• Mund-Nasenschutz als Symbol für die Pandemie: Wir sollten jetzt Masken tragen – auch um Zeichen zu setzen

Mund-Nasenschutz als Symbol für die Pandemie : Wir sollten jetzt Masken tragen – auch um Zeichen zu setzen

Masken sind gerade jetzt wichtig, wo erste Lockerungen in Kraft treten. Wir sind eben noch nicht über den Berg. Ein Kommentar.

Soll es eine Maskenpflicht geben?
Soll es eine Maskenpflicht geben?Foto: imago images/Michael Weber

Sie ist in allen Facetten zu haben. Medizinisch sicher, modisch schick oder schlicht und praktisch – die Maske wird immer präsenter im öffentlichen Raum. Und das könnte noch zunehmen. Seit Tagen wird in Deutschland über eine Maskenpflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie diskutiert.

Die Bundesregierung empfiehlt das Tragen von Masken, einige Bundesländer wie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern gehen weiter und machen sie zum Beispiel in Bussen und Bahnen zur Pflicht. Auch einzelne Städte wie Jena und Wolfsburg haben sie verpflichtend für viele Bereiche des öffentlichen Lebens eingeführt.

Über ihren Nutzen sind sich die wissenschaftlichen Gelehrten uneins. Um andere zu schützen, kann sie hilfreich sein. Was den eigenen Schutz angeht, ist die Wirkung zumindest umstritten.

Und so ist der Schutz von Mund und Nase zu einem Symbol der Pandemie geworden: ein Symbol für Ungewissheit, Unklarheit und auch Unwissen. So wie der Nutzen der Maske unklar ist, sind das Virus und seine Wirkung immer noch nicht 100-prozentig entschlüsselt.

Was genau führt zu einem schweren Verlauf? Was sogar zum Tod? Welche Medikamente helfen? Welche nicht? Das Gefährliche an der Krise ist auch die nach wie vor gravierende Wissenslücke.

Wer Maske trägt, handelt verantwortungsbewusst

Die Maske ist aber auch ein Anzeichen dafür, wie jemand mit der Krise ganz persönlich umgeht. Nimmt er sie ernst? Vielleicht zu ernst? Ist er übervorsichtig, ängstlich oder sogar panisch? Vielleicht sogar wirklich krank? Möglicherweise ist er schlicht verantwortungsbewusst. Und was ist mit dem, der keine Maske trägt? Ist der verantwortungslos sich selbst und anderen gegenüber? Oder immun?

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Eine Maske lädt zu Urteilen und auch zum Verurteilen ein. Und das um so mehr, je unklarer die Vorgaben zum Tragen sind. Das ist problematisch und sozial nicht ungefährlich. Die Maske kann zum Stigma werden.
Die Bundesregierung hat mit ihrem Gebot, Masken zu Tragen eher das Ungewisse befördert als die Sicherheit.

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Sie lässt die Bürger im Unklaren. Wo ist es ratsam eine Maske zu tragen und wo nicht? Und wer sollte sie vor allem tragen? Hier wäre eine klarere Linie besser. Eine Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken, wann immer man das Haus verlässt, wäre viel zu weitreichend und nicht zu kontrollieren.

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Hinzu kommt, dass gar nicht so viele Masken verfügbar wären. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet mit einem Bedarf von acht bis zwölf Milliarden Masken pro Jahr. Aber eine Pflicht mit Augenmaß bezogen auf neuralgische Bereiche ist sicher ratsam.

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Dem Ermessen des Einzelnen überlassen

Dazu zählen der öffentliche Nahverkehr, Supermärkte, Geschäfte und Arztpraxen. Rückhalt in der Bevölkerung gäbe es: Fast die Hälfte der Bundesbürger sprechen sich für eine Maskenpflicht aus. Das ergab eine repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Tagesspiegels.

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Doch mit den bisherigen Entscheidungen der Bundesregierung bleibt das Tragen von Masken außer in einigen Städten und Bundesländern bis auf Weiteres dem Ermessen der Einzelnen überlassen.

Und ja, Masken sind normalerweise auch ein Zeichen des Unbehagens. Sie verdecken etwas, machen das Gegenüber unnahbar, wirken vielleicht sogar bedrohlich, weshalb man sie vor allem Kindern gut erklären muss.

Hintergründe zum Coronavirus:

Tatsächlich ist derzeit aber das Gegenteil richtig. Masken sind ein wichtiges Hilfsmittel, weil sie das Virus gewissermaßen sichtbar machen. Sie befördern es symbolisch zutage. Und das ist gerade jetzt, wo erste Lockerungen in Kraft treten wichtig. Wir sind eben noch nicht über den Berg. 

Die Maske kann so auch indirekt an andere Regeln erinnern, die schnell in Vergessenheit geraten, wenn so etwas wie Alltag auf die Straßen zurückkehrt: Abstand einhalten und Hände waschen. Insofern erfüllt die Maske nicht nur einen – wie intensiv auch immer gearteten – gesundheitlichen Schutz. Sie sensibilisiert uns auch für die Krise, die noch nicht vorbei ist.

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