Weltweite Reisewarnung wegen Covid-19 : Welche Urlauber ihr Geld zurückbekommen

Die Bundesregierung warnt ausdrücklich vor Reisen wegen der Coronavirus-Pandemie. Was heißt das? Und was wird mit den Osterferien?

Ein Schild "Polizeikontrolle" steht an der Einfahrt zur Verladestation nach Sylt. Der Zugang zu den Inseln ist wegen der Verbreitung des Coronavirus nur noch Einwohnern und Berufspendlern gestattet.
Ein Schild "Polizeikontrolle" steht an der Einfahrt zur Verladestation nach Sylt. Der Zugang zu den Inseln ist wegen der...Foto: Carsten Rehder/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Anfang gemacht. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sollten die Bundesbürger auf alle Urlaubsreisen im In- und Ausland verzichten, hatte die Kanzlerin am Montagabend erklärt.

Wenige Stunden später legte das Auswärtige Amt nach und erließ am Dienstag eine weltweite Reisewarnung. „Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland wird derzeit gewarnt“, heißt es in der Mitteilung.

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Bundesbürger müssten „mit weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im Reiseverkehr, mit Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen des öffentlichen Lebens rechnen.“

Viele Reiseveranstalter, darunter die TUI, Alltours und FTI, hatten bereits am Montag von sich aus alle Pauschalreisen bis zum Ende des Monats gecancelt. Aus der Kulanzregelung wird durch die Reisewarnung des Auswärtigen Amts jetzt eine Pflicht.

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„Damit können alle Pauschalreisen kostenfrei storniert werden“, sagte der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi dem Tagesspiegel. Kunden, die eine Pauschalreise gebucht haben, können nun nicht nur darauf hoffen, sondern verlangen, dass sie ihr Geld zurückbekommen. Das ist klar.

Vieles ist aber noch unklar. „Wie lange dieser Zustand andauern wird, kann niemand sagen“, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. „Auch nicht, was mit geplanten Reisen in den Osterferien sein wird.“

Reisebranche fordert wegen Coronavirus Hilfe vom Staat

Die Reisebranche steht mit dem Rücken zur Wand. Sie fordert Hilfen vom Staat, um unbeschadet durch die Krise zu kommen – eine Beihilfe, um die Provisionen für Reisebüros und auch die Stornokosten für Reiseveranstalter auszugleichen. Nach der offiziellen Reisewarnung, die faktisch alle Urlaubsreisen unmöglich macht, könne die Reisewirtschaft die damit einhergehenden Stornierungen von gebuchten Reisen nicht allein stemmen.

„Wir müssen die Liquidität in den Unternehmen halten. Ansonsten gewinnt niemand – weder die Reisewirtschaft noch die Verbraucher“, warnt Schäfer.

Reisegutscheine sind eine Option

Neben Beihilfen könnten auch Gutscheine ein Ausweg sein, schlägt er vor. Mit einem Gutschein könnten die Kunden dann, wenn sich die Situation wieder normalisiert habe, ihren Urlaub neu buchen.

Eine Lösung, mit der sich auch Verbraucherschützer anfreunden könnten. „Wer dazu in der Lage ist, sollte die Möglichkeit des Gutscheins nutzen, um den Reiseunternehmen Liquidität zu erhalten“, betonte Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, am Dienstag. Gutscheine seien eine gute Alternative, allerdings nur dann, wenn sie von der Bundesregierung mit einem Insolvenzschutz abgesichert seien.

Der Verbraucherschützer plädiert für kulante Lösungen. „Unabhängig von der jeweiligen Rechtslage und egal, ob es um eine Pauschal- oder individuell gebuchte Reise geht, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher die Möglichkeit zur transparenten und kulanten Umbuchung haben“, meint Müller.

Probleme für Individualreisende

Denn während Pauschalreisende rechtlich vergleichsweise gut geschützt sind, stehen Individualreisende möglicherweise vor Problemen. Denn ob sie ein gebuchtes Zimmer oder Hotel absagen können, ohne auf den Kosten sitzen zu bleiben, ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich gilt: Man muss zahlen, wenn der Vertragspartner, etwa das Hotel, zur Leistung bereit ist. Doch wie ist es, wenn man staatlicherseits aufgefordert wird, zu Hause zu bleiben oder man sein Reiseziel derzeit gar nicht erreichen könnte. Die friesischen Inseln etwa sind derzeit für Touristen gesperrt.

Für Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin ist der Fall klar: „Ferienwohnungen, Hotels oder Ferienhäuser müssen kostenlos storniert werden können“, sagt sie. Immerhin rate die Bundesregierung ja dringend von Urlaubsreisen auch innerhalb Deutschlands ab.

Allerdings gilt für Ferienwohnungen und -häuser seit dem neuen Reiserecht im Juli 2018 kein Pauschalreiserecht mehr, sondern normales Mietrecht. „Ein kostenloses Rücktrittsrecht, wie bei einer Pauschalreise, ist im Mietrecht nicht vorgesehen“, gibt Rechtsanwalt Karimi zu bedenken. Allerdings dürfte die Geschäftsgrundlage gestört sein, wenn man seine Ferienwohnung unverschuldet nicht erreichen kann. „In der Rechtsfolge gilt der Mietvertrag dann entweder als aufgelöst oder muss angepasst werden“, meint Karimi.

Eine Anpassung könne etwa in einer erheblich günstigeren Stornierungsregel, einer kostenlosen Umbuchung oder einer Erteilung eines Gutscheins liegen. „Meine Empfehlung an Vermieter und Urlauber ist, sich auf einen Kompromiss zu einigen und gütliche Lösungen zu finden. Es sprechen nämlich gute Gründe für beide Seiten, also sowohl für die Vertragsauflösung, wie auch für die Vertragsanpassung“, rät Karimi.

Nicht nur Reiseveranstalter, auch die Hotelbranche und die Gastronomie stehen vor erheblichen finanziellen Problemen. Man sei bereit, alle notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung von Coronavirus-Infektionen mitzutragen, bis hin zur kompletten Schließung aller Betriebe, betonte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband am Dienstag und forderte eine „Überlebensperspektive“ von der Politik - „effektive, unbürokratische Regelungen“ und einen Nothilfefonds, der den Unternehmen Liquidität in der Ausnahmesituation gebe.