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ÄNDERUNGEN AB 2012: Wer ist die Ostdeutsche Eisenbahn? Ostdeutsche Eisenbahn legt die Hälfte der Züge still
Auch Prignitzer Firma von Anordnung der Aufsichtsbehörde betroffen
Stand:
ZÜGE
Noch fahren die markanten rotlackierten Züge der RE 2 von Stendal über Spandau, Zoo, Hauptbahnhof und weiter nach Cottbus. Ab 2012 könnte sich dies ändern: Dann übernimmt vermutlich die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft ODEG den Betrieb auf dieser Strecke. In Zukunft werden wohl gelb-grün-weiß lackierte Züge durch die Innenstadt rollen. Allerdings muss die ODEG neue Züge anschaffen: Denn laut Ausschreibung müssen auf der Strecke Doppelstock-Wagen eingesetzt werden. Sie sollen von Stadler in der Schweiz gebaut werden und sich damit von den Fahrzeugen der Bahn AG unterscheiden, die Wagen von Bombardier einsetzt.
FUHRPARK
Der Konzern, der je zur Hälfte der Hamburger Hochbahn und der Prignitzer Eisenbahn gehört, hat seit fast fünf Jahren 23 Fahrzeuge in Berlin-Brandenburg stationiert – bisher alles Dieseltriebwagen. Sie fahren von Berlin – in der Regel vom Bahnhof Lichtenberg – nach Werneuchen, Bad Saarow oder auch Frankfurt/Oder. Nach eigenen Angaben hat die ODEG in der Region 120 Mitarbeiter, mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind es fast doppelt so viele.
FAHRPREISE
Für die Fahrgäste ändert sich nichts: Sie zahlen den Tarif des Verbundes Berlin-Brandenburg (VBB).PNN
Berlin - Nach der S-Bahn in Berlin hat es jetzt auch Nebenbahnen in Brandenburg erwischt: Das aufsichtsführende Eisenbahn-Bundesamt hat am späten Montagabend wegen Sicherheitsbedenken bundesweit Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen lassen, so dass am Dienstag der Betrieb erheblich eingeschränkt worden war, was auch für die nächsten Tage gelten wird. Betroffen sind in der Region die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG) und die Prignitzer Eisenbahn.
Nach mehreren Bränden von sogenannten Regioshuttle-Fahrzeugen ordnete das Eisenbahn-Bundesamt an, dass die Abgasturbolader dieser Züge sofort durch fabrikneue ersetzt werden müssen, wenn die Bahnen mehr als 360 000 Kilometer zurückgelegt haben. Wurden gebrauchte Geräte eingebaut, müssen bereits nach 180 000 Kilometern neue Turbolader eingebaut werden.
Betroffen ist vor allem die Ostdeutsche Eisenbahn, die Nebenstrecken östlich von Berlin befährt. Sie musste die Hälfte ihrer 23 Fahrzeuge aus dem Betrieb nehmen. Alle Züge verkehrten deshalb nur mit einem Fahrzeug; im Normalbetrieb werden zu Hauptverkehrszeiten auch Züge mit zwei Triebwagen gebildet. Ersatzverkehr mit Bussen gab es auf der Strecke Fürstenwalde–Bad Saarow. Ausgefallen sind die Fahrten zwischen Königs Wusterhausen und Schöneweide.
Auch die Prignitzer Eisenbahn setzte gestern auf der Strecke von Templin nach Berlin-Lichtenberg nur noch einen Zug ein; alle zwei Stunden fährt dort ein größeres Fahrzeug der Bahn AG. Auf den Nebenstrecken in der Prignitz waren wieder alte Schienenbusse unterwegs.
In den vergangenen Jahren hat es nach Angaben des Bundesamtes bei zehn Fahrzeugen Brände gegeben, die sich zuletzt gehäuft hätten. Auch am Montagabend mussten Fahrgäste in Hohenschönhausen einen Triebwagen dieser Baureihe der Prignitzer Eisenbahn verlassen, weil Rauch festgestellt worden war. Die Ursache hierfür sei noch nicht geklärt, sagte Unternehmenssprecherin Longina Becken.
Völlig ausgebrannt war dagegen am 16. Juni ein Triebwagen im Bahnhof Nassenheide. Ein angekuppeltes Fahrzeug wurde schwer beschädigt. 20 bis 30 Fahrgäste konnten den Zug rechtzeitig verlassen. Eine weitere Bahn eines anderen Unternehmens hatte dann am 24. Juni in Tübingen Feuer gefangen.
Nachdem klar geworden sei, dass stets ein Schaden im Abgasturbolader, in dem sich Öl entzündet hatte, die Ursache der Brände gewesen sei, habe man angeordnet, die Geräte nach 360 000 Kilometern auszutauschen, sagte der Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes, Ralph Fischer.
Die Prignitzer Eisenbahn hatte laut Sprecherin Becken nach dem Brand in Nassenheide begonnen, die Abgasturbolader auszutauschen, weil man einen Defekt dort als Ursache des Feuers nicht ausgeschlossen habe. Gestern ging ein Fahrzeug mit neuer Anlage wieder in Betrieb, bei zwei weiteren stehe der Austausch noch bevor. Auch die ODEG hatte den Austausch nach dem Brand in Tübingen bereits vorbereitet, sagte Sprecher Jörg Kiehn. Ein Austausch sei nach den Betriebsvorschriften bisher nicht vorgesehen gewesen.
Heute sollen wieder 15 Züge im Einsatz sein, so dass auf Ersatzverkehr verzichtet werden könne. Beide Unternehmen hoffen, bis Ende der Woche Normalbetrieb anbieten zu können. Klaus Kurpjuweit
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