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Die Flugbegleiter der Lufthansa legen die Arbeit nieder.

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Die Flugbegleiter der Lufthansa legen ab Freitag, 14 Uhr in Frankfurt und Düsseldorf die Arbeit nieder. 290 Flüge fallen aus. Auch die Verbindungen zwischen Frankfurt und Berlin sind gestrichen. Der Streik könnte eine Woche lang andauern.

Die Flugbegleiter der Lufthansa legen am Freitag die Arbeit nieder. Von 14 Uhr bis 23 Uhr seien alle Kabinenmitarbeiter der Lufthansa an den Flughäfen Frankfurt und Düsseldorf zum Streik aufgerufen, teilte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Freitag mit. Deshalb fallen nach Informationen der Lufthansa allein am Freitag 290 Flüge aus, darunter 23 Interkontinental-Verbindungen. Von den Absagen in Frankfurt und Düsseldorf seien 37.500 Passagiere betroffen. Auch alle 17 Lufthansa-Flüge, die für Freitagnachmittag zwischen Frankfurt und Berlin geplant waren, fallen aus. Über den Sonderflugplan können Kunden sich auf der Lufthansa-Homepage informieren. Betroffen sind von den Streiks nur die Lufthansa-Flüge - also nicht die der Konzern-Töchter. Das heißt: Germanwings, Eurowings, Swiss und Austrian Airlines fliegen.

Lufthansa-Töchter wie Germanwings sind nicht betroffen

Und so geht es weiter: Die Gewerkschaft Ufo hat bereits angekündigt, den Streik auch am Samstag fortzusetzen: Auch dann sollen die Flugbegleiter am Standort Frankfurt die Arbeit niederlegen - und zwar dann sogar von 6.00 Uhr bis 23 Uhr. Und: Sollte die Airline nicht einlenken, werde Ufo die angekündigten Streiks bis zum kommenden Freitag fortsetzen, hieß es. Damit wäre es der längste Arbeitskampf in der Lufthansa-Geschichte. „Alle Passagiere der Lufthansa müssen damit rechnen, dass ihr Flug kurzfristig ausfällt“, erklärte Ufo-Chef Nicoley Baublies die flexible Taktik der Gewerkschaft ohne festgelegte Ankündigungsfristen. „Wir haben einen achttägigen Streik bis Freitag nächster Woche. Wie viele Ausnahmen es dabei geben wird, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Lufthansa ab.“

Lufthansa reserviert Hotelzimmer für gestrandete Passagiere

Die Lufthansa rechnet mit heftigen Auswirkungen des Streiks. Es sei davon auszugehen, dass im Europaverkehr ab 14.00 Uhr großflächig Flüge gestrichen werden müssten, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Auf der Langstrecke sollten nach Streikbeginn noch mindestens acht Verbindungen ab Frankfurt angeboten werden.

Der Flughafen Frankfurt ist das wichtigste Drehkreuz der Lufthansa. In Düsseldorf gibt es dagegen nur Verbindungen nach München und Frankfurt - insgesamt 18 Flugpaare täglich sowie einen internationalen Flug nach New York. Für gestrandete Umsteiger reservierte die Lufthansa in Frankfurt vorsorglich bereits 2500 Hotelzimmer.

Betroffene Kunden können kostenfrei stornieren oder umbuchen

Die Lufthansa hat für den Fall des Streiks Kulanzregelungen angekündigt. Fluggäste, deren Flug gestrichen werden sollte, hätten immer die Möglichkeit, ihren Flug kostenfrei umzubuchen oder kostenfrei zu stornieren. Passagiere, die ihre Daten auf der Internetseite unter „Meine Buchungen“ hinterlegt haben, würden per SMS über etwaige Streichungen informiert. Aktuelle Informationen stellt die Gesellschaft auf Ihrer Homepage bereit. Die Service-Telefonnummer lautet: (069) 86 799 799.

Grundsätzlich darf eine Fluggesellschaft ihre Kunden auch auf Bus oder Bahn umbuchen, sofern das Ziel gut über Land erreichbar ist. Sollten Kunden mehrere Stunden am Flughafen warten müssen, muss die Airline für Verpflegung sorgen. In der Regel verteilen die Gesellschaften Gutscheine. Entschädigungen für Verspätungen muss die Airline bei Streiks jedoch nicht zahlen. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline allerdings die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

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Die Flugbegleiter der Lufthansa legen die Arbeit nieder.
Die Flugbegleiter der Lufthansa legen die Arbeit nieder.

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Ufo hatte bereits Anfang der Woche angekündigt, dass wenn es zum Streik kommen sollte, dieser eine Woche dauern soll. Lufthansa und die Gewerkschaft hatten sich am Donnerstag noch zu letzten Verhandlungen getroffen – aber vergeblich.

Die Lufthansa übte heftige Kritik an der Gewerkschaft. "Wir wissen nicht, wo, wann und wie gestreikt wird", sagte ein Sprecher. Das mache es sehr schwer, einen Notfallplan aufzustellen. „Wir haben aber schon Stornierungen und Umbuchungen“.

