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Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) 2018 bei einem Termin in Tremmen.
© Ottmar Winter

Fotoausstellung zu Brandenburgs Ministerpräsidenten: Mensch, Dietmar

Eine Ausstellung der Fotokünstler Angelika und Bernd Kohlmeier in der Landeszentrale für politische Bildung zeigt Ministerpräsidenten in privaten Momenten.

Potsdam - Erstes Foto: Der Tross aus Personenschützern und Pressevertretern schiebt sich durch die Tremmener Dorfstraße. Dietmar Woidke mittendrin, nicht zu übersehen mit seinen 1,96 Metern. Zweites Foto: Kurzvisite im Dorfmuseum. Nach einer Viertelstunde bricht der Begleiter der Staatskanzlei das Kaffeekränzchen ab, für das sich die Frauen vom Museumsverein so viel Mühe gegeben haben mit selbstgebackenem Bienenstich. 

Das überdimensionale Bild an der Wand zeigt das nicht. Wohl aber, wie Woidke und die Gesprächspartner am Tisch sitzen, während die Frauen am Rand stehen, nicht aufgefordert wurden, sich dazu zu setzen. Juni 2018. Es läuft nicht für Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und seine SPD, die Umfragewerte ein Jahr vor der Landtagswahl sind schlecht wie nie. Und nun enttäuscht er auf seiner „Heimattour“ durchs Havelland auch noch die Tremmener Vereinsfrauen. 

Doch dann das dritte Bild, ein Porträt, entstanden bei diesem Termin in Tremmen vor vier Jahren. Woidke schaut kameravergessen in die Weite, ein leichtes Schmunzeln umspielt seine Mundwinkel. Kein staatsmännischer Blick ist das, sondern ein Augenblick des Luftholens außerhalb des Protokolls. Womöglich – man weiß es nicht, kann es nur hineininterpretieren – genießt er einfach kurz die Sonnenstrahlen an diesem heißen Junitag und denkt einen Atemzug lang nicht an miese Umfragewerte und Termindruck. 

Acht Jahre lang begleitete das Fotografenpaar elf Ministerpräsidenten in sieben Bundesländern 

Angelika Kohlmeier hat diesen privaten, fast intimen Moment eingefangen und Schwarz auf Weiß konserviert. Einen Moment, „wo er bei sich selbst zu sein scheint, eine Sekunde, in der er alles ausblendet“, erklärt die Fotokünstlerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Kohlmeier führt sie in Berlin das „studio kohlmeier“ und hat acht Jahre lang elf Ministerpräsidenten von sieben Bundesländern mit der analogen Kamera begleitet. 

Entstanden ist eine Dokumentation der Arbeit der Landeschefs an teils skurrilen Orten, die immer auf der Suche ist nach diesem Kurzblick hinter die Fassade des Berufspolitikers. „Landesfürst*In. Mensch und Amt“ heißt die Ausstellung, die am Mittwoch (4.5.) in der Landeszentrale für politische Bildung auf dem Gelände der Potsdamer Staatskanzlei eröffnet wird. 

Markus Söder sagte ab 

Zu sehen sind 42 analoge Schwarz-Weiß-Handvergrößerungen, die nur für die Schau entstanden sind. Sachsens früherer Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), wie er in George-Clooney-Manier an einem Espresso schnuppert, nachdem er sich von einem offiziellen Termin abgeseilt hat. Sein Nachfolger und Parteikollege Michael Kretschmer verschwitzt mit hochgestelltem Kragen wie der Sänger einer Boygroup – solche Bilder entstehen nur, wenn die Fotografierten „Mut und Selbstvertrauen haben“, erklärt Bernd Kohlmeier, „man keinen Raum lässt für Eitelkeiten“. 

Nicht alle Staatskanzleien ließen das zu. Aus Bayern etwa sei eine Absage für das Projekt gekommen, sagt Angelika Kohlmeier, die selbst aus München stammt. „Markus Söder würde es niemals aushalten, die Kontrolle abzugeben“, meint sie. Denn die Politiker durften die Fotos vor Veröffentlichung nicht sehen. 

Ein eigener Raum für Brandenburg-Bilder 

Den drei märkischen SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe, Matthias Platzeck und Dietmar Woidke ist ein eigener Brandenburg-Raum vorbehalten. Platzeck, von 2002 bis 2013 Regierungschef, ist abgelichtet beim Besuch des damals größten Windrads am 7. März 2013 in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) und – das ist dann der persönliche Moment – bei einem Gespräch mit Schülern am selben Tag in Lübbenau. Die eine Hälfte seines Gesichts liegt im Schatten. 

Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in der Lausitz.
Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in der Lausitz.
© Ottmar Winter

Bei Manfred Stolpe, Brandenburgs erstem Ministerpräsidenten nach der Wende, der 2019 verstarb, gibt es diesen ungekünstelten Moment nicht. Weil das Fotoprojekt zu seiner Amtszeit noch nicht lief. In der Schau verewigt ist er trotzdem. Angelika Kohlmeier hat ihn 2001 fotografiert, während einer Sitzung des Vermittlungsausschusses im Bundesrat. Das Foto – Stolpe lacht, sich der Kamera gewahr, druckreif in die Linse – ist ein gewollter Kontrast zu allen anderen, intimeren Politikeraufnahmen. 

Manfred Stolpe (SPD) 2001 im Bundesrat.
Manfred Stolpe (SPD) 2001 im Bundesrat.
© Ottmar Winter

Kunst gepaart mit politischer Bildung 

„Ein Ministerpräsident ist ein Mensch, der auch eine verletzliche Seite hat, und kein Roboter“, das wolle man mit der Ausstellung zeigen, erläutert Martina Weyrauch, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung. „Die werden von uns bezahlt, also haben sie zu funktionieren“ – diese Denke bringe nicht weiter. „Dieses Land ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern das, was wir alle daraus machen.“ 

Deshalb will die Ausstellung Fotokunst und politische Bildung verknüpfen. Schautafeln vermitteln nicht nur Biografie und politische Stationen der Brandenburger Landesfürsten, sondern bringen Besuchern auch deren Alltag nahe. Grundgehalt im Monat: 15 000 Euro. Mitarbeiter der Staatskanzlei: etwa 180. Personenschützer: mindestens drei. Autokilometer pro Jahr: 100 000. Durchschnittliche Arbeitszeit: 7 bis 22 Uhr. „Wenn es gut läuft, liegt der Ministerpräsident kurz nach Mitternacht im Bett. Er liest noch ein Buch und bekommt dann einige Stunden Schlaf“, heißt es über den Mensch Dietmar Woidke.  

Vernissage am Mittwoch (4.5.) um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis 14. Oktober zu sehen, montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr und dienstags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. 

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