• „Wir sind ein Land von Siegern“: Wie ein israelisches Team die Radsport-Szene aufmischen will

„Wir sind ein Land von Siegern“ : Wie ein israelisches Team die Radsport-Szene aufmischen will

Mit seinem neuen Team Israel Start-Up Nation hat Unternehmer Sylvan Adams Großes vor. Deutsche Fahrer spielen dabei eine wichtige Rolle.

Großer Auflauf. Der kanadisch-israelische Milliardär Sylvan Adams (weißes Hemd, Mitte) bei der Vorstellung seines neuen Teams in Tel Aviv. „Warum sollen wir nicht in ein paar Jahren auch die Tour de France gewinnen?“, sagt Adams.
Großer Auflauf. Der kanadisch-israelische Milliardär Sylvan Adams (weißes Hemd, Mitte) bei der Vorstellung seines neuen Teams in...Foto: AFP

In einem Dachgarten mit Blick über die Stadt Tel Aviv stellte Sylvan Adams sein neues Team vor. Standesgemäß, in Israel wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Der kanadisch-israelische Immobilienunternehmer Adams erwarb in diesem Herbst die Worldtour-Lizenz des Rennstalls Katusha und übernahm damit auch einige bekannte deutsche Profis wie das große Klassikertalent Nils Politt und den vielseitigen Helfer Rick Zabel. Engagiert wurden weiterhin Sprint-Altmeister André Greipel und der irische Rundfahrtspezialist Dan Martin.

Mit ihnen hat Geldgeber Adams große Dinge vor. „Wir wollen mit Politt einen Klassiker gewinnen, bei der Tour de France einen Fahrer unter die Top Ten bringen und einige Etappen gewinnen. Außerdem soll der erste israelische Profi die Tour absolvieren“, sagte Adams am Rande der Teampräsentation in Tel Aviv.

Adams will vor allem eines einbringen: Technologie

Das neue Team bekam dann auch gleich einen neuen Namen verpasst; es heißt nun Israel Start-Up Nation. Der Name leitet sich vom neuen Co-Sponsor Start-Up Nation Central ab. Die Firma unterstützt junge Technologieunternehmen, finanziert wird sie maßgeblich von Investmentbanker Paul Singer, Milliardär und Gründer des Hedgefonds Elliott Management Corporation.

In die neue Partnerschaft will der Sponsor vor allem Technologie einbringen. „Das können neue visuelle Systeme für Radprofis sein, die von einer Unterabteilung von Mobileye entwickelt werden“, sagte Laura Gilinski, Vizepräsidentin des Sponsors. Mobileye, ein Pionier des Autonomen Fahrens, wurde einst von Start-Up Nation Central unterstützt und später von Intel aufgekauft.

So etwas liegt ganz auf der Linie von Adams. Groß denken ist das Motto des 61-Jährigen. Adams ist Milliardär. Nach Israel kam er, weil er dem Land zu einem neuen Image verhelfen wollte. „Ich bin selbsternannter Botschafter des Landes Israel und möchte, dass die gesamte Welt Israel als eine weltoffene, demokratische und friedliche Gesellschaft kennenlernt“, sagt er.

Es geht um mehr als nur Radsport

Den Radsport nutzt er als Werbevehikel. 2018 holte er den Start des Giro d’Italia nach Jerusalem. Damit sein Rennstall am Giro teilnehmen und damit auch den ersten israelischen Radprofi bei einer Grand Tour stellen konnte, musste er das erst 2015 gegründete Team schnell auf Pro-Continental-Niveau heben.

Mit der von Katusha übernommenen Worldtour-Lizenz gelang jetzt der Sprung in die oberste Radsport-Kategorie. Dort nur mitzufahren, reicht Adams aber nicht. „Warum sollen wir nicht in ein paar Jahren auch die Tour de France gewinnen? Wir sind ein Land von Siegern“, sagte er optimistisch. Erreicht hat Adams auf jeden Fall schon, dass die frisch verpflichteten Profis das Land auf eine neue Art und Weise betrachten. „Es ist cool hier. Es gefällt mir gut“, sagte Rick Zabel, der zuvor noch nie in Israel gewesen war.

Der Berliner stellte bereits nach der kurzen Zeit einen Sinneswandel bei sich fest: „Wenn man vor ein paar Wochen noch in den Nachrichten gesehen hat, wie vom Gazastreifen aus Raketen herüberflogen, dann fragte man sich schon, ob es schlau ist, in einem solchen Land ein Trainingslager abzuhalten,“ sagte Zabel. „Aber jetzt sehe ich, dass es ein sehr offenes Land ist und man sich sicher fühlen kann.“

Der Boss und sein Team: Sylvan Adams (vorne) posiert mit seinen Radprofis.
Der Boss und sein Team: Sylvan Adams (vorne) posiert mit seinen Radprofis.Foto: AFP

Zabel, Politt, Greipel und die anderen Teammitglieder besuchten gemeinsam auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Für Teambesitzer Adams gehört das zum Teambuilding unbedingt dazu. „Es ist sehr wichtig, dass alle unsere Fahrer dorthin gehen, besonders für die Deutschen. Es ist schwer für sie, das zu ertragen, aber die Jugend von heute ist natürlich nicht verantwortlich für das, was damals die Vorfahren gemacht haben“, sagte Adams.

Ist man im Lande, nimmt man tatsächlich recht wenig von den Konflikten wahr. Präsent ist die politische Lage dennoch. Eine Trainingsstrecke etwa führte in Sichtweite am Gazastreifen vorbei. Zudem ist das Team „Friedensbotschafter“; die Ehrung stammt vom Peres Center, einer Stiftung des früheren israelischen Präsidenten Shimon Peres, die damit würdigt, dass der Rennstall Brücken baue zwischen Nationen und Religionen. Israelis und Deutsche fahren im Profi-Team, ein muslimischer und ein drusischer Radsportler sind im Nachwuchsteam aktiv. Perspektivisch sollen auch palästinensische Athleten aufgenommen werden.

Die politische Komponente findet Anklang auch bei den Neuzugängen. „Ich persönlich finde das ziemlich cool, nicht für einen Radhersteller oder irgendeinen Sponsor zu fahren, sondern mit einer Botschaft unterwegs zu sein. Teil eines Projekts zu sein, das die Welt besser macht, ist schon deutlich cooler“, sagte Zabel.

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