• Wie geht es weiter mit den Ligen und der EM?: Der Fußball versucht das Unplanbare zu planen

Wie geht es weiter mit den Ligen und der EM? : Der Fußball versucht das Unplanbare zu planen

In den nächsten Tagen beraten die Fußballverbände, wie es mit den Ligen und der EM weitergehen soll. Das Coronavirus nimmt auf die Pläne keine Rücksicht.

EM hinter Glas. Wann wird die Europameisterschaft gespielt? In diesem Sommer? Im Winter? Erst in einem Jahr?
EM hinter Glas. Wann wird die Europameisterschaft gespielt? In diesem Sommer? Im Winter? Erst in einem Jahr?Foto: imago images/ITAR-TASS

St. Petersburg zählt gerade für ausländische Touristen zu den beliebtesten Reisezielen in Russland. Die Stadt hat einiges zu bieten: die weißen Nächte im Sommer, das Winterpalais und die Eremitage … Wer sich aber im Internet ein bisschen schlau macht, der wird vermutlich davon absehen, im Dezember nach St. Petersburg zu reisen. Dieser Monat nämlich sei definitiv „keine gute Zeit“, um diese Gegend Russlands zu besuchen. Der Dezember in St. Petersburg ist in der Regel kalt, nass und ungemütlich.

Ob das in den Überlegungen des europäischen Fußballverbandes Uefa eine Rolle spielen wird, wenn es darum geht, wann und wo die Europameisterschaft 2020 ausgespielt werden soll? Eigentlich soll sie am 12. Juni in Rom beginnen und dann in insgesamt zwölf Städten in zwölf Ländern über den kompletten Kontinent verteilt ausgetragen werden. Aber das scheint angesichts der Coronavirus-Pandemie nahezu als ausgeschlossen. Am Sonntagabend trudelte schließlich die Meldung herein, dass laut ZDF-Informationen die Uefa am Dienstag den nationalen Ligen und der Vereinigung der europäischen Klubs eine Verschiebung des Turniers vorschlagen werde.

Kann die EM im Winter gespielt werden?

Was dann? Eine Verlegung um ein Jahr, in den Sommer 2021 wäre die sinnvollste Lösung. Aber dann soll erstmals das Gianni-Infantino-Gedächtnisturnier namens Klub-WM in China stattfinden. Ob man mit dem früheren Uefa-Generalsekretär und jetzigen Präsidenten des Weltverbandes Fifa darüber reden kann? Für den Fall, dass nicht, prüft die Uefa laut der britischen Zeitung „Telegraph“ eine Verlegung der EM in den Dezember. Die Weltmeisterschaft findet zwei Jahre später schließlich auch in der Adventszeit statt.

Der Unterschied ist, dass die WM 2022 in Katar ausgetragen wird, wo die Temperaturen auch im Dezember – zumindest für mitteleuropäische Verhältnisse – noch sommerlich warm sind. Ganz anders als etwa in St. Petersburg, das bei der Paneuropa-EM Austragungsort für immerhin drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale (möglicherweise sogar mit deutscher Beteiligung) ist.

Dass es solche Überlegungen gibt, zeigt nur die Not der nationalen und internationalen Fußballverbände. Niemand weiß, wie sich die Situation in den nächsten Tagen und Wochen entwickeln wird. Trotzdem werden Pläne entworfen, die vielleicht morgen schon wieder hinfällig sind. Laut der spanischen Zeitung „As“ erwägt die Uefa, die Gewinner von Champions League und Europa League jeweils in einem Final-Four-Turnier an den Finalorten Istanbul und Danzig auszuspielen. Derzeit sind beide Europacup-Wettbewerbe ausgesetzt und nicht einmal die Achtelfinalbegegnungen ausgetragen.

Am Montag tagen die DFL-Klubs

„Kein Mensch weiß, wann wieder gespielt werden kann“, sagte Uli Hoeneß, der frühere Präsident des FC Bayern München, am Sonntag in der Sendung „Doppelpass“. „Es ist wichtig, dass man innehält, dass man nachdenkt.“ Für Hoeneß mache es überhaupt keinen Sinn, die EM im Sommer zu spielen. „Da muss man der Realität ins Auge schauen. Wir müssen vier Wochen warten, alles auf Null fahren. Vielleicht müssen wir im Oktober noch aufhören, Fußball zu spielen. Das weiß doch kein Mensch.“

Unter diesen Vorzeichen tagen nun die nationalen und internationalen Fußballverbände. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat ihre 36 Mitglieder aus der Ersten und Zweiten Liga für diesen Montag zu einer außerordentlichen Generalversammlung in ein Flughafenhotel nach Frankfurt am Main eingeladen. Dass dort konkrete Beschlüsse zum Spielbetrieb getroffen werden, ist nicht zu erwarten. Bislang sind zwei Bundesliga-Spieltage ausgesetzt. Ab dem 2. April soll wieder planmäßig gespielt werden. Doch das ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil Berlin bereits sämtliche Veranstaltungen bis zum 19. April untersagt hat. Das würde auch zwei Heimspiele des 1. FC Union und eins von Hertha BSC betreffen.

So dürfte es bei der DFL-Versammlung darum gehen, wie die finanziellen Auswirkungen gehandhabt und kleine wie mittlere Klubs vor einer Insolvenz bewahrt werden können. Ein konkretes Szenario für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist eher unwahrscheinlich.

Die Uefa berät erst am Dienstag

Zumal die maßgeblich von der Terminierung der Europameisterschaft abhängt. Darüber will die Uefa erst am Dienstag entscheiden, wenn die Vertreter aller 55 Mitgliedsverbände, die Vorstände der Europäischen Klubvereinigung und der europäischen Ligen sowie Vertreter der Spielergewerkschaft FifPro zu einer Videokonferenz eingeladen sind. Die Schweizer Liga hat schon angekündigt, die laufende Saison vorzeitig abzubrechen, wenn die EM wie geplant im Juni und Juli ausgetragen wird.

Ein solches Szenario wird immer unwahrscheinlicher. Genauso wie eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs. In England soll das Krisenkabinett laut der Zeitung „The Independent“ der Premier League mitgeteilt haben, dass wohl erst im September wieder Fußball gespielt werden könne.

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