil dieser trotz einer sich vielleicht entwickelnden Infektion negativ ausfallen und alle „in falscher Sicherheit wiegen“ könne. Der Betriebsärztliche Dienst von Vivantes berät Mitarbeiter, ob die Indikation für einen Test gegeben sei.

Ähnlich verfährt das Helios Klinikum Berlin-Buch. Bei Anzeichen einer Infektion sollen sich Mitarbeiter umgehend bei den Vorgesetzten und dem Gesundheitsamt melden. Habe sich der Mitarbeiter zudem in den letzten zwei Wochen in einem Corona-Risikogebiet der RKI-Liste aufgehalten, das sind aktuell Italien, Iran, zwei Provinzen in Südkorea und China sowie der Nordosten Frankreichs, oder Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Erkrankten gehabt, erfolge nach der Beratung des Mitarbeiters die Entscheidung, wo der Mitarbeiter sich bei bestehendem Verdacht testen lassen könne.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!