• Mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt : Giffey will Rechtsanspruch auf Platz im Frauenhaus

Mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt : Giffey will Rechtsanspruch auf Platz im Frauenhaus

Von Nötigung bis Mord: Für Frauen kann der Partner oder Ex-Partner zur Gefahr werden. Im vergangen Jahr ist die Zahl der Fälle auf 114.000 gestiegen.

Will, dass von Gewalt betroffene Frauen künftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhass erhalten: Familienministerin Giffey
Will, dass von Gewalt betroffene Frauen künftig einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhass erhalten: Familienministerin...Foto: picture alliance/dpa/Jutrczenka

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Insgesamt wurden 2018 mehr als 114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner.

Das zeigt eine Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zum Thema Partnerschaftsgewalt, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) an diesem Montag vorgelegt hat. Anlass ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Der Deutschen Presse-Agentur liegen Auszüge der BKA-Auswertung vorab vor.

Giffey sagte der dpa, die Zahlen seien nach wie vor schockierend. „Sie zeigen, dass weiterhin viel zu viele Frauen unter Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner leiden. Mehr als ein Mal pro Stunde wurde 2018 eine Frau in der Partnerschaft gefährlich körperverletzt.“

Von Gewalt betroffene Frauen sollen nach Vorstellungen Giffey in Zukunft einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus erhalten. „Das wird Zukunftsthema sein“, sagte die SPD-Politikerin am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Im Moment gebe es aber nicht genügend Plätze. „Da müssen alle ran, damit wir einen Rechtsanspruch tatsächlich auch perspektivisch schaffen können.“

Die Ministerin will zudem am Montag eine bundesweite Initiative starten. Unter der Überschrift „Stärker als Gewalt“ haben sich dafür Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. Es geht nun vor allem darum, diese Hilfsangebote bekannter zu machen und Gewaltopfer zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Dafür wird unter anderem die Webseite stärker-als-gewalt.de am Montag online geschaltet.

Mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt

Den BKA-Daten zufolge ist die Zahl der Tötungsfälle im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 zwar um 25 gesunken. Insgesamt wurden aber mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Die Zahl stieg konkret von 113.965 auf 114.393.

Bei Vergewaltigungen, sexuellen Übergriffen und sexueller Nötigung in Partnerschaften seien die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich. Bei Bedrohung, Stalking, Nötigung in der Partnerschaft seien es 88,5 Prozent, bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung seien es 79,9 Prozent, bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen seien 77 Prozent der Opfer Frauen.

Daneben gab es auch rund 26.000 Männer, die von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen wurden. Der Trend der vergangenen Jahre, mit einem Anstieg der Fallzahlen in diesem Kriminalitätsfeld, setzt sich damit fort.

Jede dritte Frau mindestens einmal Opfer von Gewalt

Unklar bleibt allerdings, inwiefern es sich um einen tatsächlichen Anstieg der Fälle handelt oder wie sehr ein geändertes Anzeigeverhalten der Betroffenen möglicherweise eine Rolle spielt. Gezählt werden können nur die Taten, die auch angezeigt werden. Weiterhin wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Nach früheren Angaben von Giffey sucht nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe. Betroffen seien tatsächlich Hunderttausende. Das Bundesfamilienministerium weist auf sogenannte Dunkelfeldstudien hin, wonach jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebe.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) nannte es in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein „widerliches Phänomen“, wenn versucht werde, Frauen über sexualisierte Beleidigungen zu treffen. „Oftmals heißt es doch: Sie dürfen nicht so empfindlich sein, das gehört doch zur Meinungsfreiheit. Wenn mich jemand mit dem F-Wort belegt, dann hat das nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Das ist schlicht und ergreifend eine Beleidigung.“

Bund, Länder und Kommunen wollen nun die Hilfsangebote für Frauen ausbauen. Ende Oktober wurde dafür das Programm „Gemeinsam gegen Gewalt“ vorgelegt. Allein der Bund plant demnach in den kommenden Jahren 120 Millionen Euro für den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen in Deutschland ein.

In Deutschland gibt es etwa 350 Frauenhäuser. Das sind Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Es gebe da teilweise weiße Flecken, gerade in den ländlichen Gebieten. Diese Lücken müssten geschlossen werden, hatte Giffey bei der Vorlage des Programms betont. (dpa)

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