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Wohin mit mir? Pierre-Michel Lasogga ist bis Saisonende an den Hamburger SV ausgeliehen. Ob er danach wieder für Hertha stürmt, hängt an vielen Faktoren.
© Imago

Kommt Lasogga zurück nach Berlin?: Jonglieren mit drei Bällen und verbundenen Augen

Ob der an den Hamburger SV ausgeliehene Angreifer Pierre-Michel Lasogga zu Hertha BSC zurückkehrt, ist trotz der Ankündigung von Michael Preetz sehr fraglich. Es ist eine vertrackte Konstellation für den Manager.

Das vergangene Wochenende war auf den ersten Blick ein sehr erfreuliches für die Fans von Hertha BSC. Bundesweit haben Medien aus einem „Bild“- Interview mit Michael Preetz zitiert. Der Tenor: Hertha bleibt bei Pierre-Michel Lasogga unnachgiebig. Der an den Hamburger SV ausgeliehene Stürmer kehrt im Sommer nach Berlin zurück. Seit Monaten sagt Herthas Manager nichts anderes, trotzdem löst jede neue Wortmeldung ein kleines mediales Beben aus – vielleicht auch, weil die Angelegenheit auf den zweiten Blick keineswegs so klar ist. Dass Lasogga ab Juli wieder für Hertha spielt, ist überhaupt nicht sicher. Es spricht sogar einiges dafür, dass er den Klub verlässt.

Formal ist Preetz auf der sicheren Seite: Wenn Hertha Lasogga zurückbeordert, muss Lasogga kommen – sein Vertrag bei Hertha läuft noch bis zum Sommer 2015. Doch es gibt in dieser Angelegenheit eben auch noch andere Interessen als die der Berliner. Was zum Beispiel will Lasogga selbst? Er hat beim HSV in der Hinrunde neun Tore erzielt. Kein Wunder, dass er sich in Hamburg sichtlich wohlfühlt.

Wahrscheinlich muss man sich Michael Preetz im Moment wie einen Artisten vorstellen, der mit drei Bällen gleichzeitig jongliert – und der damit rechnen muss, dass ihm irgendwann auch noch die Augen verbunden werden. Weil plötzlich Vereine mitmischen, die bisher nicht auf den Plan getreten sind. Schon jetzt ist der Fall Lasogga nicht nur mit dem von Per Skjelbred verknüpft, den die Berliner vom HSV ausgeliehen haben. Auch die Pläne von Adrian Ramos spielen eine Rolle. Der Kolumbianer besetzt bei Hertha genau den Platz im Sturm, den Lasogga gerne hätte. Aber bleibt er über den Sommer hinaus? Ramos’ Vertrag läuft ebenfalls 2015 aus. Sollte er kein Interesse signalisieren, in Berlin zu verlängern, könnte Hertha nur in diesem Sommer noch eine Ablöse für ihn kassieren.

Inzwischen ist es übliche Praxis, dass ein Spieler ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages verkauft wird, wenn er diesen nicht verlängern will. „Bei Hertha ist das aber kein Dogma“, sagt Herthas Manager. Vielleicht kommt der Klub auch zu der Erkenntnis, dass Ramos, in der Hinrunde mit elf Treffern bester Torschütze der Bundesliga, Hertha mehr bringt, wenn er noch ein Jahr bleibt. „Ich halte das nicht für ausgeschlossen“, sagt Preetz.

Mit Trainer Jos Luhukay hat Lasogga offenbar ein Problem

Es ist keine leichte Entscheidung für Hertha: Einerseits würde Ramos’ Weggang sportlich kaum zu kompensieren sein; andererseits braucht der klamme Klub Geld, um das Team perspektivisch weiterzuentwickeln. Dieses Geld könnte auch ein Verkauf Lasoggas einbringen, dessen Marktwert deutlich gestiegen ist.

