• Von der Alu-Bommel bis zur Zwangsimpfung: Was die derzeit gängigen Verschwörungsmythen bedeuten

Von der Alu-Bommel bis zur Zwangsimpfung : Was die derzeit gängigen Verschwörungsmythen bedeuten

Vieles wirkt schon auf den ersten Blick abstrus, dennoch haben gerade in der Coronakrise Verschwörungsmythen viele Anhänger. Ein Glossar für die Welt der Aluhüte.

Zu den verbreiteten Verschwörungsmythen gehört, dass der Microsoft-Gründer Bill Gates die gesamte Weltbevölkerung impfen lassen will.
Zu den verbreiteten Verschwörungsmythen gehört, dass der Microsoft-Gründer Bill Gates die gesamte Weltbevölkerung impfen lassen...Foto: imago /Arnulf Hettrich

Alu-Bommel:
Auf den Demonstrationen gegen die Einschränkungen in der Coronakrise tragen Teilnehmer eine Kugel aus Alufolie an einem Band um den Hals oder am Revers. Dieses Erkennungszeichen erinnert an den „Aluhut“, der, so glauben manche Verschwörungstheoretiker, den Kopf des Trägers vor schädlicher Strahlung oder gar einer Kontrolle der Gedanken durch finstere Mächte schützen soll. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist der „Aluhut“ längst eine abwertende Bezeichnung für Verschwörungsgläubige geworden. Das greifen nun die Erfinder der Alu-Bommel auf. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann, der zu den Gründern der Bewegung „Widerstand 2020“ zählt, hat auf Youtube eine Bastelanleitung für die Alu- Bommel veröffentlicht und erklärt deren Sinn so: „Ich bin Querdenker, ich trage mein Aluminium nicht auf dem Kopf. Den Kopf benutze ich zum Denken.“ Die „Querdenkerbommel“ soll also ein ironisches Zitat des Aluhuts sein. Doch auf dieser symbolischen Ebene bleibt es nicht, und von einer klaren Abgrenzung zu Verschwörungstheoretikern kann keine Rede sein. Diejenigen, die die Kugel aus zusammengeknüllter Alufolie tragen und damit gegen die Corona-Maßnahmen protestieren, übernehmen zum Teil auch verschwörungstheoretische Muster.

Bundesrepublik Deutschland GmbH:
Unter die Demonstranten haben sich in den vergangenen Wochen auch Reichsbürger gemischt, die die Bundesrepublik nicht als Staat anerkennen. Sie glauben, das Deutsche Reich bestehe weiter, und sehen sich als dessen Bürger. Die Bundesrepublik Deutschland sei eine Firma, eine GmbH – und die Kanzlerin nur deren Geschäftsführerin. Wie so oft bei Verschwörungsmythen versuchen deren Anhänger auch in diesem Fall, Fakten heranzuziehen, die ihre kruden Theorien scheinbar belegen: Die Reichsbürger weisen auf ein tatsächlich im Handelsregister eingetragenes Unternehmen hin, die „Bundesrepublik Deutschland – Finanzagentur GmbH“. Doch dafür gibt es eine ganz normale Erklärung: Es handelt sich um ein Unternehmen des Bundes, das als zentraler Dienstleister für die Kreditaufnahme zuständig ist. Wie gefährlich Verschwörungsmythen sein können, zeigt sich gerade an den Reichsbürgern: Weil sie den Staat nicht anerkennen, neigen zumindest einige von ihnen dazu, mit Waffengewalt gegen die Repräsentanten dieses Staates vorzugehen. Zudem ist ein Teil der Reichsbürger offen rechtsextrem. Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben des Verfassungsschutzes etwa 19.000 Reichsbürger.

