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Elfmeterschießen im WM-Achtelfinale : Russland sorgt gegen Spanien für große Überraschung

Russland rettet sich gegen ideenlose Spanier durch zwei Halbzeiten und die Verlängerung und siegen im Elfmeterschießen. Iniesta trat nach dem Spiel zurück.

Die russische Mannschaft feiert ihren Sieg.
Die russische Mannschaft feiert ihren Sieg.Foto: dpa/Marius Becker

Ihr Auftritt, Gospodin Akinfejew! Einen Elfmeter hat der russische Torhüter schon gehalten, mit den Fäusten gegen Spaniens Koke. Seine Mannschaft steht kurz vor dem Einzug ins Viertelfinale, und es ist dieser Igor Akinfejew, der alle Zweifel bereitet. Diesmal pariert er mit dem Fuß gegen Iago Aspas und das Spiel ist aus.

Die WM in Russland hat eine weitere große Überraschung, ja eine Sensation: Die von vielen vor dem Turnier verlachten Russen siegten nach einem 1:1 (1:1) in der regulären Spielzeit und torloser Verlängerung 4:3 über den großen Favoriten Spanien. 78.000 Zuschauer im Regen des Luschniki-Stadion jubelten, so sie denn den Russen zugewandt waren, und dabei handelte es sich um die erdrückende Mehrheit.

Ein seltsames Spiel war das. Eines, in dem die Spanier drückend überlegen und doch furchtbar einfallslos waren. Dabei schossen sie sogar ein frühes Tor, das ihrem Spiel doch Sicherheit hätte geben müssen.   Am rechten spanischen Flügel senste Juri Schirkow schon nach zehn Minuten den dribbelnden Nacho um, eher unabsichtlich, aber mit sehr schmerzhaften Folgen.

Den fälligen Freistoß führte Marco Asensio aus, der Filigran von Real Madrid, der überraschend für Barcelonas Andres Iniesta in die Startelf gerückt war. Asensio flankte hoch und weit bis an den hinteren Pfosten, wo Spaniens Kapitän Sergio Ramos lauerte – und plötzlich lag der Ball im Tor. 

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Ramos zelebrierte seinen Jubel an der Eckfahne mit allen spanischen Spielern, auch denen von der Ersatzbank, er klopfte sich immer wieder auf das spanische Wappen auf seinem Trikot – und hatte mit dem Tor doch nur mittelbar zu tun. Weil er im Duell mit dem Russen Sergej Ignaschewitsch zu Boden gegangen war, und von dessen Wade fand der Ball seinen kuriosen Weg ins Netz.

Das war glücklich, entsprach aber dem, was sich auf dem Rasen abspielte. Die Spanier kontrollierten das Geschehen mit ihrem auf Ballbesitz ausgerichteten Stil. Die Russen wollten wohl langsam ins Spiel finden, aber dann hatten sie eines, das ihnen überhaupt nicht behagt. Das Gestalten fällt dieser Mannschaft schwer, das war auch in diesem Achtelfinale nicht zu übersehen. Nach einer halben Stunde gab es eine Minichance, einen Schuss von Alexander Golowin, aber der flog doch deutlich am Tor vorbei. 

Ideenlose Spanier und Russen

Ansonsten fiel ihnen nichts ein gegen die Spanier, die gemütlich den Ball zirkulieren lassen und mit der Führung im Rücken gar nicht so sehr an Raumgewinn interessiert waren. Sie warteten auf russische Fehler. Aber dann machten sie selbst einen. Als Gerard Piqué kurz vor der Pause nach einem Eckball nicht hoch genug sprang, aber den Arm hochriss. In seinem Rücken kam Artjom Dsjuba zum Kopfball und traf Piques ausgestreckten Arm. Schiedsrichter  Björn Kuipers zögerte einen Augenblick und entschied dann auf Elfmeter. Dem protestierenden Piqué signalisierte er, dass ein Arm da oben nichts zu suchen habe. Dsjuba selbst machte sich an die Ausführung und verwandelte souverän zu 1:1 und plötzlich wurde es furchtbar laut im zuvor recht stillen Luschniki.

Spaniens Dominanz hielt an, aber es war eine Dominanz ohne Wirkung in der entscheidenden Zone des Platzes. Ohne Tempowechsel und Überraschungen, ohne den Mut zum öffnenden Pass. Den kreativen Geistern Isco und David Silva fiel überhaupt nichts ein. Diego Costa, in der Gruppenphase immerhin dreifacher Torschütze, kam kaum einmal an den Ball. Fernando Hierro, der Technische Direktor und Aushilfstrainer der spanischen Mannschaft, ließ seine Mannschaft lange gewähren. Nach einer guten Stunde erst reagierte er und schickte Iniesta für Silva auf den Platz.

Es änderte sich ... nichts. Die Spanier erfreuten sich an ihrer Kunst, Querpässe in endloser Zahl aneinanderzureihen. Und spielten keine einzige Torchance heraus. Bis es Iniesta dann zu bunt wurde und er endlich mal einen Distanzschuss wagte, bei dem Russlands Torhüter Igor Akinfejew schon einige Mühe hatte.

In der Verlängerung kam es zu einer Weltpremiere, der für diesen Fall von der Fifa genehmigten Einwechslung eines vieren Spielers. Dem Russen Alexander Jerochin wurde diese Ehre zuteil. Er kam in der 97. Minute für Daler Kusjajew. Dann kam der Regen und die russische Mannschaft kaum noch über die Mittellinie, mit letzter Kraft rettete sie sich ins Elfmeterschießen. Wo dann Igor Akinfejew seinen großen Auftritt hatte.

Iniesta tritt zurück

Kurz nach dem Spiel gab Andrés Iniesta seinen Abschied aus der spanischen Fußball-Nationalmannschaft bekannt. „Es ist Tatsache, dass das mein letztes Spiel heute war. Eine wundervolle Etappe ist zu Ende gegangen“, sagte der Mittelfeldspieler am Sonntag nach dem 3:4 im Elfmeterschießen gegen WM-Gastgeber Russland und dem damit besiegelten Achtelfinal-Aus.

Mit der spanischen Nationalmannschaft gewann Iniesta 2010 den WM-Titel und 2008 und 2012 die EM. Mit seinem einstigen Stammverein FC Barcelona triumphierte er viermal in der Champions League. 2012 wurde er zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Der 34 Jahre alte Iniesta wird in der kommenden Saison für den japanischen Erstligisten Vissel Kobe spielen und dort Mannschaftskollege des Deutschen Lukas Podolski sein.

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