Gute Städte für E-Autos : Berlin will sich von München bei Ladesäulen nicht abhängen lassen

24.000 Ladesäulen gibt es inzwischen in Deutschland. Bei der Anzahl hat sich München an die Spitze gesetzt, Berlin landet nur noch auf Platz drei.

Ladesäule in Neuenstein, Baden-Württemberg, Neuenstein
Ladesäule in Neuenstein, Baden-Württemberg, NeuensteinFoto: Sina Schuldt/dpa

Binnen eines Jahres ist in Deutschland die Zahl der Ladepunkten für Elektroautos um fast 50 Prozent gestiegen. Es gibt aber große regionale Unterschiede: Während in Großstädten und Ballungsräumen inzwischen vergleichsweise viele Ladestationen zu finden sind, bestehen auf dem Land noch viele „weiße Flecken“. Das geht aus einer Auswertung des Energieverbandes BDEW hervor.

Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit mit Stand Ende 2019 rund 24.000 öffentliche Ladepunkte – das sind 8000 mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Schnellladestationen liegt laut BDEW-Ladesäulenregister bei rund 15 Prozent. Demgegenüber stünden derzeit rund 220.000 E-Autos und Plug-in-Hybride, schreibt der BDEW. Im Durchschnitt würden sich damit gerade einmal neun E-Autos beziehungsweise Plug-in-Hybride einen Ladepunkt teilen.

80 Prozent der Ladevorgänge würden zuhause oder am Arbeitsplatz stattfinden. „Umso wichtiger ist es, dass im privaten Bereich jetzt endlich die Hürden für den Aufbau von Ladeinfrastruktur abgebaut werden. Das sollte sich die Politik weit oben auf ihre Agenda für das neue Jahr setzen“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

In den kommenden Jahren sollen E-Autos den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen. Die Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, mit dem die Klimaziele 2030 vor allem im Verkehr erreicht werden sollen. Dafür wird bis 2030 eine Zahl von 7 bis 10 Millionen E-Autos in Deutschland als notwendig angesehen.

Die Bundesregierung hatte einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ vorgelegt, mit dem der Ausbau der Ladesäulen beschleunigt werden soll. Ziel ist ein flächendeckendes und kundenfreundliches Ladenetz.

Zahl der Ladesäulen – München zieht an Berlin vorbei

Unter den Großstädten gibt es die laut BDEW meisten Lademöglichkeiten in München (1103) und Hamburg (1070) - München sei damit an Hamburg vorbeigezogen. Die größte Stadt Berlin (974) folgt an dritter Stelle. Dahinter liegen Stuttgart (405), Düsseldorf (225) und Leipzig (215). Mehr als 75 Prozent der öffentlichen Ladepunkte würden von Energieunternehmen errichtet und betrieben, so der BDEW.

In Vergleich der Großstädte sind die E-Auto-Fahrer in München (1103 öffentliche Ladepunkte) und Hamburg (1070) deutlich besser versorgt als die in Berlin. In der Hansestadt müssen sich nur umgerechnet 4,8 zugelassene Elektroautos eine Ladesäule teilen. In Berlin kommen auf einen Ladepunkt noch 7,5 Fahrzeuge.

Eigentlich müsste die Hauptstadt, das sich seit Jahren auch als „Schaufenster Elektromobilität“ präsentiert, über eine deutlich bessere Infrastruktur verfügen. Im Rahmen des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017-2020“ finanziert der Bund unter anderem ein Pilotprojekt, bei dem insgesamt 1000 Straßenlaternen als Stromtankstellen umgerüstet werden – in Zusammenarbeit mit dem Berliner Technologieunternehmen Ubitricity.

Im Herbst 2019 hätte die ersten „Laternentankstellen“ eingeweiht werden sollen, erklärte Nadja Zivkovic (CDU), Stadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen im Pilotprojektbezirk Marzahn-Hellersdorf am Freitag. Derzeit rechne sie mit ersten Laternensäulen im Frühjahr. Zivkovic rief die Bürger des Bezirks auf, ihrer Behörde weiter Standorte für Laternen mit Ladepunkt vorzuschlagen (Kontakt hier).

