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Kai Wegner spielt Tennis, um den Kopf frei zu bekommen.

© privat, Bearbeitung: Tagesspiegel

Wie Kai Wegner sich ins Aus spielte : Das Tennistraining im Blackout war ein Fehler – aber nicht der größte

Kai Wegner hat politisch in der Stromausfall-Krise versagt. Dabei geht es nicht um ein Tennisspiel, sondern um einen schwerwiegenden Doppelfehler. Mit Folgen für die Politik, die weit über Berlin hinausweisen.

Christian Tretbar
Ein Kommentar von Christian Tretbar

Stand:

Ein Lacher an der falschen Stelle, Urlaube in Krisensituationen oder nicht angezogene Gummistiefel – manchmal beenden solche vermeintliche Banalitäten eine politische Karriere. Armin Laschet ist das widerfahren, Anne Spiegel oder auch Edmund Stoiber. Nicht jedes Mal geht es um Rücktritte, aber immer um ein politisches Scheitern.

Für Kai Wegner scheint ein Tennismatch zur falschen Zeit genau solch ein Moment zu sein. Und dabei geht es nicht um das Spiel selbst, es geht um den schwerwiegenden Doppelfehler, den er begangen hat.

Da sind zum einen die Symbolik und das kommunikative Fehlverhalten. Der Stromausfall im Südwesten Berlins dauerte gut sechs Stunden und Wegner benötigte da bereits einen Moment, „um den Kopf freizubekommen“, wie er das Training selbst rechtfertigt. Zu dieser Zeit war klar, dass der Stromausfall länger dauern würde als ursprünglich prognostiziert. Zu diesem Zeitpunkt saßen bereits Zehntausende Berlinerinnen und Berliner im Kalten und Dunklen. Für einige wurde der Stromausfall zum Kampf um Leben und Tod. Ein Mann, der auf eine künstliche Beatmung angewiesen war, schaffte es nur knapp.

Die Liebesbeziehung erscheint wie eine Staatsaffäre

Ein Tennis-spielender Regierungschef ist da eine fatale Botschaft. Dass er auch noch mit einem weiteren Senatsmitglied, nämlich seiner Lebensgefährtin Katharina Günther-Wünsch, der Schulsenatorin, spielte, macht die sportliche Auszeit zudem heikel. Denn statt Tennis zu spielen hätte sie sich um Turnhallen bemühen können, oder vorsorgen für den Schulstart zwei Tage später. So mutet die Liebesbeziehung im Senat nun eher an wie eine Staatsaffäre.

Dass Wegner dann, wie sich nun herausstellt, die Öffentlichkeit über seine Aktivitäten in der Anfangsphase der Krise belogen hat, bringt zusätzliche Brisanz ins Spiel. Ohnehin stand er in der Kritik, weil er sich zu spät am Ort des Geschehens habe blicken lassen. Begründet hat er dies mit dauerhaften Telefonaten und damit, dass er sich im Büro eingeschlossen habe.

Der zweite Fehler ist das Krisenmanagement selbst. In jeder Krise passieren Fehler, die man im Nachgang aufarbeiten muss. Dennoch gab es Punkte, die mit voller Konzentration zu Beginn hätten vermieden werden können. Schnellere Hilfe von der Bundeswehr, Hotels, die Betten anbieten. Bessere Erreichbarkeit, ein schneller installierter Krisenstab. Und: Dass Berlin im Krisenfall nicht gut aufgestellt ist, ist seit Jahren bekannt. Mindestens das hätte der Regierende als Verantwortlicher entschlossener angehen müssen.

Kai Wegner hat politisch in dieser Krise versagt. Dabei waren die Grundvoraussetzungen doch optimal für ihn. Schnell stellte sich heraus, dass mutmaßlich Linksterroristen die Tat begangen haben. Ein politisches Geschenk für einen konservativen Regierungschef in einem Wahljahr. Zumal das Ganze auch noch in einem bürgerlichen Wohngebiet passiert ist. Doch nichts davon konnte er in einen politischen Erfolg verwandeln.

Stattdessen stehen jetzt alle düpiert da. Die Hauptstadt, weil wieder der Eindruck entsteht, dort bekomme man einfach nichts auf die Reihe. Was falsch ist, denn viele Menschen haben schnell geholfen. Am Ende ging der Strom sogar einen Tag früher wieder an als vorhergesagt. Doch diese Erfolgsmeldung ging am Mittwoch komplett unter. Und daran ist allein Wegners Kommunikationsverhalten schuld.

Kopfschütteln in der Bundes-CDU

Wegner selbst steht maximal beschädigt da. Kopfschütteln in der Bundes-CDU, Wut bei den Betroffenen und Enttäuschung bei den eigenen Leuten. Schließlich galt der Instinkt für die Bedürfnisse der Menschen als Wegners große Stärke.

Das Vertrauen in ihn und seine Fähigkeiten als Krisenmanager sind stark beschädigt. Dabei weht mit Sturmtief Elli bereits die nächste Krise heran. Ob die Stadt darauf vorbereitet ist, ob Kai Wegner die Lage im Griff hat, bleibt angesichts der vereisten Wege offen.

Seiner eigentlich guten Chance, wiedergewählt zu werden, hat sich Kai Wegner vermutlich erst einmal beraubt. Schwerer wiegt aber, dass er dem Vertrauen in die Politik insgesamt geschadet hat. Denn politisch Verantwortliche sollten keinen Zweifel daran lassen, dass sie in solchen Krisensituationen vollumfänglich und mit aller Ernsthaftigkeit für die Menschen da sind.

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