• Studie in 32 Ländern Europas: Mehr als vier Millionen Migranten ohne Bleiberecht in Europa

Studie in 32 Ländern Europas : Mehr als vier Millionen Migranten ohne Bleiberecht in Europa

Um ein Drittel stieg die Zahl der „unautorisierten Migranten“ seit 2015. Vier Mal so viele erreichen erreichen Europa mit Erlaubnis.

Frankreich räumte vor wenigen Tagen ein Flüchtlingscamp im Norden von Paris.
Frankreich räumte vor wenigen Tagen ein Flüchtlingscamp im Norden von Paris.Foto: Francois Mori/AP/dpa

Vier Jahre nach der außergewöhnlichen Zuwanderung im Sommer und Herbst 2015 leben zwischen 3,9 und 4,8 Millionen „unautorisierte Migranten“ ohne reguläres Aufenthaltsrecht in Europa.

Das ergeben Schätzungen des amerikanischen Pew-Centers auf Basis von Behördenangaben in den 28 EU-Staaten sowie vier Ländern der Europäischen Freihandelszone EFTA, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz.

Diese Zahlen liegen um ein Drittel höher als bei der letzten umfassenden Schätzung im Jahr 2014; damals lebten zwischen 3,0 und 3,7 Millionen „unautorisierte Migranten“ in Europa. Zugleich liegen die aktuellen Zahlen leicht unter denen auf dem Höhepunkt der Migrationskrise im Jahr 2016 (zwischen 4,1 und 5,3 Millionen).

Die Hälfte von ihnen verteilt sich auf zwei der 32 Staaten: Deutschland und Großbritannien. Nimmt man Italien und Frankreich hinzu, leben 70 Prozent der „unautorisierten Migranten“ in nur vier der 32 Staaten.

Wertende Begriffe vermieden

Sprachlich folgt das Pew Center der angelsächsischen Tradition, für Menschen, die ihren Wohnort wechseln, den Oberbegriff „Migranten“ zu verwenden und wertende Begriffe wie „Flüchtlinge“, „Kriegsflüchtlinge“ oder „Illegale“ zu vermeiden, weil sie emotional besetzt sind und oft zur politischen Meinungsbildung benutzt werden.

Pew unterscheidet zwischen „autorisierten Migranten“, die mit einer Zuwanderungserlaubnis oder einem Visum einreisen, und „unautorisierten Migranten, die ohne Genehmigung nach Europa kommen. Zu den „unautorisierten Migranten“ zählen auch Menschen, die nach Ablauf einer Aufenthaltsgenehmigung, eines Visums oder einer Asylberechtigung nicht ausreisen, erläutert der wissenschaftliche Leiter der Pew-Studie, Phillip Connor.

Festung Europa? Weit mehr Migranten haben Aufenthaltsrecht

Das Pew Center weist darauf hin, dass vier Mal so viele „autorisierte Migranten“ mit Einreise- und Aufenthaltserlaubnis in Europa leben wie „unautorisierte Migranten“ ohne Bleiberecht. Dieser Befund weckt Zweifel an der gängigen Kritik an den EU-Staaten, dass die EU-Staaten Europa zu einer „Festung“ gemacht haben und Migrationswillige aus nicht-europäischen Ländern so gut wie keine Chance haben, legal nach Europa zu gelangen.

Im Vergleich mit den USA ist der Anteil der „unautorisierten Migranten“ in Europa gering. Es seien weniger als ein Prozent von den weit über 500 Millionen Gesamtbevölkerung in den 32 Staaten, hält die Studie fest. In den USA liegt der Anteil bei drei Prozent, weil dort mehr „unautorisierte Migranten“ leben, zwischen 10,3 und 10,7 Millionen, und die Einwohnerzahl der USA (325 Millionen) geringer ist. Diese Migranten kommen zu 80 Prozent aus Lateinamerika und zu 50 Prozent allein aus Mexiko. Der Anteil der Asylsuchenden ist in Europa (20 bis 24 Prozent) höher als in den USA (9 Prozent).

Die meisten kommen aus Asien und Nordafrika

Die Studie enthält zahlreiche weitere Information, die ein genaueres Bild der Migration nach Europa zeichnen. 30 Prozent der „unautorisierten Migranten“ stammen aus der Region Asien-Pazifik, 21 Prozent aus dem Mittleren Osten und Nordafrika, 17 Prozent aus Subsahara-Afrika und 8 Prozent aus Süd-, Mittel- und Nordamerika. 23 Prozent kommen aus Ländern Europas, die nicht zu den 28 EU- und den vier EFTA-Staaten der Studie gehören.

56 Prozent der „unautorisierten Migranten“ leben weniger als fünf Jahre in Europa. In Deutschland gehören sogar 66 Prozent dieser Gruppe an, die im Zug der Migrationswelle 2015 kam. In Großbritannien liegt der Anteil bei 43 Prozent, dort gibt es mehr „Langzeit-Migranten“. Zwei Drittel der „unautorisierten Migranten“ sind jünger als 35 und mehr als die Hälfte Männer.

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