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Uwe Seeler, ehemaliger Fußballprofi beim Hamburger SV und Ehrenspielführer der Fußball Nationalmannschaft.
© Christian Charisius/dpa

Reaktionen auf den Tod von Uwe Seeler: „So wie Uns Uwe möchten wir eigentlich alle sein“

Der ehemalige Nationalspieler ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Seeler hatte zuletzt häufiger gesundheitliche Probleme.

Fußball-Legende Uwe Seeler ist tot. Der 72-malige Nationalspieler und DFB-Ehrenspielführer starb am Donnerstag im Alter von 85 Jahren, wie sein früherer Verein Hamburger SV unter Berufung auf die Familie Seelers bestätigte. Zuerst hatte die „Bild“ darüber berichtet.

Seeler war bei vier WM-Turnieren dabei, war Vizeweltmeister 1966 in England und WM-Dritter 1970 in Mexiko. Er war als einer der besten Mittelstürmer seiner Zeit Vereins-Ikone des Hamburger SV, für den er zeit seiner aktiven Karriere spielte. Von 1952 bis 1973 stürmte „Uns Uwe“ für den HSV und war 16 Jahre Mitglied der deutschen Nationalelf. Aufgrund seiner Verdienste um den deutschen Fußball war er zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt worden.

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Er war ein Inbegriff an Bodenständigkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Treue. Die Popularität des einstigen Torjägers par excellence gründete sich nicht nur auf dem sportlichen Ruhm mit Hinterkopftoren und Fallrückziehern, sondern auch auf seinen menschlichen Qualitäten. „Das Schönste auf der Welt ist doch, normal zu sein“, meinte der Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes vor seinem 85. Geburtstag im November 2021. „Ich bin stinknormal, und das gefällt mir.“

Dazu gehörte auch, dass er 1961 einem Millionen-Angebot von Inter Mailand widerstand. Seeler zog Heimat und Familie vor. Ein Traum blieb trotz aller sportlichen Erfolge unerfüllt. „Wenn ich schon bei vier Weltmeisterschaften dabei war, hätte ich auch gern einmal den Titel geholt. Aber ich hatte nicht das Glück. Trotzdem war alles wunderschön. Ich vermisse nichts“, sagte Seeler.

Seine Erfolgsbilanz: mehr als 400 Pflichtspieltore für den HSV, 72 Länderspiele mit 43 Treffern zwischen 1954 und 1970, dreimal Fußballer des Jahres, deutscher Meister und Pokalsieger.

Mit Ehefrau Ilka war er mehr als 63 Jahre verheiratet. Wenn sich „Mäuschen“, wie Ilka Seeler ihren Mann liebevoll nannte, mit Terminen zu viel zugemutet hatte, war sie sein Korrektiv. Aus ihrer Ehe sind drei Töchter hervorgegangen. Ihr Enkel Levin Öztunali ist eine feste Größe in der Fußball-Bundesliga.

Die Reaktionen auf den Tod von Uwe Seeler

Bundeskanzler Olaf Scholz: „Deutschland trauert um „Uns Uwe“. Er war Vorbild für viele, Fussballlegende und natürlich Hamburger Ehrenbürger. Zu seinem 80. Geburtstag durfte ich die Tischrede halten: „So wie Uns Uwe möchten wir eigentlich alle sein: selbstbewusst und bescheiden.““

Bundestrainer Hansi Flick: „Uwe Seeler war ein Vorbild für Generationen von Nationalspielern. Mit seiner bodenständigen, bescheidenen und zurückhaltenden Art hat er auch neben dem Platz die Menschen begeistert und für sich eingenommen. Sein Name ist Sinnbild für Vereinstreue und Loyalität. Bei vier Weltmeisterschaften stand er selbst auf dem Rasen, später hat er als Ehrenspielführer und Teil der DFB-Delegation unsere Nationalmannschaft zu Turnieren begleitet, beispielsweise 2010 nach Südafrika. Wir haben es immer genossen, ihn um uns zu haben. Uwe Seeler hat uns inspiriert. Wir alle bei der Nationalmannschaft und beim DFB werden ihn sehr vermissen.“

Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds: „In Uwe Seeler verlieren wir einen der besten Fußballer, den Deutschland je hatte. (...) Doch Uwe Seeler wirkte weit über den Fußballplatz hinaus. Seine Bodenständigkeit, seine Bescheidenheit und seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Hamburg zeichneten ihn zeit seines Lebens aus. Mit seiner Stiftung setzte er sich für bedürftige und unverschuldet in Not geratene Menschen ein, außerdem engagierte er sich auch leidenschaftlich für die DFB-Stiftung Sepp Herberger. Sein Tod macht uns unsagbar traurig.“

Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern: „Der Tod von Uwe Seeler trifft die deutsche Fußballseele in ihrem tiefsten Inneren. „Uns Uwe“ war ein Volksheld, es gab keinen Fan in Deutschland, der ihn nicht verehrt hat. Seeler hat die Nation bewegt - auch über das Spiel hinaus. Ich persönlich hatte das Glück, lange mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen und ihn als besonderen Menschen kennenzulernen, der warmherzig, freundlich und offen auf jeden zugegangen ist. Der FC Bayern ist in Trauer vereint mit seiner Familie, den Angehörigen und Freunden.“

Rudi Völler: „Ich bin erschrocken. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, der ich mein tiefstes Beileid ausspreche. Uwe war ein wunderbarer Mensch, eines der größten deutschen Sportidole ist von uns gegangen.“

Jonas Boldt, Vorstand Hamburger SV: „Die Nachricht von Uwes Tod hat bei mir tiefe Betroffenheit ausgelöst, denn wir hatten ein enges, freundschaftliches Verhältnis. Ich war als Mitglied der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft mit ihm in Brasilien und in Mexiko, als wir für die Erdbebenopfer gespielt haben. Es gibt niemanden, der Uwe Seeler nicht mochte. Deshalb gilt mein herzliches Beileid nicht nur Uwes Familie, sondern der gesamten HSV-Familie.“

Seeler hatte 2010 einen Autounfall und war danach auf einem Ohr taub

Deutschlands erster Fußballer des Jahres hatte zuletzt öfter mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Seit einem Autounfall 2010 war er auf dem rechten Ohr taub und beklagte Gleichgewichtsprobleme. Zudem bekam Seeler einen Herzschrittmacher und musste sich einen Tumor in der Schulter entfernen lassen.

Mehrmals war er zuletzt in seinem Haus in Norderstedt gestürzt. Einmal hatte er sich dabei die rechte Hüfte und drei Rippen gebrochen. Ihm war daraufhin ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt worden. Danach musste er einen Gehstock nutzen. Bei einem Sturz wenige Wochen zuvor hatte er sich einen Finger gebrochen und das rechte Schienbein aufgerissen.

Termine und Einladungen konnte er immer seltener wahrnehmen. „Du willst den Leuten eine Freude machen, aber du kannst manchmal nicht. Das ist anderen schwer zu verklickern“, betonte er einmal. (dpa)

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