Ost-Goutha in Syrien : "Die Lage der Zivilisten ist verheerend"

Unicef findet keine Worte mehr für die Situation der Menschen im syrischen Ost-Ghouta. Die Vereinten Nationen warnen, das Grauen von Aleppo könne sich dort wiederholen.

Ein Mann mit drei verwundeten Kindern in einem improvisierten Krankenhaus von Ost-Ghuta.
Ein Mann mit drei verwundeten Kindern in einem improvisierten Krankenhaus von Ost-Ghuta.Foto: Samer Bouidani/dpa

Die Vereinten Nationen und die Bundesregierung sind alarmiert über die eskalierenden Angriffe auf das syrische Rebellengebiet Ost-Ghouta. Die Lage für die Zivilisten in der Region sei verheerend, erklärte UN-Generalsekretär António Guterres laut einer am Mittwochmorgen in New York verbreiteten Erklärung. Rund 400.000 Menschen harrten in dem von Assad-Einheiten belagerten und beschossenen Gebiet östlich von Damaskus aus. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte, das Grauen von Aleppo drohe sich zu wiederholen. Wieder würden vor allem unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder, Opfer der zerstörerischen Gewalt des syrischen Regimes und seiner Unterstützer.

Durch Luftangriffe, Artilleriefeuer und andere militärische Attacken seien seit Montag mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter viele Kinder, teilten die Vereinten Nationen mit. Die syrische Zivilschutzorganisation Weißhelme nannte wesentlich höhere Opferzahlen.

Fünf Krankenhäuser wurden angegriffen

Guterres verurteilte ferner die Angriffe auf fünf Krankenhäuser. Mehr als 700 kranke und verletzte Menschen müssten dringend herausgebracht werden. Laut UN-Mitarbeitern ist neben den Assad-Streitkräften auch die Luftwaffe des verbündeten Russlands für die Attacken auf Ost-Ghouta verantwortlich.

Der UN-Generalsekretär verwies zudem auf Beschuss aus dem Rebellengebiet auf Damaskus. Alle Kriegsparteien müssten die Grundsätze des humanitären Völkerrechts achten und Zivilisten schonen, verlangte Guterres. Er wiederholte seine Forderung nach einer Feuerpause, um den Menschen in dem abgeriegelten Gebiet humanitäre Güter liefern zu können. Auch die Bundesregierung forderte ein Ende der Angriffe und humanitären Zugang.

Hunderttausende wurden seit 2011 getötet

In Syrien kämpfen das Regime des Machthabers Baschar al-Assad, Rebellen und Terrormilizen um die Macht. Neben Russland stehen iranische und andere Milizen auf der Seite Assads. Ferner geht die Türkei gegen kurdische Verbände vor. Seit 2011 wurden Hunderttausende Menschen getötet, Millionen sind auf der Flucht.

Bereits am Dienstag hat das UN-Kinderhilfswerk die heftigen Angriffe angeprangert. Unicef verschickte eine nahezu leere Mitteilung. Darin wird Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere mit einem einzigen Satz zitiert: "Keine Worte werden den getöteten Kindern, ihren Müttern, ihren Vätern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren lassen."

Das Auswärtige Amt äußerte sich ebenfalls besorgt über die Lage in Afrin im Norden Syriens, wo türkisches Militär gegen bewaffnete Kurden kämpft. Die angedrohte Blockade könne zu weiterem Leid unter der Zivilbevölkerung führen. „Die Gefahr einer weiteren Eskalation scheint nun akut“, sagte der Sprecher. Man appelliere an alle Beteiligten, die Kampfhandlungen zu beenden. (epd)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!