Von Tisch zu Tisch : La Diva

Der neue Italiener in Hakenfelde: Logenplatz an der Havel, aber mit großen Schwächen in Service und Küche.

Neuer Schick an der Havel. Beim Service und in der Küche hapert es aber noch ein wenig im Restaurant "La Diva" in Hakenfelde.
Neuer Schick an der Havel. Beim Service und in der Küche hapert es aber noch ein wenig im Restaurant "La Diva" in Hakenfelde.Foto: La Diva/promo

Die italienische Küche leidet unter ihrer enormen Beliebtheit, weltweit. Denn zum einen glaubt jeder Anfänger, es sei leicht, Pizza und Pasta zuzubereiten, zum anderen werden ehrgeizigere Köche von den anspruchslosen Gästen heruntergezogen, die immer nur Pizza und Pasta essen wollen. Und dazu hat sich in nahezu jedem Land eine eigene Idee italienischer Küche verfestigt, die mit den Ursprüngen überhaupt nichts zu tun hat – die US-Fans haben ihr „Mac and Cheese“, die deutschen ihre in Sahne erstickten Nudeln und die abwegigen Pizzas. Dabei gibt es in Italien selbst eine ganze Reihe hervorragender, stilprägender Restaurants, deren Neuerungen gern auch mal international abfärben könnten – aber da ist nichts und da kommt nichts.

Kaum irgendwo in Berlin kann man schöner an der Havel sitzen

Deshalb ist es sehr ratsam, jedem neuen Ristorante in Berlin mit möglichst geringen Erwartungen zu begegnen. Und unter dieser Voraussetzung kann ich einen Besuch im Hakenfelder „La Diva“ empfehlen – was auch immer passiert, man kann kaum irgendwo in Berlin schöner an der Havel sitzen, und es wurde eine Menge Geld investiert, um die Terrasse angenehm zu gestalten, mit guten Möbeln, Lampen und Schirmen, ganz ohne weiße Plastikstühle und andere Augenbeleidigungen. Auch innen ist es sehr gelungen gestaltet, modern und kitschfrei. Übrigens hat der Chef Bülent Demir früher die ganz gut beleumundete „Villa von Haacke“ in Potsdam betrieben, die ich aber nie besucht habe. Sie wird nun von seinem Sohn fortgeführt.

Alle interessanten Angebote von der Tageskarte waren aus

Es könnte so einfach sein, ist es aber nicht. Mich bringt zum Beispiel regelmäßig zur Weißglut, wenn Speisekarten ausgeteilt werden, ohne gleich zu sagen, was darin alles schon nicht mehr da ist. Aber schon dieser einfache Service ist den gestressten, enorm selbstgefälligen Kellnern hier zu viel, und deshalb entspann sich beim Bestellen ein absurdes Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Ergebnis, dass praktisch alle interessanten Angebote von der Tageskarte aus waren, ein Artischockensalat, Sardinen, Lammkarree. Stolz wurde dafür ein mächtiges Stück Dry-Aged-Rind herumgetragen, auf das wir aber keine Lust hatten. Beim Wein das gleiche Spiel: Man bestellt, der Kellner geht los und kommt zehn Minuten später mit etwas komplett anderem an – der Wein aus der Karte sei alle. Dann dauert es wieder zehn Minuten, bis er sich zum Öffnen bequemt.

Kommen wir also zum Essen und zu dem, was noch lieferbar war. Das Risotto mit Ochsenschwanz und Parmesan war eher als Ragout mit Reis konzipiert, aber Garung, Würzung und Geschmack stimmten – als Vorspeise viel zu mächtig. Stolz ist man hier auf die hausgemachten Nudeln, und die Ricotta-Ravioli mit Spargel und Kirschtomaten schmeckten gut, keine Kunst, aber angenehm zu essen. Seltsam fanden wir den Seeteufel: drei Fischscheiben guter Qualität, mit Brachialgewalt hellbraun und so totgebraten, dass sie eher wie Wiener Schnitzel wirkten. Dazu eine körnige, gut gemachte Senfsauce, Kartoffelstampf, Spinat – und obenauf zwei kalte, hartgekochte Eihälften ...

Diese Küche ist nicht im 21. Jahrhundert angekommen

Recht genau abgepasst war dagegen das Lammrückenfilet mit grünem Spargel, gebratenen Kartoffelhälften, Brokkoli und Blumenkohl ohne jegliche Sauce, im Detail okay, aber warum das Ganze? Dies ist eine Küche, die stilistisch-technisch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist, aber auch das italienische Kernrepertoire nur in Ansätzen beherrscht. Das Schokoladensoufflée mit Vanilleeis und farblich sortierten Dekofrüchten schmeckte gut, und auf unseren Wunsch wurde die Zabaglione mit Erdbeeren statt mit Eis angerichtet – ganz homogen gelang sie nicht. (Vorspeisen/Pasta 10 bis 15, Hauptgänge um 20 Euro).

Der Wein übrigens, den wir nicht bestellt hatten, war ein recht guter Roero Arneis von Marco Bonfante für sehr faire 24 Euro – für ihn fand sich auch noch ein Eiskühler. Am Ende dauerte es dann wieder eine halbe Ewigkeit bis zur Rechnung, weil der Kollege-kommt-gleich irgendwo abgetaucht war. Was ist das also hier? Man möchte das Pizza-Publikum locken und die Terrasse voll haben, zeigt auch ein wenig Ehrgeiz, der aber nicht zum Ziel führt. Ich vermute, das wird auf lange Sicht ein italienisches Steakhaus. In, zugegeben, bester Havellage.

La Diva, Aalemannufer 31, Hakenfelde, Tel. 34 66 03 38, täglich ab 12 Uhr, ladivaberlin.de

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.