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Nach US-Sanktionen wegen Nord Stream 2 : Allseas plant keine Fortsetzung der Pipeline-Verlegung

Die Allseas-Gruppe zieht sich komplett aus dem Pipeline-Projekt zurück. Der Kreml kann derweil nicht abschätzen, wann die Pipeline in Betrieb geht.

Das Verlegeschiff "Audacia" des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt vor Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2.
Das Verlegeschiff "Audacia" des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt vor Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2.Foto: dpa/ Bernd Wüstneck

Die Allseas-Gruppe plant keine Fortsetzung ihrer Arbeiten an der Verlegung von Rohren für die Gaspipeline Nord Stream 2. Das berichtete am Montag die russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf den schweizerisch-niederländischen Konzern, der seine Arbeit an der Ostsee-Pipeline wegen angedrohter US-Sanktionen ausgesetzt hat. Dies verzögert die Fertigstellung der Pipeline unter der Ostsee. Russland hat aber erklärt, es habe eigene Schiffe, um den Bau von Nord Stream 2 zu beenden. Von der Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland fehlen nach Angaben des Baukonsortiums noch 160 Kilometer.

Die Entscheidung der Allseas-Gruppe kommt nicht unerwartet. "Allseas wird im Einklang mit den Abwicklungsbestimmungen der Gesetzgebung vorgehen und von der zuständigen US-Behörde Leitlinien erwarten, die die erforderlichen regulatorischen, technischen und umweltrelevanten Klarstellungen umfassen", hieß es bereits am 21. Dezember in einer Pressemitteilung von Allseas.

Am Sonntag hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin in einem Telefonat darauf verständigt, das Pipeline-Projekt weiterhin zu unterstützen. Hinter diesem steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren die europäischen Energieunternehmen Wintershall Dea, OMV, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

Die USA begründen ihren Widerstand gegen Nord Stream 2 und ihre Sanktionen wegen des Baus damit, dass Europa sich abhängig von Russland mache. Zugleich wollen die USA ihr durch das umstrittene Fracking gewonnene Erdgas nach Europa verkaufen. Die Bundesregierung will deutsche LNG-Terminals, um das „liquefied natural gas“, Flüssigerdgas, anlanden zu können. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es, man wolle „Deutschland zum Standort für LNG-Infrastruktur machen“. Der Bau an der deutschen Küste soll durch Gesetzeserleichterungen und Zuschüsse gefördert werden. Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven bewerben sich um ein LNG-Terminal.

Kreml: Starttermin von Nord Stream 2 ist offen

Der Kreml kann derweil noch nicht abschätzen, wann die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 in Betrieb geht. „Ich glaube nicht, dass jemand jetzt ein Datum nennen kann“, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Dienstag in Moskau. Ohne die USA direkt zu nennen, sagte er: Durch Handlungen eines dritten Staates, die nicht den Normen des Völkerrechts entsprächen, „sind objektive Umstände der höheren Gewalt eingetreten“.

Russlands Energieminister Alexander Nowak hatte vor wenigen Tagen die Fertigstellung der umstrittenen Pipeline bis Ende 2020 zugesagt. Bisher ging Moskau lediglich von einer Verzögerung von einigen Monaten aus. Peskow stellte aber klar, dass das Projekt an sich nicht in Gefahr sei. Nach der Inkraftsetzung der US-Sanktionen hatte der in der Schweiz ansässige Offshore-Dienstleister Allseas seine Beteiligung am Pipeline-Bau vergangene Woche vorerst eingestellt.

Ursprünglich war die Fertigstellung von Nord Stream 2 für Anfang 2020 geplant, die Inbetriebnahme sollte wenige Monate später erfolgen. Wegen der US-Sanktionen, die US-Präsident Donald Trump vergangene Woche in Kraft gesetzt hatte, werden jedoch Verzögerungen erwartet. Nord Stream 2 ist bereits zu etwa 80 Prozent fertiggestellt. (mit Agenturen)

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