Kochen und Essen gehören in Afrika zur Identität

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African Food Festival in Berlin : Der Geschmack von Afrika
"Jollof Rice", ein westafrikanisches Sonntagsgericht.
"Jollof Rice", ein westafrikanisches Sonntagsgericht.Foto: R. Ringelstein

Bei einer Generalprobe im Oktober, dem „Warm Up“, konnte man einen Eindruck gewinnen, was sie im Sinn haben: Im „Haubentaucher“ auf dem RAW-Gelände, ebenfalls in Friedrichshain, drängten sich mehr als 2000 Menschen, von denen wahrscheinlich viele zum ersten Mal in ihrem Leben ghanaisch, ägyptisch oder äthiopisch gegessen haben. Und sicher haben noch nicht viele Berliner ein „Rolex“ probiert. Es ist ein klassischer ugandischer Straßenimbiss, erklärt Kobe: Omelette wird mit Salat in einen Fladen, Chapati, zu einem Wrap gewickelt. Der Name Rolex stammt von dem Ausruf der Straßenverkäufer „Rolled Eggs!“

„So kann man die Menschen hier mit der afrikanischen Kultur bekannt machen. Wenn die Leute nach Asien fliegen, sagen sie: ’Ich freue mich schon so aufs Essen’“, sagt Pamela Owusu. Wenn es nach ihr geht, sollten die Menschen dieses Gefühl auch bei Afrika haben.

Beim „Warm Up“ legten DJs Afrobeats auf, viele Kinder waren da, spielten, und es wurde getanzt. Ein bisschen so, wie es auch auf den Straßen von Ghana am Abend ist, wenn die Menschen zum Essen rausgehen. So erzählen es jedenfalls Kwame und Pamela Owusu. Beide haben ghanaische Wurzeln, aber nur zufällig denselben Nachnamen. Sie kennen sich erst seit ein paar Jahren. Pamela Owusu, 35 Jahre alt und Politologin, legt als DJane „Pam Bam“ Afrobeats in Clubs auf, auch auf dem Festival wird sie für die Musik sorgen. Liane Kobe und ihr Mann Kwame Owusu hatten schon länger die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Von afrikanischen Food Festivals in New York und London holten sie sich Inspiration für das Konzept.

Afrika-Restaurants

In Berlin kann man verschiedene afrikanische Küchen ausprobieren. Für das Food Festival haben sich die Initiatoren neben dem Ebe Ano (Bamberger Str. 49, Schöneberg) das Ataya Caffe (Zelterstr. 6, Prenzlauer Berg) ausgesucht, wo es veganen senegalesisch-italienischen Brunch gibt. Ebenso das Amandla mit südafrikanischer (alle zwei Wochen in der Markthalle Neun, Kreuzberg) und das KLX Koshary Lux mit ägyptischer Küche (Grolmanstr. 27, Charlottenburg). Empfehlenswert ist auch das Pan Africa (Kirchhofstr. 41, Neukölln). Der Koch kommt aus Nigeria, kocht aber Gerichte aus verschiedenen Teilen des Kontinents. Das Savanna (Sredzkistr. 26, Prenzlauer Berg) setzt auf Afrika-Folklore und Exotisches wie Krokodilfleisch. Der Blattspinat in Erdnusssoße wird mit Fufu, Brei aus Maniok und Kochbananen, serviert.

„In Afrika isst man gern und viel. Für viele Leute hier klingt das wie ein Gegensatz. Hier hört man immer nur vom Hunger“, sagt Liane Kobe. Sie war schon häufig mit ihrem Mann in seinem Heimatland und hat es – nicht zuletzt wegen der guten Küche – lieben gelernt. Kochen und Essen gehören dort zur Identität, sind Nationalstolz.

Je vielfältiger, desto besser – das gilt nicht nur in der Küche

Die 38-Jährige erzählt von ihrem ersten Besuch in Accra, der Hauptstadt. Ihre Schwägerin kochte „Omo Tuo“, Reisbällchen mit Erdnusssoße. Die Soße war in einer großen Schüssel, in die man Reisbällchen dippt. Sie, Kwame und die Kinder der Schwester versammelten sich alle um die Schüssel und aßen gemeinsam daraus. Nicht, weil es zu wenige Schüsseln gäbe, sondern einfach so, erzählt Kobe: „Dieses Gemeinsame war ein sehr schönes Erlebnis, es hat wunderbar geschmeckt.“ Es war das erste Mal, dass die Berlinerin ein warmes Essen ausschließlich mit den Händen gegessen hat. Für Kobe soll das Festival dieses Lebensgefühl widerspiegeln, das sie in Ghana kennengelernt hat.

Sie, Pamela und Kwame Owusu wollen eine Brücke zwischen den Kontinenten bauen und die neue Generation der „Afropeans“ versammeln. „Es ist die Verschmelzung der afrikanischen mit der europäischen Kultur“, sagt Owusu. Ihr schwebte ein Ort vor, an dem sich alle wohlfühlen. Beim Fest im Oktober waren viele Paare mit unterschiedlichen Hautfarben da, wie auch Liane Kobe und Kwame Owusu eines sind. Bei ihren Kindern konnten sie beobachten, dass diese regelrecht aufblühten. „Das ist wichtig für sie, dass sie mal nicht in der Minderheit sind“, sagt Kobe. Dabei ist eine alte Küchenregel nicht nur aufs Essen anwendbar: Je vielfältiger, desto besser.

Für die kulinarische Vielfalt auf dem Festival in der kommenden Woche war den dreien ein Nigeria-Stand besonders wichtig – und ihre Überzeugungsarbeit im Ebe Ano erfolgreich. Das Restaurant ist mit einer Garküche dabei. Natürlich wird es Egusi geben.

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