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Filip Uremovic (li.) und Marc Kempf hatten nach Abpfiff des Derbys Redebedarf.
© IMAGO/Matthias Koch

Sieben Gegentore in zwei Spielen: Hertha BSC sieht in der Abwehr erneut nicht gut aus

Sowohl gegen Braunschweig als auch gegen Union präsentierte sich die Defensive sehr wacklig. Das muss sich schnell ändern, am Samstag kommt Eintracht Frankfurt.

Es hat auch am vorigen Wochenende nicht geklappt bei Eintracht Braunschweig. Im dritten Zweitligaspiel blieb das Team zum dritten Mal ohne Treffer. Die Null vor dem Doppelpunkt in der Spalte „Tore“ ist ein Alleinstellungsmerkmal des Tabellenletzten in der Liga.

Was gegen den Hamburger SV, den 1. FC Heidenheim und Darmstadt 98 nicht gelang, klappte dazwischen atemberaubend gut im DFB-Pokal. Vier Tore schoss die Eintracht gegen Hertha BSC (4:4), kam anschließend im Elfmeterschießen weiter.

Hertha versuchte sich danach zum Auftakt der Fußball-Bundesliga im Derby. Mit ebenfalls bescheidenem Erfolg – erneut auch in der Abwehr: 1:3 beim 1. FC Union, das macht sieben Gegentore in den ersten 210 Pflichtspielminuten. „Ab der 60. Minute haben wir nicht mehr gut genug verteidigt, haben große Abstände gehabt“, sagte Trainer Sandro Schwarz nach dem Spiel gegen Braunschweig. „Bei der Zweikampfstärke und der Bereitschaft war der Gegner besser“, sagte Schwarz nach dem Spiel gegen Union.

Das erinnerte an die vorige Saison, als die Abwehr lange eine Baustelle war. Folge: 71 Gegentore, der zweitschlechteste Wert der Liga und die zweithöchste Zahl in Herthas Bundesligahistorie. Nur 1990/91 waren es mehr (84). Mit der abgelaufenen Spielzeit hatte Schwarz nichts zu tun. „Die Grundstimmung ist nicht abhängig davon, wie es im letzten und vor zwei Jahren war“, sagt der 43-Jährige. Aktuell gibt es genug Aufgaben.

Im Frühjahr hatten sich die Berliner defensiv stabilisiert. Unter Felix Magath stand die Abwehrreihe, meist mit Peter Pekarik, Dedryck Boyata, Marc Kempf und Marvin Plattenhardt, recht ordentlich. Es gab in zehn Spielen nur elf Gegentore, darunter vier gegen Union.

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Nun spielt Jonjoe Kenny, neu vom FC Everton, auf der rechten Seite. Ihm fehlt es noch deutlich an Sicherheit und Abstimmung mit den Teamkollegen. Plattenhardt agiert links solide, doch in der Innenverteidigung knirscht es gewaltig. Selbst Braunschweig stürzte Boyata und Kempf von einer Verlegenheit in die nächste. Gegen Union war Kempf in vielen Situationen ebenfalls ziemlich indisponiert.

Da Eigengewächs Jordan Torunarigha seine Zukunft woanders sah und jetzt bei der KAA Gent in Belgien spielt, wäre Marton Dardai eine Alternative. Dardai war in der Rückrunde nur zu Kurzeinsätzen gekommen.

An Kempfs Seite agierte bei Union Filip Uremovic. Der Neuzugang von Rubin Kasan machte bei weitem nicht alles richtig, hatte aber auch gute Szenen. Und von Uremovic, der in der Vorbereitung einige Zeit verletzt gefehlt hatte, war nicht zu erwarten, dass er beim Debüt die wacklige Abwehr im Alleingang stabilisiert.

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„In der einen oder anderen Situation hätte er es besser lösen können, was das individuelle Zweikampfverhalten angeht. Aber er hat Präsenz und Ausstrahlung“, sagt Schwarz: „Wir trauen ihm eine Menge zu.“ Der Trainer dürfte auch zukünftig auf Uremovic setzen.

Ex-Kapitän Boyata war – anders als Abwehrtalent Linus Gechter – im Derby nicht einmal im Kader. Sportgeschäftsführer Fredi Bobic sagte im „Doppelpass“ bei Sport1: „Es ist nicht so, dass wir das Gefühl haben, dass er uns aktuell weiterbringt.“ Vieles spricht für einen Wechsel des Belgiers, der Spielpraxis braucht, um sich für die WM zu empfehlen.

Natürlich ist selten die Abwehr allein verantwortlich, wenn die Defensive eine Problemzone ist. Einfache Ballverluste in der Offensive etwa luden die Gegner zu Kontern ein. Trotzdem ist das erste Fazit ernüchternd: individuelle Fehler, einfache Gegentore. „Kompromisslosigkeit beim Verteidigen“, fordert Schwarz daher. Und Kapitän Plattenhardt sagt: Die Probleme müssen wir nächste Woche abstellen.“ Am Samstag kommt Eintracht Frankfurt.

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