Deep State:
Wer in den USA oder einem europäischen Land einen „Deep State“ am Werk sieht, der glaubt, dass sich Geheimdienstler, Militärs und Beamte heimlich verbündet haben, um die Macht in dem jeweiligen Staat zu übernehmen. Wie viele Verschwörungstheorien hat auch diese Anknüpfungspunkte in der realen Welt: In der jüngeren Geschichte der Türkei hat das Militär mehrfach geputscht, in diesem Zusammenhang ist dort tatsächlich vom „tiefen Staat“ die Rede. Auch in einem Land wie Pakistan haben Militär und Geheimdienst seit Jahrzehnten hinter den Kulissen die Fäden gezogen. In den USA ist der „Deep State“ seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump allerdings zum verschwörungstheoretisch konnotierten Kampfbegriff geworden. Trumps Unterstützer behaupten, die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden arbeiteten gegen den Präsidenten und wollten ihn stürzen. Bis zu Trumps Amtsantritt diskutierte ein anderes politisches Lager über Geheimdienste, die angeblich ein Eigenleben führten: Der US-Whistleblower Edward Snowden hatte das Thema bei der amerikanischen und europäischen Linken populär gemacht.

Bei einer Demonstration in Berlin hielten Demonstranten ein Schild mit der Aufschrift "Gib Gates keine Chance" hoch.
Bei einer Demonstration in Berlin hielten Demonstranten ein Schild mit der Aufschrift "Gib Gates keine Chance" hoch.Foto: Christoph Gateau/dpa

Gates, Bill:
In der Coronakrise ist der Microsoft-Gründer Bill Gates zum Feindbild Nummer eins der Verschwörungsgläubigen geworden. In Anlehnung an einen bekannten Slogan des Kampfes gegen Aids gehen in Deutschland Demonstranten mit Schildern auf die Straße, auf denen zu lesen ist: „Gib Gates keine Chance“. Um die Person des Milliardärs ranken sich derzeit zahlreiche Mythen. Seine Stiftung, die Bill und Melinda Gates Foundation, ist der wichtigste private Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und unterstützt außerdem die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Gavi) sowie Unternehmen, die Impfstoffe entwickeln, beispielsweise die deutsche Firma Curevac. Doch was machen die Verschwörungstheoretiker aus diesen Fakten über Gates’ Engagement im Gesundheitsbereich? Gates wolle die gesamte Weltbevölkerung impfen und den Menschen dabei Mikrochips einsetzen lassen, um sie zu kontrollieren, heißt es beispielsweise. Andere behaupten, der Milliardär wolle die Impfungen nutzen, um die Weltbevölkerung zu dezimieren. Im Feindbild Gates’ findet sich auch die klassische verschwörungstheoretische Erzählung von der kleinen globalisierten Elite wieder, die heimlich die Weltherrschaft übernehmen wolle.

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Geheimorganisationen:
Der Geheimbund gehört zum klassischen Repertoire der Verschwörungstheoretiker. Geschichten über solche Gruppierungen üben von jeher eine große Faszination auf viele Menschen aus. Genau daran knüpfen die Verschwörungsmythen an. Sie lassen rund um Organisationen wie die Freimaurer oder den tatsächlich historisch belegten Illuminatenorden die Erzählung einer großen, bösen Macht ranken, die bis heute im Hintergrund die Fäden ziehe und nach der Weltherrschaft strebe. Diese Erzählung wird zudem meist noch antisemitisch aufgeladen. So absurd derartige Geschichten auf den ersten Blick wirken mögen, die Empfänglichkeit für diese Art von Verschwörungsmythen ist grundsätzlich in Deutschland groß: In der „Mitte-Studie“ der Friedrich- Ebert-Stiftung 2019 gaben 46 Prozent der Befragten an, es gebe geheime Organisationen, die politische Ereignisse beeinflussen.

