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Aus besseren Tagen. Beim Trainingslager in Marbella war Marco Reus noch guter Dinge.
© dpa

Der Dortmunder hat sich erneut verletzt: Marco Reus ist der ewige Pechvogel

Marco Reus hat seine herausragende Qualität in der deutschen Nationalmannschaft nur selten zeigen können – weil er viel zu oft verletzt war. Auch jetzt wieder.

Die Nachricht kam am späten Mittwochabend, und es war eine Nachricht, die beim routinierten Publikum vermutlich eher ein gelangweiltes Schulterzucken hervorrief als echte Überraschung. Marco Reus hat sich bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen.

Diese Nachricht ist einem in den vergangenen Jahren bereits häufiger in unterschiedlichen Ausfertigungen (Syndesmosebandriss, Kreuzbandriss, Adduktorenbeschwerden) untergekommen. Der sogenannte Nachrichtenwert ist also womöglich gering, die persönliche Tragik für Marco Reus dafür umso größer.

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„Ja, natürlich tut einem das leid“, sagt Oliver Bierhoff am Tag danach. Der Manager der deutschen Nationalmannschaft hat die Leidensgeschichte des Dortmunders quasi von Beginn an miterlebt. Damals, als der Dortmunder Borusse sogar noch ein Mönchengladbacher Borusse war.

Schon desssen Eingliederung in die Nationalmannschaft gestaltete sich schwierig. Im Mai 2010, am Ende seiner ersten Saison in der Bundesliga, ist Reus erstmals ins Nationalteam berufen worden. Weil die Stammkräfte kurz vor der WM in Südafrika noch ein bisschen durchschnaufen sollten, hatte der damalige Bundestrainer Joachim Löw für ein Länderspiel gegen Malta hauptsächlich Perspektivspieler nominiert.

Es fing schon kompliziert an

Doch Reus war ebenso unpässlich wie bei den nächsten drei Malen, bei denen er zur Nationalmannschaft berufen wurde. So vergingen insgesamt 17 Monate zwischen seinem ersten Kontakt mit dem Bundestrainer und dem Länderspieldebüt im Oktober 2011.

Aus dem aktuellen Aufgebot der Nationalmannschaft für die beiden noch ausstehenden Nations-League-Spiele in Ungarn (Samstag) und gegen Italien (Dienstag) ist lediglich Torhüter Manuel Neuer älter als der inzwischen 33 Jahre alte Reus. Nur Neuer und Thomas Müller haben bereits vor ihm für das DFB-Team debütiert. Doch während die beiden Münchner bei der Zahl ihrer Länderspiele längst dreistellig sind, kommt Reus auf gerade 48 Einsätze. Antonio Rüdiger (52) und Timo Werner (51) haben ihn inzwischen überholt, Leon Goretzka (43) und Leroy Sané (44) sind kurz davor.

Die dürre Bilanz täuscht darüber hinweg, dass Marco Reus einer der herausragenden deutschen Fußballer der vergangenen Dekade war – und immer noch ist. In 340 Bundesligaspielen hat er 144 Tore erzielt und 104 vorbereitet. In der abgelaufenen Saison kam von allen deutschen Spielern in der Bundesliga allein Thomas Müller (29) auf mehr Assists als Reus (26).

Immer noch einer „der Besten im letzten Drittel“

„Alles wirkt so leicht und so spielerisch“, hat Joachim Löw einmal über ihn gesagt. Sein Nachfolger Hansi Flick hält ihn weiterhin für einen „der Besten im letzten Drittel“, und Oliver Bierhoff preist ihn als Ausnahmefußballer, der „auf galante Art der Mannschaft helfen“ könne.

Aber Marco Reus ist eben auch der ewige Pechvogel der Nation und seine Geschichte in der Nationalmannschaft eine Geschichte der verpassten Gelegenheiten: Bei der EM 2012 kam er, obwohl Deutschlands Fußballer des Jahres, erst im Viertelfinale zum Einsatz. Reus machte ein starkes Spiel, erzielte ein Tor – und saß bei der Halbfinalniederlage gegen Italien trotzdem wieder auf der Bank.

Bei der WM 2014 schaute er zu Hause zu, wie die Deutschen den Titel gewannen, nachdem ihm ein armenischer Verteidiger am Abend vor dem Abflug nach Brasilien das Syndesmoseband zerfetzt hatte. 2016 erwischte es ihn im Pokalfinale, so dass er auch die EM verpasste. Und als Reus 2018 gerade noch zeitig fit wurde für die WM in Russland, wollte Löw ihn bewusst für die wichtigen K.-o.-Spiele schonen – als potenziellen Unterschiedspieler. Dummerweise schafften es die Deutschen dann leider nicht in die K.-o.-Spiele.

So bringt es Reus auf ganze fünf Einsätze bei Welt- und Europameisterschaften, nachdem er im vergangenen Sommer freiwillig auf seine Teilnahme an der EM verzichtet hatte. Viele haben damals gedacht, dass es das dann vermutlich auch gewesen sei mit seiner Karriere in der Nationalmannschaft. Doch unter Hansi Flick kehrte Marco Reus noch einmal zurück. Eines kann man ihm ganz sicher nicht vorwerfen: dass es ihm an Ausdauer und Beharrlichkeit mangle.

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