• Berliner Tennis-Turniere im Juli vor Fans: Fiebermessen für Zverev, Thiem und Co.

Berliner Tennis-Turniere im Juli vor Fans : Fiebermessen für Zverev, Thiem und Co.

Die beiden Tennis-Turniere im Juli im Steffi-Graf-Stadion und im Hangar 6 des Flughafens Tempelhof dürfen unter strengen Auflagen vor Zuschauern stattfinden.

Das Gras wachsen hören – und sehen. Ab 13. Juli bestreiten im Steffi-Graf-Stadion des LTTC Rot-Weiß internationale Topstars ein Showturnier. Ein Tag nach dem ursprünglichen Finaltag des abgesagten Klassikers von Wimbledon wird damit in diesem Jahr doch noch auf Rasen gespielt – und das sogar vor Zuschauern.
Das Gras wachsen hören – und sehen. Ab 13. Juli bestreiten im Steffi-Graf-Stadion des LTTC Rot-Weiß internationale Topstars ein...Foto: Claudio Gärtner/Imago

Aller Anfang ist extrem. Erstmals seit der Coronavirus-Pandemie und den verhängten Kontaktbeschränkungen dürfen in Deutschland wieder Zuschauer einer Sportveranstaltung beiwohnen. Wenn vom 13. bis 15. Juli im Steffi-Graf- Stadion auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß ein Miniturnier im Tennis stattfindet, können täglich 800 Fans Stars wie Julia Görges, Alexander Zverev oder Dominic Thiem zuschauen.

„Wir haben gestern die Freigabe bekommen, dass wir dort vor Zuschauern spielen dürfen“, erzählte Turnierdirektorin Barbara Rittner am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Beim zweiten Event von Freitag bis Sonntag in der selben Woche im Hangar 6 am Flughafen Tempelhof gehen 200 Tickets in den Verkauf. Dass hier weniger Besucher zugelassen sind, liegt daran, dass es sich bei dem zweiten Mini-Turnier um eine Hallenveranstaltung handelt.

Wer das Glück hat, eines der Tickets zum stolzen Preis zwischen 120 und 150 Euro zu ergattern (Verkaufsstart: 1. Juli, 0 Uhr nur online unter: www.eventimsports.de/ols/bett1ACES), muss allerdings beim Besuch der Veranstaltung einiges über sich ergehen lassen.

Das fängt mit dem Fiebermessen bei der Einlasskontrolle an, geht dann weiter über eine Luftbestrahlung in einem eigens errichteten Hygiene-Tunnel und endet schließlich darin, dass zwischen Sitzen und Sitzreihen Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Und damit nicht genug: „Es wird leider keine Autogramme geben, und auch keinen Kontakt von Spielern und Spielerinnen zu Kindern oder zu Fans“, sagte Rittner.

Die Tickets kosten zwischen 120 und 150 Euro - pro Tag

Angesichts des Starterfeldes ist dies ein Wermutstropfen, auch der für die Karten aufgerufene Preis dürfte so manchen Interessierten abschrecken. Andererseits sind echte Weltstars am Start und es gibt pro Turniertag immerhin vier Matches zu sehen.

Wobei auch die Profis selbst unter besonderer Betreuung stehen. Die Spieler müssen zwei Tage vorher in Berlin eintreffen und werden dann getestet. Nur unter diesen Bedingungen gab es von den Gesundheitsämtern in Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg das Okay.

„Wir haben in der derzeit schwierigen Situation eine große Verantwortung“, sagte Veranstalter Edwin Weindorfer und sprach von einer „Vorreiterrolle“. Bekannt ist, dass nicht alle Tennisspieler den Infektionsschutz zuletzt immer ernstgenommen haben.

Alexander Zverev soll spielen, wenn er denn negativ getestet wird

Bei der Adria-Tour infizierten sich vor wenigen Tagen gleich vier Spieler mit dem Coronavirus, darunter der Weltranglistenerste Novak Djokovic. Auch Zverev und der Österreicher Thiem waren dort am Start und die Bilder, die anschließend um die Welt gingen, bewiesen ein eher gering ausgeprägtes Problembewusstsein bei den Spielern.

Zverev und Thiem wurden zwar negativ getestet, der Deutsche wollte sich anschließend dennoch in Selbstisolation begeben. Ein Video zeigte ihn allerdings in einer vollen Bar, weshalb Kollege Nick Kyrgios ihm „Egoismus“ vorwarf. Auch der Australier ist in Berlin am Start, ein mögliches Duell der beiden auf dem Rasen im Steffi-Graf-Stadion oder später auf Hartcourt in Tempelhof dürfte kein Freundschaftsspiel werden.

Dass Zverev in Berlin antritt, ist allerdings noch nicht final gesichert. Einen Ausschluss seitens der Turnierveranstalter muss der 23-Jährige aber nicht befürchten.

[Behalten Sie den Überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über die aktuellsten Entwicklungen rund um das Coronavirus. Jetzt kostenlos anmelden: checkpoint.tagesspiegel.de.]

Sollte Zverev letztlich nicht starten, steht mit Jan-Lennard Struff ein weiterer Deutscher seit Dienstag offiziell als Fanliebling im Teilnehmerfeld. Dazu gibt Altmeister Tommy Haas in Berlin sein Comeback. Als sechster Spieler bei den Männern ist Jannik Sinner aus Italien dabei.

Bei den Frauen schlagen neben Görges die zweifache Wimbledonsiegern Petra Kvitova aus Tschechien, die Ukrainerin Elina Svitolina, Kiki Bertens (Niederlande), Caroline Garcia aus Frankreich und die Darmstädterin Andrea Petkovic auf.

Seit März ruht der Spielbetrieb auf den internationalen Tennistouren, ab 1. August soll es mit ersten offiziellen Turnieren weitergehen. Ob letztlich dann tatsächlich die Austragung der US Open ab Ende August und später die French Open in Paris ab Mitte September stehen, könnte auch in Deutschland entschieden werden.

Oder wie es Weindorfer ausdrückt: „Da die ganze Tenniswelt zu den Turnieren nach Berlin blicken wird, müssen sich die Teilnehmer und alle Mitarbeiter ihrer Vorbildfunktion bewusst sein.“

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!