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Nach Datenskandal : Europäische Nutzer lassen Facebook fallen

Daumen runter: Nach dem Skandal um Cambridge Analytica und den neuen Datenschutzregeln zeigt Facebook Schwächen. Auch wenn das Netzwerk weiter Milliarden scheffelt - die Aktie stürzt ab.

Das Logo von Facebook ist auf einem iPhone 5s zu sehen.
Das Logo von Facebook ist auf einem iPhone 5s zu sehen.Foto: Lukas Schulze/dpa

Zumindest zahlenmäßig ging es für Facebook bislang fast nur nach oben. Doch nun musste das US-Unternehmen einen herben Rückschlag hinnehmen: Zum ersten Mal in der Geschichte sanken die Nutzerzahlen in Europa. Nachdem Facebook im vergangenen Quartal die Analysten-Erwartungen auch beim Umsatz verpasste und die Führungsriege nur eine sehr vorsichtige Prognose abgab, stürzte der Aktienkurs am Donnerstag um knapp 20 Prozent ab. Es war der größte Tagesverlust seit dem Börsengang 2012. Der Konzern verlor so etwa 130 Milliarden Dollar an Börsenwert - mehr als die gesamte Marktkapitalisierung des größten Dax-Unternehmens SAP. „Das Ausmaß der Kursbewegung hat uns alle auf dem falschen Fuß erwischt“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Hauptgrund war, dass die Zahl der mindestens einmal im Monat aktiven Nutzer in Europa von 377 auf 376 Millionen gesunken ist. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Das könnte eine Folge der beispiellosen Kritik nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica sein. Es war das erste komplette Quartal seit dem Ausbruch des Datenskandals Mitte März. Das Online-Netzwerk war unter massive Kritik geraten, weil einst Daten von Millionen Nutzern an die Datenanalyse-Firma abgeflossen waren. Zudem sind vor zwei Monaten die strengeren EU-Datenschutzregeln in Kraft getreten. Firmenchef Mark Zuckerberg sagte jedoch, es sei ermutigend, dass die große Mehrheit der Nutzer in Europa der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe.

In den USA stagniert die Nutzerzahl schon lange

Allerdings legen die Nutzerzahlen in den Kernmärkten schon länger nicht zu. In den USA verzeichnete Facebook im vierten Quartal 2017 erstmals einen Nutzerrückgang, im wirtschaftlich wichtigsten Heimatmarkt stagnieren die Zahlen seither. Facebook-Manager gaben keine Prognose dazu ab, wie sich diese Zahlen entwickeln werden. Doch in Asien und anderen Regionen wächst das Netzwerk weiter. Insgesamt legte die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer weltweit so von knapp 2,2 auf 2,234 Milliarden zu. Das Wachstum verlangsamte sich damit. In dieser Situation führte der Konzern eine neue Rechenart ein. Auf mindestens eine App aus dem Facebook-Konzern - dazu gehören unter anderem auch die Fotoplattform Instagram und der Chatdienst WhatsApp - griffen im Juni rund 2,5 Milliarden Nutzer zu, hieß es.

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Vor allem auf Instagram und WhatsApp dürften nun die Hoffnungen von Firmenchef Zuckerberg ruhen. Der Bilderdienst Instagram wuchs auf eine Milliarde monatlicher Nutzer von 600 Millionen zum Ende vergangenen Jahres. Die beiden Messenger-Dienste von Facebook, Messenger und WhatsApp hatten jeweils mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer gemeldet. Instagram trägt nach Einschätzung der Analysten von EMarketer voraussichtlich 18 Prozent in diesem und 23 Prozent im nächsten Jahr zu den Facebook-Einnahmen bei. „Es scheint aber, das die stärkere Perfomance von Instagram nicht ausreicht, um den Gegenwind auszugleichen“, sagte Analyst Colin Sebastian von Eobert W. Baird&Co.

Werbung bei WhatsApp wahrscheinlicher

Das dürfte den Druck erhöhen, auch bei WhatsApp Werbung zu schalten. Überlegungen dazu gab es immer wieder. Nachdem die Gründer, die sich immer vehement dagegen sperrten, inzwischen den Konzern im Streit verlassen haben, ist der Weg dafür frei.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg.Foto: Charles Platiau//REUTERS

Auch so kann der Kurssturz zunächst einmal als Überreaktion wirken - denn Facebook ist weiterhin eine Geldmaschine. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Und auch nach dem Cambridge-Analytica-Skandal war die Aktie ähnlich stark von 150 auf knapp 120 Dollar gefallen. Doch dann erholte sich das Papier schnell und hatte erst vor der Präsentation der Zahlen den nächsten Höchststand bei fast 185 Dollar markiert.

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