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Inszenierung, als sei er bereits der sichere Präsidentschaftskandidat 2024: Donald Trump in Conroe, Texas.
© Brandon Bell/Getty Images/AFP

Publikumsmagnet und Königsmacher der Republikaner: Kommt Donald Trump 2024 zurück?

Auf den ersten Blick wirkt der Ex-Präsident wie der sichere Kandidat der Republikaner. Doch nun sinkt sein Rückhalt an der Basis. Eine Analyse.

Er ist der Publikumsmagnet. Der Königsmacher mit Blick auf die Kongresswahl im November. Und er tritt auf wie der sichere Präsidentschaftskandidat 2024.

Zehntausende kamen am Wochenende nach Conroe, Texas, eine Kleinstadt 40 Meilen nördlich von Houston, um Donald Trump zuzujubeln. Im Fernsehbild, darauf achtet sein Team, ist er von Fans umgeben, die T-Shirts mit Aufschriften wie „Trump 2024“, „Cops for Trump“ oder „Blacks for Trump“ tragen.

Es soll so aussehen, als hätte er die Nominierung der Partei für die Präsidentschaftswahl in knapp drei Jahren bereits in der Tasche. Und dazu „Endorsements“ (Unterstützungserklärungen) der Polizeigewerkschaft, afroamerikanischer Organisationen und anderer Gesellschaftsgruppen.

In seiner Rede skizziert Trump ein Erfolgsrezept für alle, die einen Sitz im Senat oder dem Repräsentantenhaus anstreben. Wen er unterstützt, wird gewählt. Wer es ohne ihn versucht, scheitert.

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Populärster Politiker rechts der Mitte

Ein gutes Jahr, nachdem er die Aura der Macht des Präsidenten verloren hat und der Demokrat Joe Biden als Nachfolger vereidigt wurde, hat Trump allem Anschein nach die Republikanische Partei fest im Griff. Prognosen, dass mit dem Auszug aus dem Weißen Haus, den Gerichtsprozessen gegen ihn und seinem Abstieg als Unternehmer eine Anziehungskraft schwinden werde, haben sich nicht erfüllt.

Er bleibt der mit Abstand populärste Politiker rechts der Mitte. Er begeistert 38,6 Prozent der Amerikaner und über 60 Prozent der konservativen Wähler. In den Umfragen, wen die Basis als Präsidentschaftskandidaten wünscht, reicht niemand an ihn heran. Die Zustimmung zu Amtsinhaber Biden ist parallel gesunken auf derzeit 41,6 Prozent. Wirkt Trumps Rückkehr an die Macht 2024 da nicht unausweichlich?

Auf den ersten Blick ist Trump Herr des Geschehens. Auf den zweiten zeigen sich feine Risse im Bild der umfassenden Kontrolle. Als Greg Abbott, der Gouverneur von Texas, die Bühne bei der Rally erklimmt, ertönen Buh-Rufe. Obwohl Trump ihn ausdrücklich empfohlen hat?

Sein Werben fürs Impfen irritiert die Fans

Unverständnis äußern die Fans auch über Trumps unklare Haltung zur Pandemie. Früher hat er über Abstandsregeln und staatliche Vorgaben gespottet. Jetzt empfiehlt er Impfungen und prahlt, er sei geboostert. Ihm sei es zu verdanken, dass so viele Amerikaner Impfschutz haben, sagt Trump. Denn er habe die Entwicklung der Vakzine 2020 mit seiner „Operation Warp Speed“ vorangetrieben.

Das irritiert Rally-Besucher. Jennifer Winterbauer hat in Trump einen „von Gott Gesandten“ gesehen, der sie vor einem übergriffigen Staat rettet. „Der soll nicht fürs Impfen werben. Ich hatte Grippe und Covid. Die Grippe war viel schlimmer.“

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Demoskopen, die seit Jahren die Motivationen der Trump-Wähler und den Grad der Übereinstimmung mit Anhängern der Republikaner analysieren, zeichnen ein gemischtes Bild. Trump ist nach wie vor der unangefochtene Platzhirsch. Doch die Unterstützung bröckelt.

44 Prozent der Republikaner gegen Trumps Nominierung

44 Prozent der Republikaner lehnen eine erneute Kandidatur Trumps ab. 56 Prozent sagen jetzt, sie unterstützten in erster Linie die Partei. Nur für 36 Prozent ist Trump wichtiger als die Partei.

Das war im Oktober 2020 noch umgekehrt. Damals sagten 54 Prozent „Trump first“. Besonders prägnant ist der Umschwung unter weißen Männern ohne College-Ausbildung, eine wichtige Bevölkerungsgruppen für Trump. Dort sank der Anteil derer, für die er wichtiger ist als die Partei, von 62 auf 36 Prozent.

Ein ehemaliger Gefolgsmann wird in den Umfragen zum innerparteilichen Konkurrenten: Floridas Gouverneur Ron DeSantis.
Ein ehemaliger Gefolgsmann wird in den Umfragen zum innerparteilichen Konkurrenten: Floridas Gouverneur Ron DeSantis.
© Joe Raedle/Getty Images/AFP

Müssten die Republikaner heute ihren Präsidentschaftskandidaten nominieren, würde Trump „vermutlich gewinnen“, sagt Demoskop Patrick Ruffini der „New York Times“. Er habe aber „nicht mehr die eiserne Unterstützung“ wie vor der Wahl 2020. Trumps Vorsprung in den Umfragen vor einem potenziellen Herausforderer, Floridas Gouverneur Ron DeSantis, schrumpft: von 40 Prozent im Oktober auf jetzt 25 Prozent - und unter Republikanern, die beide Männer kennen und mögen, auf neun Prozent.

Frank Luntz, ein renommierter Experte für die Republikaner, beschreibt eine Bewegung in zwei Richtungen: Trump habe weniger Zustimmung als je zuvor in den vergangenen fünf Jahren. Aber die Unterstützung derer, die für ihn sind, sei leidenschaftlicher geworden.

Buh-Rufe für Trumps Kandidaten in Texas

Dass Trump die Partei nicht mehr so fest im Griff hat wie vor der letzten Wahl, lässt sich neben den Buh-Rufen für Texas-Gouverneur Abbott auch andernorts bei der Kandidatenaufstellung beobachten. In North Carolina wollte Trump seinem Favoriten für den Senatssitz Ted Budd zur Nominierung verhelfen, indem er den republikanischen Abgeordneten Mark Walker von der Kandidatur abbringt. Doch der weigert sich, das Feld zu räumen.

In Tennessee hat Trump die Republikanerin Morgan Ortagus bereits für den Kongress „endorsed“, obwohl sie noch zögert, ob sie kandidieren soll. Solche Fehler Trumps häufen sich.

So könnte der Verlauf der Kongresswahl eine neue Dynamik auslösen, die Trumps Macht entweder festigt oder ihm die Aura des Herrschers über die Partei nimmt – je nachdem, ob die von ihm unterstützten Kandidaten aufgestellt werden und die Wahl gewinnen oder nicht. Damit würden sich auch seine Chancen auf das Weiße Haus 2024 klären.

Doch selbst wenn Trump als Person nicht mehr ziehe, wäre das kein Ende des Trumpismus in der Republikanischen Partei, sagen Demoskopen. Eine Person im gleichen Geist würde ihn ersetzen. Und nicht ein moderater Republikaner.

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