zum Hauptinhalt
Projekt Wiederbelebung. Auf dem Hof hinter dem Dorfkrug wohnen zwei Esel und viele andere Tiere.
© Andreas Klaer

Förderung für ländlichen Raum in Potsdam: Neues Leben für Grubes Dorfkrug

Die Bauerei Grube betreibt die einstige Gaststätte als offenen Bauernhof und will 150 000 Euro in den Ausbau investieren. Klassische Gastronomie ist nicht geplant.

Von Erik Wenk

Potsdam - Als 2009 der Dorfkrug „Krause“ geschlossen wurde, war das ein herber Verlust für Grube: Die traditionsreiche Gaststätte mit dem großen Tanzsaal, die erstmals im Jahr 1894 erwähnt wurde, war der unumstrittene soziale Treffpunkt des kleinen Potsdamer Ortsteils im Norden, in dem heute rund 440 Menschen leben. Bald könnte jedoch wieder dauerhaft Leben einkehren im ehemaligen Dorfkrug – denn die Bauerei Grube, der das Haus nun gehört, will es für 150 000 Euro barrierefrei umbauen. Geplant ist, öffentlich nutzbare Toiletten und barrierefreie Gebäudezugänge ein- sowie das Dachgeschoss auszubauen. Die Mittel kommen aus dem EU-Programm „Leader“ zur Förderung des ländlichen Raums.

„Es gibt leider keinen richtigen Dorfmittelpunkt in Grube, wir wollen das gerne wieder anbieten“, sagt Mathias Peeters. Der 60-jährige Landwirt mit niederländischen Wurzeln ist Mitgründer der Bauerei Grube, die auf dem Gelände Gemüse anbaut, Tiere hält und pädagogische Projekte durchführt. Mit dem Umbau soll vor allem der Tanzsaal wieder zugänglicher für die Öffentlichkeit werden, eine klassische Gastronomie ist jedoch nicht geplant.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Potsdam und Brandenburg live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die sie hier für Apple und  Android-Geräte herunterladen können.]

Vor Corona gab es pro Monat eine Veranstaltung im Tanzsaal

Tatsächlich stellte die Bauerei den Saal und auch den Hof in den vergangenen Jahren immer wieder für verschiedenste Veranstaltungen zur Verfügung: Hochzeiten, Geburtstage, Seminare, Theaterproben und -aufführungen, Tanzkurse, Ausstellungen, Kino, Fridays For Future-Treffen oder Schulprojekte. „Vor Corona hatten wir etwa eine Veranstaltung pro Monat“, sagt die 45-jährige Lene Waschke von der Bauerei. Zu Wahlterminen wurde der Saal zum Wahllokal umfunktioniert, auch der Ortsbeirat nutzte ihn für Sitzungen. Hinzu kamen das jährliche Dorffest, das Erntedankfest und das Mittsommer-Fest, für die die Bauerei immer wieder die Hoftore öffnete. „Das war auch immer ein Wunsch im Dorf“, sagt Waschke.

All dies soll nach dem Umbau noch besser möglich sein als zuvor. Seitdem Peeters den alten Dorfkrug 2014 erworben hatte, sind der Tanzsaal und die ehemalige Kneipe im Grunde so geblieben, wie sie damals waren, nur dass sie jetzt hauptsächlich als Wohnzimmer genutzt werden. „Wir sind mit den Architekten im Austausch, bis Februar müssen wir eine konkrete Projektskizze abliefern“, sagt Peeters. Im Laufe des nächsten Jahres soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, bis Ende 2023 müssen sie laut Förderrichtlinien abgeschlossen sein.

"Gummistiefel-Bibliothek" - so heißt dieses Regal, an dem sich große und kleine Besucher:innen der Bauerei ausstatten können.
"Gummistiefel-Bibliothek" - so heißt dieses Regal, an dem sich große und kleine Besucher:innen der Bauerei ausstatten können.
© Andreas Klaer

Solidarische Landwirtschaft und Lernort für Kinder

In erster Linie ist die Bauerei ein Bio-Bauernhof: 13 Hektar des Geländes werden landwirtschaftlich nach dem Prinzip der „SoLaWi“ (Solidarische Landwirtschaft) genutzt. Die Bewirtschaftung geschieht dabei nicht nur durch die Besitzer:innen des Landes, sondern durch eine größere Gruppe externer Teilnehmer:innen, die regelmäßig zu Arbeitseinsätzen vorbeikommen und dafür einen Teil der Ernte mit nach Hause nehmen kann. Mittlerweile engagieren sich rund 150 Menschen auf diese Weise bei der Bauerei, die nach wie vor nach neuen Mitgliedern sucht.

Auf dem Hof gibt es auch zwei Esel, drei Truthähne, 20 Hühner, zwei Katzen und einen Hund. Die Nutztiere werden jedoch nicht aus kommerziellen, sondern aus pädagogischen Gründen gehalten, damit Kinder und Jugendliche erfahren können, wie das Leben auf einem Bauernhof aussieht. „Die Landwirtschaft ist ein großer Erfahrungsraum, aber vielen Menschen fehlen diese Erfahrungen mittlerweile“, sagt Peeters. Bereits 2008 rief er die „Jugendschule am Schlänitzsee“ ins Leben, wo er in Zusammenarbeit mit der Montessorischule Potsdam pädagogische Projekte zu den Themen Ernährung, Landwirtschaft und Naturpädagogik anbot. Derzeit arbeitet die Bauerei regelmäßig mit drei Schulen zusammen. „Jeder Schule ihren Acker!“, formuliert Waschke, die selbst Lehrerin ist, das gemeinsame Motto. Durch die Jugendschule, die bis heute besteht, hatten sich Peeters und Waschke damals kennengelernt. „Kinder brauchen mehr Erfahrungsräume in der freien Natur, das ist eine Kernmotivation von uns“, sagt Peeters. „Mensch und Feld gehören zusammen.“

Unscheinbar: Der ehemalige Dorfkrug wurde erstmals im Jahr 1894 erwähnt.
Unscheinbar: Der ehemalige Dorfkrug wurde erstmals im Jahr 1894 erwähnt.
© Andreas Klaer

Auch ein Hof-Café und ein Hof-Laden könnten in Zukunft entstehen

Peeters und Waschke öffnen ihre Türen gerne für die Öffentlichkeit: „Wir sehen uns mit dieser Bewirtschaftung in der historischen Tradition der Dorfmitte“, sagt Waschke. Wie das aussieht, kann man immer donnerstags ab 15 Uhr beim „Offenen Bauernhof“ erleben: Dann kommen viele SoLaWi-Familien vorbei und holen ihr Gemüse für die Woche ab, es gibt Kaffee und die Kinder des Ortes dürfen nach Herzenslust auf dem weitläufigen Gelände herumstreunen, in den Ställen die Esel füttern oder die Hühnereier aus den Nestern holen. „So entwickelt sich hier eine Gemeinschaft um die Landwirtschaft herum“, sagt Waschke.

Für die Zukunft haben Peeters und Waschke noch viele Pläne: ein Hof-Café, einen Hof-Laden und vielleicht sogar eine eigene Bäckerei. Auch Schafe und eine mobile Hühnerhaltung stehen auf dem Wunschzettel. Noch mehr Gemüse anbauen wollen sie aber nicht: „Wenn wir wachsen, dann um vielseitiger zu werden, nicht größer“, sagt Peeters.

Zur Startseite