Bei Berlins zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sprach man am Freitag gleichwohl von einem "erfolgreichen Start" des Programms. Derzeit werde unter anderem ein Weg gesucht, die Smart-Metering-Technologie in das Modell zu integrieren, damit jeder E-Autonutzer an den installierten Laternenladepunkten laden könne, sagte eine Sprecherin der Verwaltung. "Wie im Projektplan vorgesehen, läuft momentan die Standortprüfung für die Laternenladepunkte. Hierbei müssen vor allem auch die technischen Voraussetzungen betrachtet werden, da Berlin ein historisch gewachsenes Laternennetz hat, welches teilweise noch mit Gas betrieben wird", gab sie zu bedenken.

Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, liegt in absoluten Zahlen Bayern vorne - mit 5656 öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Es folgen Baden-Württemberg (4094) und das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen (3880). Im relativ dünn besiedelten Flächenland Brandenburg stieg die Zahl der Ladesäulen von 202 auf 355, was noch keine komfortable Versorgung mit Autostrom bietet, bedenkt man, wie lang die Strecken sind, die man auf Fahrten durch die Mark zurücklegen kann. Ob der geplante Bau der Fabrik des kalifornischen Elektroautoherstellers Tesla in Grünheide östlich von Berlin neuen Schub bei der Ladeinfrastruktur gibt, wird sich zeigen.

[Wo ist die nächste Ladesäule? Der Energieverband BDEW betreibt dazu eine Internetseite, mit der man Ladepunke suchen kann.]

Bei der Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte je 1000 Quadratkilometer sind Hamburg (1417) und Berlin (1093) an der Spitze. Es folgen Bremen (286), Baden-Württemberg (115), NRW (114), Hessen (82) und das flächenmäßig größte Bundesland Bayern (79). Die wenigsten Ladepunkte je 1000 Quadratkilometer gibt es in den ostdeutschen Ländern Sachsen-Anhalt (16), Brandenburg (12) und Mecklenburg-Vorpommern (9).

Ladesäulen – Bund und Land will Ausbau beschleunigen

Mitte Dezember hatte es ein Spitzentreffen von Bundesregierung und Energiewirtschaft gegeben. „Unser Ziel ist, dass bald niemand in Deutschland noch sagt: 'Ich kaufe mir kein E-Auto, weil ich nicht weiß, wie und wo ich es laden soll'“, hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gesagt.

Vereinbart wurde, dass die Energiewirtschaft im kommenden Jahr einen Leitfaden für die Betreiber von Ladeinfrastruktur erstellen soll. Außerdem sollen Genehmigungsverfahren und Prozesse für den Netzanschluss beschleunigt werden.

Das Land Berlin betreibt derweil auch Förderprogramme zum Ausbau der Elektromobilität generell. So können Unternehmen über das gerade erst aufgestockte Programm "Welmo" bei der Förderbank IBB einen Zuschuss bei der Anschaffung von Elektro- und Hybridfahrzeugen oder der Installation einer Ladesäule auf dem privaten Firmengelände beantragen.

Berlins Senat relativiert Zahlen des BDEW

Unterm Strich möchte man bei Berlins Senatsverwaltung für Verkehr nicht den von dem BDEW-Studie erzeugten Eindruck, Berlin werde beim Thema e-Mobilität abgehängt, stehenlassen. Man könne die BDEW-Zahlen nicht bestätigen werden, da hier nicht nach öffentlichem Raum und halböffentlichem Raum unterschieden werde, teilte eine Sprecherin mit. Der Rechnung ihrer Behörde zufolge seien in Berlin bis zum November 2019 exakt 578 Ladepunkte an 307 Standorten im öffentlichen Raum im Auftrag der Behörde installiert worden.

Hinzu kämen insgesamt 189 Ladepunkte privater Betreiber im öffentlichen Raum, "die nach dem Berliner Modell arbeiten", hieß es. Da der Ausbau weiter voranschreitet, werden im Verlauf des Jahres 2020 aller Voraussicht nach somit über 1000 Ladepunkte im öffentlichen Raum verfügbar sein. Diese werden durch jene im halböffentlichen Raum ergänzt, in die BDEW-Statistik einflössen.

(mit dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

10 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben