Pflege-Leasing in der Coronakrise : Die Pfleger-Vermittlungen rüsten sich für den Patientenansturm

Deutschlandweit steigt der Bedarf an Leiharbeitern in der Pflege. In Berlin bemerken die Zeitarbeitsfirmen aber keine erhöhte Nachfrage. Noch nicht.

Coronakrise verschlimmert den Pflegenotstand in deutschen Kliniken.
Coronakrise verschlimmert den Pflegenotstand in deutschen Kliniken.Foto: M. Murat/dpa

Die Krankenhäuser in Deutschland sollen ihre Behandlungskapazitäten wegen des Coronavirus ausbauen. Gleichzeitig wird Pflegepersonal nach dem Kontakt mit infizierten Patienten nach Hause in Quarantäne geschickt und es fällt Pflegekräften mit Kindern immer schwerer, die Betreuung der Kleinen zu organisieren.

Vor diesem Hintergrund steigt offenbar die Nachfrage nach Leasingkräften in der Pflege deutlich an. Das bestätigt Alexander Muschalle, Geschäftsführer der Berliner Firma InSitu. Sie ist nach eigenen Angaben das größte Vermittlungsportal in Deutschland, das Auftraggeber und Leiharbeitsfirmen in der Pflege zusammenbringt. Man verzeichne einen starken Preisanstieg bei Verträgen außerhalb der Plattform. „Ich will nicht von Preissteigerungen wie bei Atemmasken sprechen, aber es ist signifikant.“

Vermittler friert die Preise für Leasingkräfte ein

Man habe deshalb entschieden, die Preisobergrenze in der jetzigen Höhe einzufrieren. „Damit unterstützen wir jene Zeitarbeitsfirmen, die die Lage erkennen und versuchen den Markt zu beruhigen, indem sie auf Preissteigerung verzichten“, sagt Muschalle.

Die Preisobergrenze für die mit ihr kooperierenden Zeitarbeitsfirmen hatte InSitu Ende Januar angekündigt. Demnach sollten die Löhne für geleaste Pflegekräfte, von einem kleinen Flexibilitätsbonus abgesehen, nicht höher liegen als das Tarifentgelt für das Stammpersonal. Bis dato verdienten Leiharbeitskräfte in Berliner Krankenhäusern für die gleiche Arbeit und ohne starres Schichtsystem teilweise fast ein Drittel mehr als fest angestelltes Pflegepersonal.

Berlin habe an dieser Front noch etwas Ruhe, sagt Muschalle, dessen Firma nach eigenen Angaben 80 Prozent des Berliner Marktes für Leasing-Pflegekräfte in den Kliniken überblickt. Zum einen sei hier die Zahl der Infektionen noch relativ gering und zum anderen die Versorgungsdichte sehr hoch. Offenbar würden die Krankenhäuser genau das tun, was die Politik von ihnen erwartet: ihre Ressourcen zusammenziehen und sich auf die Versorgung schwer und akut kranker Menschen konzentrieren, auch durch die Verschiebung planbarer Operationen.

In Baden-Württemberg sucht ein Pflegeheim dringend Mitarbeiter

Diesen Eindruck bestätigt die Berliner Zeitarbeitsfirma Anbosa, die auf die Überlassung von Pflegekräften in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern und Pflegeheimen spezialisiert ist. „Die Nachfrage nach Pflegefachkräften hat sich in unserem Unternehmen durch die Coronakrise nicht verändert“, sagt Geschäftsführer Andreas Worch. Man habe aber eine Anfrage eines Trägers aus Baden-Württemberg, der für fünf Altenpflegeeinrichtungen Personal suche.

„Offensichtlich fehlen dort Pflegefachkräfte, weil ein Teil der Belegschaft direkt an Covid-19 erkrankt ist“, sagt Worch. „Aber bezogen auf den Vorjahreszeitraum haben wir weder eine größere Nachfrage nach Gesundheits- und Krankenpflegern, noch nach Altenpflegern.“ Aktuell gebe es keine Steigerung der Nachfrage, heißt es auch beim Berliner Unternehmen Talea, das ambulante Pflegedienste und eine Einheit für Personalleasing betreibt.

Die Nachfrageruhe in Berlin werde nicht anhalten

Die auf Pflege spezialisierte Berliner Zeitarbeitsfirma Flexxicare registriert zurzeit sogar eine rückläufige Nachfrage nach Leasingpersonal. „Wir liegen derzeit unter den Vorjahren“, sagt Inhaber Harald Danneberg. Da die Kliniken die planbaren Eingriffe jetzt verschieben, kämen sie mit ihrem Stammpersonal zurecht. Zudem gebe es gerade in Berlin ein Überangebot an Leasingfirmen. Und schließlich hätten die hohen Preise in der Vergangenheit den Markt nachhaltig „kaputtgemacht“. Aber die Nachfrage werde wieder steigen – „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“

Dass diese Ruhe in Berlin voraussichtlich nicht anhalten werde, glaubt auch der Geschäftsführer von InSitu. Spätestens Ende März erwartet Alexander Muschalle einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Denn dann würden die Kapazitäten der Kliniken unter dem Ansturm von Covid-19-Patienten und Erkrankungsfällen beim eigenen Personal an ihre Grenzen kommen, vermutet er. Und in dem Augenblick stünden dann wohl auch die Preisobergrenzen der Vermittler unter Druck.

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