Kinderblut:
Die Geschichte klingt wie aus einem richtig schlechten Film: Kinder würden unter der Erde gefangen gehalten, gefoltert und am Ende getötet, nur um aus ihrem Blut den Stoff Adrenochrom zu gewinnen, der einer kleinen Elite als Verjüngungsmittel dienen soll. Diese Horrorstory wird in Deutschland beispielsweise von dem Sänger Xavier Naidoo verbreitet, der längst unter die Verschwörungstheoretiker gegangen ist, und der Rapper Sido verteidigte die seltsamen Äußerungen. Tatsächlich handelt es sich um einen Verschwörungsmythos, der vor allem in den USA in den Kreisen der QAnon-Fans weitergetragen wird. Doch diese Geschichte hat uralte Wurzeln – und deutliche antisemitische Anklänge. Schon im 13. Jahrhundert wurde Juden vorgeworfen, das Blut von christlichen Kindern für religiöse Zwecke oder als Heilmittel zu benutzen. Diese bizarre Geschichte ist eine Variante der uralten judenfeindlichen Ritualmordlegende.

In Michigan wartet eine Unterstützerin des Verschwörungsmythos "QAnon" auf US-Präsident Donald Trump.
In Michigan wartet eine Unterstützerin des Verschwörungsmythos "QAnon" auf US-Präsident Donald Trump.Foto: Leah Millis/Reuters

QAnon:
Im Oktober 2017 erschien in dem bevorzugt von Rechtsextremen genutzten Internetforum 4chan ein Beitrag, der von einem „Patrioten“ mit „Sicherheitsfreigabe Q“ unterzeichnet war. Dieser Begriff wird im US-Energieministerium verwendet, der anonyme Verfasser wollte also den Eindruck erwecken, er sei ein Insider und habe Zugang zu geheimen Informationen. Doch wer hinter dem anonymen Geraune von „Q“ steckt, ist bis heute unklar. Unter dem Begriff QAnon (zusammengesetzt aus Q und Anonymous) versteht man einen breit aufgefächerten Verschwörungsmythos, dem zufolge eine globale Elite Regierungen und Banken kontrolliere und den geheimen Plan verfolge, den US-Präsidenten Donald Trump zu stürzen. Die Drahtzieher sollen dieser kruden Geschichte zufolge zugleich einen internationalen Ring von Pädophilen und Kinderhändlern kontrollieren. Damit wird Trump zum Kämpfer nicht nur gegen den „Deep State“, sondern gegen das absolute Böse stilisiert. Auch dieser Verschwörungsmythos trägt antisemitische Züge, erkennbar an uralten Stereotypen wie der Weltverschwörung, in deren Mittelpunkt unter anderen angeblich George Soros stehe. QAnon soll in den USA Zehntausende Anhänger haben, bei Auftritten von Präsident Trump waren im Publikum Schilder mit der Aufschrift „Q“ zu sehen. Selbst einige republikanische Politiker gelten als Unterstützer des Verschwörungsmythos und haben sich öffentlich positiv dazu geäußert. In Oregon nominierten die Republikaner die Politikerin Jo Rae Perkins für den Senat, die über sich sagt: „Ich stehe zu Q und dem Team.“

Mobilfunkmasten (5G):
Anfang April sah sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einer ungewöhnlichen Aussage genötigt: „5G-Mobilfunknetze verbreiten NICHT COVID-19.“ Viren könnten auf diesem Weg gar nicht übertragen werden. Doch zu dem Zeitpunkt hatte sich der entsprechende Verschwörungsmythos schon in zahlreichen Ländern festgesetzt. Demnach breite sich das Coronavirus in den Regionen aus, in denen es bereits den neuen Mobilfunkstandard gebe. In einer anderen Spielart dieser Verschwörungstheorie wird gar behauptet, die Pandemie gebe es überhaupt nicht – sie diene nur dazu, ein „5G-Syndrom“ zu vertuschen. Dass das neuartige Coronavirus sich auch in Ländern ausbreitete, in denen es 5G gar nicht gibt, ignorieren die Anhänger dieser kruden Theorie geflissentlich. Dieser Verschwörungsmythos kann an weit verbreitete Vorbehalte gegen diese Technologie anknüpfen: Fast jeder Zweite in Deutschland fürchtet Funkmasten als Quelle elektromagnetischer Strahlung, wie aus einer Studie des Branchenverbands Bitkom hervorgeht. Zugleich zeigt sich am Beispiel 5G, wie gefährlich solche Verschwörungsmythen sind – und wie gewaltbereit ihre Anhänger: In Großbritannien und den Niederlanden gab es bereits zahlreiche Anschläge auf Mobilfunkmasten.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.]

Neue Weltordnung (NWO):
Noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff der neuen Weltordnung vor allem von denjenigen benutzt, die in Politik, Medien und Wissenschaft über die Lehren aus den beiden Weltkriegen, das künftige Kräfteverhältnis der Großmächte und den Nutzen internationaler Kooperation nachdachten. Doch im Jahr 1991 erschien in den USA ein Buch mit dem Titel „Die neue Weltordnung“. Der Verfasser, der einflussreiche evangelikale Prediger Pat Robinson, behauptete darin, es gebe eine geheime internationale Verschwörung – getragen von Banken, Freimaurern, Illuminaten und anderen Gruppierungen – mit dem Ziel, eine Weltregierung zu errichten, die dann vom Antichrist geführt werden würde. Das Buch wurde in den USA ein Bestseller und trug damit zur Verbreitung dieses Verschwörungsmythos bei, der starke antisemitische Züge hat. In der Coronakrise ist nun wieder die Rede von der „Neuen Weltordnung“, der angeblich bevorstehenden Machtübernahme durch eine globale Elite. Unter Verschwörungsgläubigen kursierte sogar schon ein konkretes Datum, an dem die NWO beginnen sollte, der 15. Mai. Passiert ist erwartungsgemäß – nichts.

Auf einer Demonstration in Frankfurt/Main trägt ein Mann ein T-Shirt mit einem gelben Stern und der Aufschrift "Ungeimpft".
Auf einer Demonstration in Frankfurt/Main trägt ein Mann ein T-Shirt mit einem gelben Stern und der Aufschrift "Ungeimpft".Foto: Boris Rössler/picture alliance/dpa

Stern, gelber:
Auf mehreren Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen haben Teilnehmer einen gelben Stern mit der Aufschrift „nicht geimpft“ getragen. Damit setzen die Impfgegner sich selbst mit den im nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Juden gleich, die gezwungen wurden, einen gelben Stern zu tragen. Sie stilisieren sich also zu einer von einem verbrecherischen Staat bedrohten Minderheit – und damit indirekt zu Opfern einer Verschwörung. Durch das Tragen des gelben Sterns verharmlosen die Demonstranten die Judenverfolgung und letztlich auch den Holocaust. Dies ist keineswegs ein zufälliger Fauxpas bei der Wahl eines eingängigen Demo-Symbols: denn auf denselben Demonstrationen werden Verschwörungsmythen geäußert, die im Kern antisemitisch sind.

Vergiftetes Wasser:
Es war einer dieser Sätze, die man eigentlich ignorieren sollte: Attila Hildmann, ehemals Koch veganer Gerichte und heute einer der selbsternannten Wortführer der Verschwörungstheoretiker in der Coronakrise, äußerte in einer seiner üblichen Tiraden den Verdacht, das Trinkwasser in Berlin sei vergiftet, um die Bevölkerung ruhigzustellen. Auf den ersten Blick wirkt dieser Satz einfach verrückt. Doch auch diese irre Geschichte weckt Erinnerungen an uralte Verschwörungsmythen. Als im Mittelalter die Pest ausbrach, wurden Juden beschuldigt, die Brunnen vergiftet zu haben. Pogrome in zahlreichen Städten waren die Folge. Wer diesen historischen Bezug im Hinterkopf hat, für den lassen sich scheinbar zusammenhanglose Sätze wie der vom vermeintlich vergifteten Berliner Trinkwasser in einen größeren Zusammenhang einordnen. Überhaupt ist es typisch für den heutigen Antisemitismus, dass er nicht offen zur Sprache kommt, sondern weitgehend über Codes und Chiffren funktioniert.

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Weltregierung:
Einem gängigen Verschwörungsmythos zufolge wollen finstere Mächte eine Weltregierung etablieren, eine Art weltweite Diktatur. Dieser Mythos bedient das Feindbild der „globalen Eliten“. Weil der Untergang der Nation als Schreckensszenario dargestellt wird, könnte diese Erzählung besonders für Rechtsextremisten anschlussfähig sein. In der Coronakrise hat sich allerdings gezeigt, dass ein solcher Verschwörungsmythos keineswegs nur am ganz rechten Rand der westlichen Gesellschaften Anklang findet: Die Corona-Maßnahmen seien „ein beunruhigendes Vorspiel zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“, hieß es in einem Aufruf mehrerer katholischer Bischöfe. Erzbischof Carlo Maria Viganò, der Initiator des Appells, verteidigte diese Äußerung später gegen die massive Kritik, die den Kirchenvertretern entgegenschlug, und betonte, das „Projekt einer Neuen Weltordnung“ müsse „entlarvt“ werden.

Weltverschwörung:
Verschwörungsmythen teilen die Welt in Gut und Böse, sie liefern scheinbar einfache Erklärungen für krisenhafte Ereignisse, die den Alltag der Menschen erschüttern. Kein Wunder also, dass diejenigen, die für diese Art von Weltdeutung anfällig sind, auch hinter der Corona-Pandemie und den Maßnahmen zu ihrer Eindämmung einen groß angelegten finsteren Plan vermuten. An welchem der Verschwörungsmythen man auch kratzt, fast immer kommt in einer tieferen Schicht Antisemitismus zum Vorschein. Wenn in der Vergangenheit von einer weltweiten Verschwörung die Rede war, so waren als Hintermänner – direkt oder hinter anderen Begriffen verborgen – meist die Juden gemeint. Ein Buch, das 1903 im zaristischen Russland erschien, hat diese vermeintliche jüdische Weltverschwörung zum Thema und gibt vor, sie mithilfe von allerdings fiktiven Dokumenten zu beweisen, den „Protokollen der Weisen von Zion“. Später griffen die Nationalsozialisten die antisemitische Hetzschrift und den darin propagierten Mythos der von Juden geplanten Verschwörung auf, um in der Bevölkerung Judenhass zu schüren. Bereits ab 1934 waren die „Protokolle“ Pflichtlektüre in deutschen Schulen. Bis heute sind das Pamphlet und sein Gedankengut weltweit verbreitet.

Eine Impfgegnerin auf einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Stuttgart.
Eine Impfgegnerin auf einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Stuttgart.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Zwangsimpfung:
Zumindest einen Teil der Menschen, die gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren, treibt die Angst vor einer vermeintlich drohenden Zwangsimpfung auf die Straße. Dahinter steht die Behauptung, die Regierung wolle die Coronakrise nutzen, um die gesamte Bevölkerung impfen zu lassen, auch gegen den Willen der Betroffenen. Impfgegner und Verschwörungsgläubige kommen auf den Demonstrationen zusammen, wobei es zwischen den beiden Gruppen ohnehin Überschneidungen gibt. Wissenschaftler der Universität Mainz kamen zu dem Ergebnis, dass Personen mit einer ausgeprägten Verschwörungsmentalität alternative Heilmethoden bevorzugen und Verfahren der klassischen Medizin – wie Impfungen – ablehnen. Dass die Bundesregierung jetzt öffentlich betont, eine Corona-Impfpflicht werde es nicht geben, erreicht diejenigen nicht, die der Politik ohnehin ausschließlich finstere Absichten unterstellen.

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