Auch bei ihm steht die grundsätzliche Entscheidung an: Vertragsverlängerung oder Verkauf? Preetz hält es immer noch für möglich, dass der Stürmer über 2015 hinaus in Berlin bleibt, auch wenn längst über andere Interessenten spekuliert wird. Es ist allgemein bekannt, dass Lasogga eine hohe Affinität zu Berlin besitzt und in Herthas Mannschaft fest verwurzelt ist. Er hat zum Beispiel Silvester mit Herthas Torhüter Sascha Burchert in Berlin gefeiert. Bei den Fans erfreut er sich großer Beliebtheit und er hängt an Hertha, dem Klub, bei dem er Profi geworden ist. Allein mit Trainer Jos Luhukay scheint es ein Problem zu geben.

„Man hört ja, dass Lasogga und Luhukay nicht die besten Freunde sind“, hat Hamburgs Sportdirektor Oliver Kreuzer Ende vorigen Jahres gesagt. Herthas Trainer hat dem umgehend widersprochen: Er könne sich nicht erinnern, „dass wir einen Streit gehabt haben“. Dass Luhukay kein Problem mit Lasogga hat, heißt aber nicht, dass es umgekehrt auch so ist. Bei einem Auftritt im NDR-Sportclub hat Lasogga im Herbst eine Andeutung in diese Richtung gemacht. „Ich bin ein Typ, der sich überall durchgesetzt hat“, hat er da gesagt. „Manchmal kommt’s auch anders. Da ist man nicht immer mit jedem auf der gleichen Wellenlänge.“ Als der Moderator den Namen Luhukay erwähnte, sagte Lasogga. „Ja, manchmal ist es so im Leben.“ Dann lachte er – als wollte er vertuschen, dass er sich gerade verplappert hatte.

In Hamburg spekulieren sie auf ein Tauschgeschäft

Unter Luhukay ist Lasogga in dem halben Jahr, in dem er nicht verletzt war, nur in sieben von siebzehn Spielen zum Einsatz gekommen. Ein einziges Mal, in Dresden, stand er in der Anfangsformation – und das auch nur, weil Ronny und Marcel Ndjeng sich kurz vor Anpfiff verletzt hatten. Besondere Wertschätzung sieht anders aus. Es ist offenkundig, dass Luhukay die Spielweise von Adrian Ramos deutlich mehr schätzt als Lasoggas Wuchtfußball und er Herthas Spiel nie so auf ihn zuspitzen würde, wie es derzeit beim HSV passiert. Was Lasogga mit seinem ausgeprägten Ego aber besonders wurmen muss: Ihm wurde bei Hertha auch Sandro Wagner vorgezogen. Ein Stürmer, der in den sechseinhalb Jahren seit seinem Profidebüt annähernd halb so viele Bundesligatore (fünf) geschossen hat wie Lasogga in einer Halbserie für den Hamburger SV.

Angesichts dieser vertrackten Konstellation ist es verwunderlich, mit welcher Überzeugung Preetz in der Sache Lasogga auftritt. Er hat schon bei „Hertha im Dialog“ im November angekündigt, dass der Stürmer nach dieser Saison nach Berlin zurückkehrt. Aber was sollte er auch sonst sagen, ohne die eigene Position in möglichen Verhandlungen zu schwächen? Natürlich hat man auch beim HSV registriert, wie Per Skjelbred sich in Berlin entwickelt hat. In Hamburg spekulieren sie auf ein Tauschgeschäft plus einer maßvollen Ablöse für Lasogga. „Man sollte beide Fälle voneinander trennen“, sagt Preetz dazu. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Per und Pierre.“

Vielleicht ändert sich die ganze Situation ja auch noch einmal grundlegend, sollten die Hamburger absteigen. Lasogga würde dann ganz sicher nicht beim HSV bleiben wollen. Und ob der Vertrag, den Skjelbred bis 2015 in Hamburg unterschrieben hat, auch für die Zweite Liga gilt, das ist zumindest fraglich. Skjelbred selbst sagt, er wisse es nicht.

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