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Nach 23 Toren und 26 Vorlagen kommen bei Marcel Noebels in dieser Saison keine weiteren Scorerpunkte aufs Konto.
© Imago

Marcel Noebels zur Absage der Play-offs im Eishockey: „Die Stimmung war fast so, als wäre jemand gestorben“

Eisbären-Nationalspieler Marcel Noebels spricht im Interview über das vorzeitige Saisonende in der Deutschen Eishockey-Liga wegen des Coronavirus.

Von Jörg Leopold

In der Deutschen Eishockey-Liga werden wegen des Coronavirus keine Play-offs ausgespielt. Damit wird es auch keinen Meister geben. Eisbären-Spieler Marcel Noebels spricht über Gründe, finanzielle Belastungen und die Konsequenzen für seinen Verein.

Herr Noebels, wie bewerten Sie die Absage der Play-offs in der Deutschen Eishockey-Liga und das damit verbundene Saisonende?
Wir haben in den vergangenen Tagen ja alle schon mitbekommen, was Sache ist. Nachdem in der Schweiz die Spiele ausgesetzt wurden, hatten wir natürlich die Befürchtungen, dass es hier auch so kommt. Dass wir jetzt nicht spielen, ist sehr bitter für das Eishockey und auch für uns als Eisbären Berlin. Ich denke, wir hätten eine Chance gehabt in dieser Saison. Aber die Entscheidung ist so, wie sie ist. Das ist zwar hart und traurig und die Fans werden sich wie wir sicher in den Hintern beißen. Aber vielleicht ist es doch das Beste für alle.

Im Eishockey ist das Ziel normalerweise immer, das letzte Spiel einer Saison zu gewinnen. Das ist den Eisbären gelungen und trotzdem ist es letztlich nichts wert.
Ich habe noch gar nicht richtig verstanden, was passiert ist. Wir haben uns das ganze Jahr auf diese Play-off-Wochen vorbereitet und uns auf diese Zeit gefreut. Und jetzt stehen wir mit leeren Händen da und haben ab 10. März Urlaub.

Wie hat die Mannschaft die Nachricht am Dienstag aufgenommen?
Wir hatten gestern Abend ein Teamessen. Die Stimmung war fast schon so, als wäre jemand gestorben. So wenig wird bei uns sonst nie gelacht, wir haben alle der Realität ins Auge sehen müssen. Dabei gab es vorher noch ein Motivationsvideo als Einstimmung auf die Play-offs.

Hätten Sie lieber ohne Zuschauer gespielt als gar nicht? So wie das in anderen Sportarten ja passiert.
Play-offs ohne Fans? Ich tue mich ja schon in der Vorbereitung vor 500 Leuten schwer. Ich hätte es trotzdem verstanden. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch kleinere Vereine wie Augsburg, Straubing oder Nürnberg gibt. Die müssen ja Gehälter zahlen. Aber wie soll das gehen, wenn kein Geld durch Zuschauereinnahmen reinkommt. Im Fußball sind die TV-Gelder die Haupteinnahmen, im Eishockey nicht.

Verstehen Sie, warum München nicht zum Meister erklärt worden ist?
Natürlich hat München die beste Hauptrunde gespielt und hatte auch die beste Ausgangsposition für die Play-offs. Ich würde mich aber nicht als Meister sehen, wenn ich bei RB wäre. In den Play-offs kann alles passieren. Ingolstadt ist schon mal von Platz neun aus Meister geworden. Und auf halbem Wege Meister, das würde keiner sagen. Trotzdem Riesenrespekt an München für die tolle Saisonleistung.

Wie geht es denn jetzt weiter bei den Eisbären?
Es wird sicher kein Training mehr geben. Wie nach jeder Saison stehen aber noch medizinische Untersuchungen an und die Einzelgespräche. Ich denke, dass unsere Nordamerikaner dann Richtung Heimat geschickt werden. Es gibt ja auch keinen Grund, sie hier auf heißen Kohlen sitzen zu lassen.

Und Sie persönlich? Als Nationalspieler wäre da ja noch die WM in der Schweiz im Mai...
Ich glaube, die Eishockeysaison ist seit Sonntag beendet. Es wäre auch vernünftig, wenn wir dieses Jahr gar nicht mehr spielen. Wir sind dann auch sehr lange raus, sich jetzt noch zwei Monat fitzuhalten macht kaum Sinn. Man sollte das jetzt annehmen und respektieren.

Dann planen Sie jetzt also Ihren Urlaub?
Ehrlich gesagt, habe ich noch gar kein Urlaubsbedürfnis. Ich denke irgendwie immer noch, da kommt noch was. Deswegen werde ich erst einmal alles sacken lassen, auch mit den Kollegen. Dann fahre ich irgendwann Richtung Heimat und im Juli dann hoffentlich in den Urlaub.

Und danach greifen Sie mit den Eisbären wieder an.
Ich bin in dieser Saison auf Hochtouren gelaufen. Daher ist das schade, dass es jetzt zu Ende ist. Aber vielleicht schaffe ich das nächstes Jahr noch mal. Und wenn wir bei den Eisbären so zusammenbleiben, ist vielleicht wieder was drin für uns. Aber jetzt hoffe ich erst einmal, dass wir alle gesund aus der Sache rauskommen. Gerade die kleinen Vereine müssen das irgendwie überstehen. Es wäre bitter, wenn wir in der Liga im September plötzlich weniger Mannschaften haben.

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