zum Hauptinhalt
Für rund 24 000 Brandenburger Erstklässler beginnt am Montag das Schulleben.
© Robert Michael/dpa

Start des neuen Schuljahres: Ohne Masken und mit vielen Seiteneinsteigern

Corona, Lehrermangel, Aufnahme geflüchteter Kinder und Digitalstau: Wie Brandenburgs Schulen für das neue Schuljahr gerüstet sind.

Potsdam - Am Montag beginnt für rund 303 000 Kinder und Jugendliche in Brandenburg das neue Schuljahr, darunter sind circa 24 000 Erstklässler. Die PNN geben einen Überblick über die Situation an den Schulen. 

CORONA-MASSNAHMEN 

Das neue Schuljahr starte „mit so viel Normalität wie möglich“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Die Schulen unterrichten im Regelbetrieb und bei voller Stundenzahl. Schüler müssen wieder so viele Klausuren schreiben wie vor der Lockdown-Phase, die Reduzierung des Umfangs wird aufgehoben. Schüler und Lehrer müssen weder Masken tragen noch Abstand halten. „Die Einschränkungen für Kinder wurden seinerzeit beschlossen, um Erwachsene zu schützen. Nun sind sie nicht mehr verhältnismäßig, weil es die Möglichkeit zur Impfung gibt“, so Ernst. Die ersten Tage nach den Ferien sind in Brandenburg allerdings eine „Schutzwoche“. Das heißt, Schüler und Schulmitarbeiter, die weder geimpft noch von Covid genesen sind, müssen vor Betreten der Schule an drei Tagen einen negativen Corona-Selbsttest vorlegen. Die Tests stellen die Schulen bereit. 

NEUEINSTELLUNGEN VON LEHRERN 

Zum neuen Schuljahr wurden nach Angaben des Bildungsministeriums bereits 1322 Lehrkräfte unbefristet eingestellt, davon 340 vom Staatlichen Schulamt in Brandenburg/Havel, das auch für Potsdam und Potsdam-Mittelmark zuständig ist. Die meisten neuen Lehrkräfte werden landesweit an den Grundschulen eingesetzt, insgesamt 483. Mit den Neueinstellungen (darunter sind auch 38 Erzieher, Heilpädagogen oder ähnliche Berufsgruppen) wird der Weggang von rund 1000 Lehrern, zum Beispiel wegen Ruhestand oder Wegzug, kompensiert. Die Schulen seien „gut ausgestattet“, so Ernst. 60 verbindliche Zusagen von Lehrern, die einen Vertrag bekommen sollen, lägen vor. Lehrkräfte würden zudem fortlaufend das ganze Jahr über eingestellt, wenn Lücken durch Krankheit oder Elternzeit entstehen. Die Zahl unbesetzter Stellen liegt immer bei rund zwei Prozent, „wie in jedem Unternehmen“. Das Durchschnittsalter der neu eingestellten Lehrer liegt bei 37,9 Jahren, knapp 70 Prozent sind Frauen. 

KONKURRENZ MIT ANDEREN LÄNDERN

Der Wettbewerb unter den Bundesländern um Lehrkräfte ist in vollem Gange. Berlin hat nach vielen Jahren die Verbeamtung von Lehrkräften wieder eingeführt, die in Brandenburg schon lange Usus ist. Bislang habe sich die Verbeamtung in Berlin nicht negativ auf die Lehrersuche in der Mark ausgewirkt, so Ernst. Allerdings ist die Zahl der Berliner, die direkt aus dem Vorbereitungsdienst übernommen und in Brandenburg eingestellt wurden, gesunken. Zum neuen Schuljahr sind es bislang 15, in den beiden Schuljahren zuvor waren es jeweils 20, 2019/20 sogar 40 Berliner. 

SEITENEINSTEIGER

Ohne eine Vielzahl von Seiteneinsteigern, die kein klassisches Lehramtsstudium durchlaufen haben, geht auch im neuen Schuljahr nichts. Von den 1322 unbefristeten Neueinstellungen entfallen 387 auf Seiteneinsteiger, das entspricht 30,1 Prozent. 2021 waren es nur 20,9, in den beiden Jahren zuvor mit 32,5 und 32,6 Prozent aber schon einmal mehr. Von den insgesamt rund 215 00 Lehrkräften an öffentlichen Schulen sind mittlerweile rund 14,8 Prozent Quereinsteiger. 
Diese seien sehr ungleich verteilt, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Dannenberg, am Donnerstag. An einigen Schulen betrage der Anteil der Seiteneinsteiger fast 50 Prozent. Brandenburg starte insgesamt mit „zu wenig Lehrern und zu vielen Seiteneinsteigern“ ins neue Schuljahr, kritisierte die Oppositionspolitikerin. 
Nach einer Vereinbarung mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will das Land wie berichtet Seiteneinsteigern mit Bachelorabschluss die Möglichkeit zur Verbeamtung geben. Der entsprechende Gesetzentwurf werde derzeit erarbeitet, so Ernst. 

SCHÜLER AUS DER UKRAINE

Vor den Sommerferien waren rund 4500 ukrainische Schüler:innen in Brandenburg gemeldet. Die aktuelle Zahl werde nach Start des Schuljahres erhoben, so das Ministerium. 108 ukrainische Lehrkräfte wurden bislang für das aktuelle Schuljahr zunächst befristet eingestellt. Insgesamt wurden für das neue Schuljahr 1000 Lehrer befristet eingestellt, unter anderem um die Beschulung der ukrainischen Kinder zu gewährleisten, aber auch um das Programm „Aufholen nach Corona“ umsetzen zu können. 

SCHULNETZ

Die Zeiten der Schulschließungen wegen zurückgehender Schülerzahlen sind in Brandenburg lange vorbei. Im neuen Schuljahr gibt es insgesamt 930 Schulen, darunter 742 in öffentlicher und 188 in freier Trägerschaft. Sechs staatliche Schulen kommen neu hinzu, darunter ein Potsdamer Gymnasium, für das an der Pappelallee ein Gebäude errichtet wird und zunächst im Haus des Oberstufenzentrums I in der Jägerallee untergebracht wird. Drei genehmigte Ersatzschulen nehmen am Montag den Unterricht auf, unter anderem die Evangelische Grundschule in Werder (Havel). 

DIGITALISIERUNG

Bei dem am Mittwoch vorgestellten „Bildungsmonitor 2022“ der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) landete Brandenburg im Länderranking auf dem letzten Platz. Die Digitalisierung an den Schulen schreite gut voran, meint hingegen Ernst. Rund 42 500 mobile Endgeräte für Schüler:innen seien in den zurückliegenden zwei Jahren – zusätzlich zu bereits vorhandenen Geräten – unter anderem mit Mitteln des Digitalpakts Schule des Bundes und des Corona-Rettungsschirms des Landes angeschafft worden. 713 Schulen im Land arbeiteten inzwischen mit der vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelten Schulcloud. Es gehe aber nicht nur um die Technik, betonte Ernst. Das Ministerium plant einen Wettbewerb: Die drei besten Brandenburger Schulen, die die Digitalisierung vorbildhaft für den Unterricht einsetzen, sollen ausgezeichnet werden. 

Eine Spezialistin für diesen Bereich hat im Mai in Brandenburg ihren Job angetreten: Katharina Scheiter hat wie berichtet die vom HPI finanzierte Stiftungsprofessur für „Digitale Bildung“ an der Universität Potsdam angetreten. Man freue sich sehr darüber, so Ernst. Konkrete Projekte mit der neuen Expertin gebe es zum Schuljahresstart aber noch nicht. 

Zur Startseite