
© Montage: Tagesspiegel/Schneider/imago images (3), AFP (1)
Drei weitere Verlierer: Der Angriff auf Venezuela ist eine machtpolitische Blamage für Putin, Xi und die Mullahs
Putin konnte Maduro trotz Militärpakt nicht schützen. China verliert Milliarden-Investitionen. Und die Mullahs sind verunsichert, wie hart sie gegen Proteste im Iran vorgehen können.

Stand:
Seit Donald Trumps Angriff auf Venezuela zur Ergreifung des langjährigen Diktators Nicolás Maduro streitet die Öffentlichkeit über die geopolitischen Folgen. In Deutschland stand dabei zunächst der Schaden für die regelbasierte Ordnung, die Glaubwürdigkeit westlicher Werte und die Durchsetzung des Völkerrechts im Zentrum.
Mit ein paar Tagen Abstand zeigt sich, dass es weitere wichtige Verlierer gibt. Und zwar auch solche, bei denen Anhänger der Demokratie und der Menschenrechte nicht unbedingt traurig sein müssen. Ganz voran gilt das für Wladimir Putin in Russland, Xi Jinping in China und die Mullahs im Iran.
Trump fürchtet Putins Militär nicht
Alle, die für das eigene politische Überleben auf ein Bündnis mit Russland setzen, müssen sich nun fragen: Was sind Beistandszusagen Putins überhaupt wert? Maduro hatte auf eine militärische Kooperation mit Putin gesetzt und russische Waffen gekauft. Sie veranstalteten gemeinsame Manöver, Putin sandte strategische Bomber nach Venezuela.
Doch weder Putins politische Protektion noch die russische Luftabwehr konnten Maduro schützen. Ihm erging es, wie wenige Monate zuvor Syriens Landzeitherrscher Baschar al-Assad. Auch der hatte auf ein Bündnis mit Russland gesetzt, um sich an der Macht zu halten. Putin konnte Assads Sturz nicht verhindern.
Was Trump von der russischen Militärmacht hält und von Putins Willen und Fähigkeit, sich den USA militärisch zu widersetzen, ließ sich am Mittwoch im Atlantik beobachten. Die Küstenwache brachte einen Tanker auf, der unter russischer Flagge fuhr und angeblich von einem russischen U-Boot begleitet wurde – unter dem Vorwurf, dass er zu der Schattenflotte gehöre, die die Sanktionen gegen Venezuela und Russland unterlaufe.
China verliert Milliarden-Investitionen und sein Einfallstor nach Südamerika.
Christoph von Marschall, Diplomatischer Korrespondent der Chefredaktion.
Zu den Verlierern gehört auch China. Peking hatte auf Venezuela als wichtigsten Partner in Südamerika gesetzt und strategische Wirtschaftsabkommen mit Venezuela geschlossen. China gab 62 Milliarden Dollar Kredite und investierte in die heruntergekommene Ölindustrie. Venezuela sollte das mit Öllieferungen zurückzahlen.
Im Mai hatte Präsident Xi Jinping Maduro getroffen. Kurz vor Maduros Entführung durch die USA hatte er eine hochrangige chinesische Delegation in Caracas empfangen. Chinas Kredite und Investitionen sind verloren. Andere Staaten in Lateinamerika dürften jetzt überlegen, wie weit sie sich auf Abhängigkeiten von China einlassen.
Die Mullahs wanken
Ein dritter Verlierer ist das Mullah-Regime in Teheran. Das katholische Venezuela und der schiitische Iran haben auf den ersten Blick zwar wenig gemeinsam und liegen weit voneinander entfernt. Aber sie hatten einen gemeinsamen Gegner, die USA, und unterstützten sich beim Ziel, westliche Sanktionen zu umgehen.
Auch hier ist eine Allianz auseinandergebrochen. Und das hilft bei der Hoffnung, das menschenfeindliche Mullah-Regime ins Wanken zu bringen. Die Führung in Teheran ist nun verunsichert, wie hart sie gegen die neu aufgeflammten Proteste gegen ihre Herrschaft vorgehen kann, ohne eine Intervention der USA zu riskieren.
Die Bilanz der geostrategischen Folgen der US-Intervention ist widersprüchlich. Trump hat das Völkerrecht gebrochen und der Glaubwürdigkeit westlicher Werte geschadet. Andererseits war es auch nicht das Ziel des Völkerrechts, wahlfälschende Diktatoren vor dem Sturz zu schützen. Und die machtpolitischen Blamagen für Putin, Xi und die Mullahs sind alles andere als ein Nachteil für eine regelbasierte Welt.
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false