Krieg im Jemen : Bundesregierung weicht Fragen zu Rüstungsexporten aus

Die große Koalition will keine Waffenexporte in Länder genehmigen, die sich direkt am Jemen-Krieg beteiligen. Welche Länder das sind? Sagt sie nicht.

Ein durch einen Luftangriff zerstörtes Haus im Jemen.
Ein durch einen Luftangriff zerstörtes Haus im Jemen.Foto: Naif Rahma/Reuters

Der Satz im Koalitionsvertrag klingt eigentlich eindeutig. Zur Rüstungsexportpolitik erklären Union und SPD: „Wir werden ab sofort keine Ausfuhren an Länder genehmigen, solange diese unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind.“ Der Linken-Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich wollte von der Bundesregierung wissen, welche Länder „unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt“ seien. Doch bis heute hat er keine Antwort bekommen – trotz mehrfacher Nachfragen.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte im Bundestag eine Woche nach der Regierungsbildung auf die Frage Liebichs, welche Länder denn nun gemeint seien: „Das ist ein Thema, mit dem wir uns in der Bundesregierung zurzeit sehr intensiv beschäftigen.“ Neben Saudi-Arabien seien in erster Linie die Vereinigten Arabischen Emirate an der Militäroperation beteiligt. „Darüber hinaus ist eine Reihe von Staaten in unterschiedlicher Weise in den Konflikt einbezogen.“

Dies reiche von ideeller Unterstützung bis zu substanzieller militärischer Beteiligung, sagte der Außenminister. „Wer aber am Schluss von uns als Beteiligter wahrgenommen wird, weil die geleistete Unterstützung ein bestimmtes Maß überschreitet, kann ich Ihnen – über die genannten Länder hinaus – im Moment nicht konkret sagen, weil wir die Lage noch nicht abschließend bewertet haben.“

Diese Bewertung ist zwei Monate später noch immer nicht abgeschlossen. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte am Montag: „Die Aussagen zur Rüstungsexportpolitik im Koalitionsvertrag erörtert die Bundesregierung in all ihren Dimensionen derzeit intensiv.“

"Eine ziemliche Frechheit"

Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Andreas Michaelis, teilte dem Abgeordneten Liebich in der vergangenen Woche nur mit, „eine größere Gruppe von Staaten unter der Führung Saudi-Arabiens“ sei der Bitte des jemenitischen Staatspräsidenten um Unterstützung gegen die Huthi-Rebellen nachgekommen. „Die Beteiligung der einzelnen Länder an der Koalition erfolgt dabei in unterschiedlicher Art und Weise.“ Damit endet die Antwort, die eigentlich keine ist.

„Ich bin ja einiges gewohnt von der Bundesregierung, aber das ist eine ziemliche Frechheit“, sagte Liebich dem Tagesspiegel. Er forderte die Regierung auf, die betroffenen Länder endlich zu benennen, statt die Rüstungsindustrie zu schützen.

Dass bis heute unklar bleibt, welche Staaten überhaupt von dem Exportstopp betroffen sind, ist umso bemerkenswerter, weil schon die vorige Bundesregierung im Januar verkündet hatte, der Beschluss gelte ab sofort. Zu der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen-Krieg werden Ägypten, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Marokko, Senegal, der Sudan und die Vereinigten Arabischen Emirate gezählt.

Exporte im Wert von 1,3 Milliarden Euro

Durch das Exportverbot würden der deutschen Rüstungsindustrie einige ihrer wichtigsten Kunden entgehen. Im Jahr 2017 hatte die Bundesregierung Waffenexporte in diese Länder im Wert von rund 1,3 Milliarden Euro genehmigt. Allein die Genehmigungen für Ägypten hatten ein Gesamtvolumen von mehr als 708 Millionen Euro. Der Exportstopp war auf Wunsch der SPD in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden.

Trotz dieses Beschlusses erteilte die Bundesregierung im ersten Monat nach ihrem Amtsantritt eine Exportgenehmigung für Saudi-Arabien und eine weitere für Jordanien. Allerdings wurden in diesem Zeitraum keine Ausfuhren in andere Länder der Jemen-Koalition gebilligt.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind im Jemen allein im April 237 Zivilisten getötet worden. Hauptgrund für die hohen Opferzahlen seien Luftangriffe in dicht bevölkerten Gebieten, die vermutlich gegen das humanitäre Völkerrecht verstießen.

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