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Ursache unbekannt. Ein Polizeibeamter steht vor dem nach einem Feuer am 11. August beschädigten Neubau der Meylana-Moschee in Kreuzberg. Nach neuesten Erkenntnissen kann Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

© dpa

Brandenburg: „Wir wurden mit unserer Trauer allein gelassen“

Hunderte Menschen trafen sich vor der Berliner Mevlana-Moschee, die nun doch Ziel eines Brandanschlags gewesen sein könnte. Nun ermittelt eine Sonderkommission der Polizei

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Zum Freitagsgebet versammelten sich Hunderte Menschen am Kottbusser Tor und beteten auf der Skalitzer Straße in Kreuzberg. Der Andrang war so groß, dass die etwa 600 Männer und 100 Frauen auf der Straße Platz nehmen mussten. Auf Bitten der Gemeinde sperrte die Polizei die Straße für den Verkehr. Prediger Ismail Altin, der auf Deutsch redete, sprach den möglichen Brandanschlag auf seine Moschee zwar nicht direkt an, zeigte sich aber erschüttert darüber, dass es solche Attacken immer wieder gebe. Der Hintergrund sei Rassismus, und dieser sei das Ergebnis von Unwissenheit, sagte Altin. Er rief alle Muslime dazu auf, nicht nur als Opfer in die Wahrnehmung zu rücken, sondern durch Arbeiten und gute Taten.

Nach dem Freitagsgebet gab es eine Pressekonferenz im Hof der Moschee vor den rußgeschwärzten Fassaden. Dabei sprach Altin vom „größten Anschlag auf eine Moschee in Deutschland bisher“. Von Berlins Politikern ist der Geistliche enttäuscht: „Wir wurden mit unserer Trauer allein gelassen.“ Auch Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats, zeigte sich traurig, dass die Politik kaum Anteilnahme gezeigt habe. „Es genügt nicht, immer Politiker mit migrantischen Wurzeln zu schicken.“ Und weiter: „Wir vertrauen aber auf den Rechtsstaat. Und hoffen, dass dieser Anschlag wachsam macht.“ Auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Bündnis 90/Grüne) war beim Freitagsgebet dabei: „Wir hatten bei ersten Gesprächen gehofft, es sei kein Brandanschlag. Ich bitte alle Seiten, jetzt keine Verschwörungstheorien zu entwickeln und auf die Ergebnisse der Ermittlungen zu vertrauen.“

Diese liegen nun in den Händen einer Sonderkommission (Soko). Nach Polizeiangaben wurde am Freitag eine „Ermittlungsgruppe Skalitzer Straße“ gebildet. Diese solle herausfinden, „ob die brennbare Flüssigkeit vorsätzlich zur Brandlegung benutzt wurde oder durch einen technischen Defekt oder fahrlässige Handhabung in Brand geriet“, teilte das Präsidium mit. „Ziel sei die schnelle und gesicherte Aufklärung der Brandursache“, hieß es weiter. Die Soko besteht aus sieben Beamten, zum Teil Staatsschützer, zum Teil Brandermittler.

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte am Freitag sofort reagiert: Seine Stellungnahme kam vier Minuten nach der Mitteilung des Präsidiums, dass es sich doch um eine geplante Tat handeln könnte. „Wenn nur der Verdacht besteht, dass es sich um eine vorsätzliche Brandstiftung handeln könnte, muss dies dringend aufgeklärt werden“, sagte Henkel. Er kündigte an, dass „weiterhin mit dem gebotenen Nachdruck und hoher Sensibilität“ ermittelt werde. Mit der Soko werde „diese Arbeit noch einmal intensiviert“. Die Staatsanwaltschaft war bis Freitagnachmittag allerdings nicht in die Ermittlungen eingebunden – was in der Behörde auf Unverständnis stieß. „Wir wissen davon nur aus den Medien“, ätzte ein Oberstaatsanwalt. Formal sei es zwar in Ordnung, dass die Polizei allein ermittele, dennoch sei es angesichts der möglichen Tragweite befremdlich, wie der Oberstaatsanwalt sagte.

Wie berichtet wird die Mevlana-Moschee derzeit umgebaut. Im Hinterhof war Baumaterial in Brand geraten, das auf Holzpaletten lagerte. Das Feuer griff auf den dreigeschossigen Rohbau über. 90 Feuerwehrleute hatten nach einer Stunde das Feuer gelöscht. Verletzt wurde niemand. Am Dienstag besuchte der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu die Moschee.

Nach Angaben eines leitenden Ermittlers sei die Bandbreite möglicher Täter groß – wenn es denn eine vorsätzliche Brandstiftung war. Neben Rechtsextremisten seien selbst Israel-Unterstützer oder ein verwirrter Einzeltäter denkbar. Ein solcher hatte monatelang zwischen Juni 2010 und Januar 2011 ein Dutzend Anschläge auf verschiedene Moscheen verübt. So hatte er vor der Sehitlik-Moschee einen Kanister mit Benzin ausgekippt, in Wilmersdorf hatte er eine Sprengvorrichtung ausgelöst. Er war 2011 zu knapp drei Jahren Haft verurteilt worden und kam in die Psychiatrie. Dem Vernehmen nach ist der Mann immer noch dort untergebracht. Der damalige Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte über den Täter gesagt, dass nicht Ausländerhass, sondern „Drang nach Aufmerksamkeit“ das Motiv war – was von muslimischer Seite kritisiert wurde. Andrea Dernbach, Jörn Hasselmann

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