Zuvor hatten Lufthansa und Ufo in letzten Gesprächen versucht, doch noch zu einer Einigung zu kommen. Man sei in allen Punkten auf die Forderungen der Gewerkschaft eingegangen, betonte der Luftfahrtkonzern. Ufo-Chef Baublies widersprach. Die Lufthansa habe kein verbessertes Angebot vorgelegt, sagte der Gewerkschafter.

Bereits am Mittwoch hatte Lufthansa-Personal-Vorstand Bettina Volkens Ufo neue Vorschläge für die Übergangs- und Altersvorsorge auf der Basis des bisherigen Angebotes vorgelegt. Ufo-Chef Udo Baublies hatte dieses als „reinen PR-Gag“ und als alten Wein in neuen Schläuchen bezeichnet.

Konzern reagiert mit Unverständnis

Volkens bezeichnete den Aufruf zu einem achttägigen Streik als völlig unverständlich und wies sie den Vorwurf von Baublies empört zurück, den 19.000 Lufthansa-Flugbegleitern drohe Altersarmut. Wer als Flugbegleiter bis 65 arbeite könne aus heutiger Sicht mit einer gesetzlichen und betrieblichen Rente von insgesamt 3.660 Euro rechnen, ein Purser, der Chef der Kabinenbesatzung, mit 4.800 Euro. Dies entspreche über 90 Prozent des letzten Gehaltes.

Allerdings arbeiten nur sehr wenige Flugbegleiter bis zur Altersgrenze, im Schnitt scheiden sie mit 56 Jahren aus. Dann liegen die Altersbezüge bei Eintritt in das Rentenalter mit 63 im Schnitt bei etwa 1.700 Euro. Bis dahin erhalten die ausgeschiedenen Flugbegleiter eine Übergangsversorgung von 60 Prozent des letzten Gehaltes, was im Schnitt mindestens rund 2.500 Euro entspricht.

Das System für die Übergangs- und Altersversorgung will die Lufthansa für die nächsten zehn Jahre festschreiben, für bereits angestellte und für in dieser Zeit neu engagierten Flugbegleitern. Allerdings geht das Zinsrisiko für die betriebliche Altersvorsorge vom Unternehmen auf die Mitarbeiter über. Vor allem hier erhofft sich Volkens erhebliche Einsparungen. Neu sei auch, dass die Teile der Übergangsversorgung nicht mehr wie bisher verfallen, wenn sie nicht in Anspruch genommen werden, sondern als Einmalzahlung oder Altersrente ausgezahlt werden.

 Einstiegsgehalt liegt bei 2.200 Euro

Auch in Zukunft soll es für Flugbegleiter möglich bleiben, mit 55 Jahren in die Übergangsversorgung zu wechseln. Allerdings müssen sie dann künftig mit einem Abschlag von 12,5 Prozent gegenüber der aktuellen Regelung rechnen. Volkens räumt ein, dass das Zinsrisiko für den Kapitalanteil der Altersversorge künftig beim Mitarbeiter liegt, mit 5,5 Prozent ist die voraussichtliche Rendite, so die Managerin aber immer noch hoch. Im vergangenen Jahr habe sie bei 6,5 Prozent gelegen. Ihren Angaben zufolge liegt das Bruttoeinstiegs-Gehalt eines Flugbegleiters nach dreimonatiger Ausbildung mit allen Zulagen bei rund 2.200 Euro (und nicht bei 1.600 wie Ufo behaupte), ein Purser verdiene in der Endstufe rund 6.700 Euro und nicht 4.400.

Entschieden weist Volkens die Forderung von Ufo zurück, dass Lufthansa die Abschläge erstatten soll, die Flugbegleiter bei der gesetzlichen Rente hinnehmen müssen, wenn sie vorzeitig aufhören. „So etwas gibt es nirgendwo. Dies und andere Forderungen würden zu einer Steigerung der Versorgungskosten um 25 Prozent führen.“

Als „rein machtpolitisch motiviert“ und als nicht im Interesse der Kabinenmitarbeiter bezeichnet die Managerin die Forderung, dass Lufthansa bei Neueinstellungen ohne Probezeiten und Auswahlverfahren und unter Anrechnung vorheriger Dienstzeiten, Flugbegleiter einstellen soll, die bei anderen deutschen Airlines ihren Arbeitsplatz verloren haben. Dies hieße, dass ein Flugbegleiter,  der etwa bei Air Berlin oder Condor seinen Job verlieren würde, von Lufthansa übernommen und allen anderen Bewerbern vorgezogen werden müsste.

 Lufthansa kann auf bestes Ergebnis in der Geschichte hoffen

Volkens räumte ein, dass die Lufthansa in diesem Jahr auf Rekordkurs liegt und möglicherweise das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen wird. Jeder Mitarbeiter werde mit einer Sonderzahlung an diesem Erfolg beteiligt. Dies ändere aber nichts daran, dass Lufthansa ihre strukturellen Kosten senken müsse.

Unabhängig vom Konflikt mit Ufo beginnen am Donnerstag die Verhandlungen der Lufthansa mit der Dienstleistungsgewerkschaft verdi über die betriebliche Altersversorgung der 33.000 Boden-Mitarbeiter der Lufthansa. (mit rtr, dpa)

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