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Zu heiß, zu trocken. Wassser wird zu einer immer kostbareren Resource. Foto: Marcus Yam/Getty
© Marcus Yam/Getty

Dramatische Dürreperiode im Krisengebiet: Wenn bei 53 Grad das Trinkwasser knapp wird

Nachts wird es selten kühler als 30 Grad, Stromausfälle legen Pumpstationen lahm, Regen bleibt aus: Die Wassernot im Nahen Osten ist groß, die Spannung steigt.

Eine Hitzewelle im Nahen Osten lässt in einigen Regionen das Wasser knapp werden. Seit Wochen werden im Iran, im Irak und auf der arabischen Halbinsel regelmäßig bis zu 53 Grad gemessen, nachts sinkt das Thermometer nur selten unter 30 Grad.

Stromausfälle legen Pumpstationen lahm, und mancherorts ist in den vergangenen Monaten der Regen ausgeblieben, so dass Flüsse und Stauseen weniger Wasser liefern, als zur Versorgung der Bevölkerung nötig wäre. Gluthitze und Wassermangel fachen innen- und außenpolitische Konflikte an. Ein Überblick.

Im Iran protestierten seit Mitte Juli Tausende gegen den Wassermangel und die häufigen Stromausfälle. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden oppositionellen Menschenrechtlern zufolge zehn Menschen getötet. Laut Amnesty International schossen Beamte mit scharfer Munition auf Demonstranten. Auch die UN zeigten sich besorgt über die Gewalt.

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Begonnen hatten die Unruhen in der ölreichen Provinz Khusestan an der Grenze zum Irak, sie griffen dann aber auch auf andere Landesteile über. Regimegegner werfen der Regierung vor, das Land mit Korruption und Misswirtschaft zu ruinieren. Dagegen sagen die Behörden, die Wasservorräte seien wegen einer ungewöhnlichen Dürreperiode knapp geworden. Zudem leidet der Iran unter amerikanischen Wirtschaftssanktionen.

Streit zwischen Türkei und Irak um Stauseen

Auch im benachbarten Irak gehen die Menschen seit Wochen auf die Straße. Demonstranten in Basra im Süden des Landes und in der Hauptstadt Bagdad protestieren gegen die langen Stromausfälle, die mitten in der Sommerhitze die Klimaanlagen und die Wasserversorgung lahmlegen.

Obwohl der Irak zu den ölreichsten Ländern der Welt gehört, hat der Staat es nach den Zerstörungen durch die US-Invasion von 2003 nicht geschafft, das Stromnetz und andere wichtige Teile der Infrastruktur zu modernisieren.

Ein drastischer Rückgang der Niederschläge beim nördlichen Nachbarn Türkei schafft weitere Probleme: Die biblischen Ströme Euphrat und Tigris, die in der Türkei entspringen und deren Wasser im Irak für die Versorgung von Millionen Menschen genutzt wird, führen weniger Wasser als in früheren Jahren.

Irakische Behörden werfen der Türkei zudem vor, Wasser aus den beiden Strömen in Stauseen zurückzuhalten; Ankara weist dies zurück. Verschärft wird die Lage durch einen Streit mit dem Iran, der den Irak mit Strom und mit Gas zur Stromerzeugung versorgt. Laut Medienberichten schuldet der Irak dem Nachbarn vier Milliarden Dollar für die Energie-Importe - deshalb stellten die Iraner vor einigen Wochen die Lieferungen vorübergehend ein.

Die Wasserversorgung im Libanon könnte zusammenbrechen

Ähnliche Probleme gefährden die Wasserversorgung im Libanon. Der Staat hat kaum noch Geld, um Energie-Einfuhren zu bezahlen. Deshalb gingen in den vergangenen Wochen zwei Kraftwerke vorübergehend vom Netz. Die Stromausfälle von bis zu 22 Stunden pro Tag und der Geldmangel zwangen Wasserwerke zur Rationierung der Wassermengen für Privathaushalte.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnt, die Wasserversorgung im Libanon könne innerhalb von vier bis sechs Wochen komplett zusammenbrechen. Zusätzliche Gefahr droht durch einen Waldbrand, der sich seit Tagen im Norden des Landes ausbreitet. Das Feuer sei riesig und nähere sich besiedelten Gebieten, sagte Landwirtschaftsminister Abbas Mortada der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag.

Massive Wasserknappheit in Syrien

Im Nordosten von Syrien gibt es ebenfalls Streit ums Wasser. Die UN schlugen vor kurzem Alarm, weil die Pumpstation Alouk an der Grenze zur Türkei ausgefallen war. Die Station pumpt normalerweise Grundwasser in einen Stausee, der die syrische Stadt Al-Hasakah versorgt.

Doch Alouk arbeitet nicht mehr. Bis zu einer Million Menschen seien betroffen, erklärte Unicef. Die Bewohner der Gegend werden notdürftig mit Wasser aus Tanklastwagen versorgt. Die Probleme mit Alouk begannen im Jahr 2019: Damals marschierten türkische Truppen und verbündete Milizen in den Nordosten Syriens ein, um die Kurdenmiliz YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben.

[Mehr zum Thema: Dramatische Dürre im brasilianischen Pantanal - „Ich dachte, ich würde schmelzen“ (T+)]

Alouk steht seitdem unter türkischer Kontrolle, doch der Strom für die Pumpstation kommt aus dem nahen YPG-Gebiet. Die Kurden werfen der Türkei vor, Alouk immer wieder abzuschalten und so die Bevölkerung der Gegend zu erpressen. Die Regierung in Ankara macht dagegen die YPG und das Regime in Damaskus für die Unterbrechung der Stromversorgung für Alouk verantwortlich.

Ägypten, Sudan und Äthiopien streiten um das Wasser des Nils

Ägypten und der Sudan befürchten, dass das Wasser im Nil knapp wird, weil Äthiopien am Blauen Nil einen riesigen Stausee für ein Wasserkraftwerk füllt. Das Reservoir hinter dem vier Milliarden Dollar teuren „Großen Damm der Äthiopischen Wiedergeburt“ soll mit 74 Milliarden Kubikmetern Nilwasser gefüllt werden und Strom für die äthiopische Wirtschaft liefern. Doch für Ägypten, ein Land mit 100 Millionen Menschen, ist der Nil die einzige Quelle von Trinkwasser; der Sudan befürchtet, dass weniger Wasser im Nil die eigenen Wasserkraftwerke lähmen könnte.

Beide Länder werfen der Regierung in Addis Abeba vor, ihre Interessen zu ignorieren. Nun hat Äthiopien den Stausee so weit gefüllt, dass zwei der insgesamt 13 Turbinen in den kommenden Monaten mit der Stromerzeugung beginnen können.

Verhandlungen zwischen den drei Staaten sind gescheitert. Ägypten hat mehrmals mit Krieg gedroht. Vor einigen Monaten veranstalteten die Militärs von Ägypten und dem Sudan ein gemeinsames Manöver – eine Warnung an Äthiopien, die vom Namen der Übung unterstrichen wurde: Das Manöver hieß „Wächter des Nils“.

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